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19. Januar 2010
Geothermieprojekt stößt auf große Vorbehalte
Projektleiter von Badenova informiert über geplante Anlage in Oberrimsingen / Ortschaftsrat befürwortet unter Auflagen eine geophysikalische Voruntersuchung.
BREISACH-OBERRIMSINGEN. Unter gewissen Bedingungen hat der Oberrimsinger Ortschaftsrat in seiner jüngsten Sitzung dem Antrag der Badenova für eine geophysikalische Erkundung am Rimsinger Ei zugestimmt. Dabei handelt es sich um eine Voruntersuchung für eine Anlage zur geothermischen Stromerzeugung. Festgehalten wurde, dass die Zustimmung keine weiteren Zugeständnisse für mögliche Bohrungen oder den Bau von Anlagen bedeute. In der gut besuchten Sitzung in der Tuniberghalle trugen auch die Bürger viele Bedenken gegen eine Geothermieanlage vor.
Die Breisacher Stadtverwaltung war durch den Leiter des Bauverwaltungsamtes, Florian Herth, sowie Siegmar Geisert, Chef des Tiefbauamtes, vertreten. Projektleiter Martin Barnsteiner von der Badenova stellte das Vorhaben vor und informierte über das Thema Geothermie. Augenblicklich gehe es um den Antrag für seismische Bodenuntersuchungen. Sie sollen zeigen, ob sich das Gelände für eine Geothermieanlage eignet, wie es eine bereits erstellte Machbarkeitsstudie prognostiziert hatte, erläuterte Barnsteiner.Werbung
Bei der seismischen Messung werden entweder durch kleine Sprengungen oder durch Vibrationsfahrzeuge Schallwellen in den Boden abgegeben. Geophone, die im Boden stecken, zeigen ihre Reflexionen auf. Anhand der ausgewerteten Daten soll ein Modell der Bodenbeschaffenheit erstellt werden.
Um Umweltschäden, beziehungsweise Beeinträchtigungen der Natur, so gering wie möglich zu halten, sei die Untersuchung im Winter 2010/2011 geplant. Wo möglich, würden Vibrationsfahrzeuge verwendet, sagte der Projektleiter. Diese Fahrzeuge würden nur nur geringe Schäden hinterlassen, die betroffenen Landwirte würden gegebenenfalls entschädigt. Barnsteiner betonte, dass es sich bei dem geplanten Projekt um Tiefengeothermie handele, die vorgesehene Bohrtiefe betrage 3200 Meter. Die hydrothermale Anlage nutze vorhandene Grundwasserquellen im Sedimentbereich. Eine Hot-Fractured-Anlage, wie sie in Basel geplant war, solle nicht gebaut werden. In der Fragerunde formulierten Räte und Zuhörer ihre große Unsicherheit gegenüber den Risiken der Geothermie sowie gegenüber der Umsetzung des geplanten Projektes.
Auch wurden Befürchtungen laut, dass Erdstöße die Sicherheit des AKW Fessenheim gefährden könnten. Der Badenova-Experte konnte eventuelle Risiken, zum Beispiel das Auslösen von Erdstößen, nicht vollständig ausschließen.
Unzufrieden waren die Bürger mit den Auskünften zu Haftungsfragen. Bei einem Bau der Anlage wird es durch die mehrere Monate andauernden Bohrungen, die 24 Stunden am Tag erfolgen sollen, zu Lärmemissionen kommen. Ein weiterer Punkt auf der Liste der zahlreichen Bedenken war das Kraftwerk selbst. Geplant ist eine drei Megawatt-Anlage. Ausgehend von einem jährlichen Verbrauch von 3000 Kilowattstunden, könnten damit 8000 Haushalte versorgt werden. Hochspannungsleitungen sollen nicht errichtet werden, der Strom werde unterirdisch geleitet, erklärte Barnsteiner. Das Kraftwerk soll mit Wasser aus dem Rhein gekühlt werden. Bisher gebe es keine Abnehmer für die entstehende Abwärme, sagte Barnsteiner, der sich sichtlich bemühte, auf die zahlreichen Fragen einzugehen.
Dennoch blieb das Publikum verunsichert. Der Vorbehalt, dass man derzeit einfach nicht genug über diese Technologie wisse, aber auch die immer wieder geäußerten Fragen zur Haftung konnten nicht völlig ausgeräumt und geklärt werden. Zwar ging es jetzt lediglich um den Antrag auf seismische Untersuchungen, doch immer wieder wurde die Befürchtung laut, dass, sollten diese Untersuchungen genehmigt werden, alles weitere nachfolgen werde. Dieser Sorge trägt auch die Stellungnahme des Ortschaftsrats Rechnung. Festgehalten wurde, dass das Gremium gegenüber der Nutzung regenerativer Energien – auch von Erdwärme – grundsätzlich positiv eingestellt ist. Da die seismische Untersuchung als unbedenklich gelte, werde dem Antrag von Badenova unter bestimmten Auflagen zugestimmt. Dazu gehören zum Beispiel die Beseitigung von Schäden, der Lärmschutz, die Information der betroffenen Landwirte und der Bevölkerung sowie die Forderung, "bei Vorliegen von Beeinträchtigungen durch Lärm, Erschütterungen oder anderem die Messungen unverzüglich einzustellen".
Der Ortschaftsrat betonte, dass die Zustimmung "vorerst keine weiteren Zugeständnisse auf mögliche Bohrungen oder den Bau von Anlagen jeglicher Art" bedeute.
Außerdem wurde ein Forderungskatalog erstellt, für den Fall, dass das Untersuchungsergebnis eine geothermische Nutzung empfehlen sollte. Gefordert werden beispielsweise eine unabhängige Risikoanalyse, die Darstellung von Umwelteinflüssen und die Klärung, wer bei Schäden haftet.
Geothermie
Geothermie ist der Fachbegriff für die unter der Oberfläche gespeicherte Erdwärme. Bei zunehmender Tiefe wird es wärmer, um etwa 3 Grad Celsius pro 100 Meter. Bei der geplanten Geothermieanlage Breisach soll die Wärmeenergie aus Wasser führenden Schichten zur Stromerzeugung genutzt werden. Beim Einsatz der hydrothermalen Tiefengeothermie braucht man Temperaturen über 100 Grad Celsius. Das heiße Wasser wird an die Oberfläche in ein Kraftwerk gepumpt, um mit dem Dampf eine Turbine zur Stromerzeugung zu betreiben. Das abgekühlte Wasser wird dann wieder zurück in die Tiefe gepumpt. Gebohrt wird bis zu einer Tiefe von maximal 3500 Metern, somit bleibt man bei der hydrothermalen Tiefengeothermie im Sedimentbereich. Wenn es entsprechende Abnehmer gibt, kann die Abwärme aus dem Kraftwerk für Fernwärme verwendet werden. Das Breisacher Kraftwerk soll mit Wasser aus dem Rhein gekühlt werden. Ein anderes Verfahren nutzen die sogenannten Hot-Fractured-Rock-Anlagen (HFR-Anlagen). Dabei werden in bis zu 5500 Metern Tiefe in nicht Wasser führenden Schichten oder nur wenig Wasser führenden Schichten kleine Risse und Hohlräume im Fels, sogenannte Klüfte, geschaffen oder natürliche Klüfte unter großem Druck erweitert. In diese Klüfte wird dann Wasser hineingepumpt, das sich erwärmt und danach wieder an die Oberfläche gepumpt wird. Die Gefahr, dass Erdstöße ausgelöst werden, ist beim HFR-Verfahren größer als bei der hydrothermalen Tiefengeothermie.
Autor: mez
Autor: Meike Zorn
