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06. Februar 2010

Kraus führt grenzüberschreitenden Zweckverband

Bürgermeisterin Kathrin Schönberger zieht Kandidatur zurück, um sich ganz den Aufgaben in Hartheim widmen zu können.

HARTHEIM/ESCHBACH. Harald Kraus, Bürgermeister von Eschbach, ist neuer Präsident des ersten deutsch-französischen grenzüberschreitenden örtlichen Zweckverbandes Mittelhardt/Oberrhein (GöZ). Er löst in diesem Amt den bisherigen Bürgermeister von Hartheim, Martin Singler, ab. Stellvertreterin ist die Fessenheimer Amtskollegin Fabienne Stich. Dem geschäftsführenden Vorstand gehören außerdem die neue Hartheimer Bürgermeisterin Kathrin Schönberger und von elsässischer Seite der Bürgermeister von Rumersheim, André Onimus, an.

Die Neuwahlen fanden in der Verbandsversammlung am Donnerstag in Fessenheim statt. Bürgermeisterin Kathrin Schönberger, die auf Wunsch des Hartheimer Gemeinderats eigentlich ihren Vorgänger beerben sollte, hatte ihre Bewerbung zurückgezogen. Nicht nur wegen der Hinweise von elsässischer Seite, es gebe gegen sie als bekennende Atomkraftgegnerin Vorbehalte. Entscheidend für den Entschluss sei die Entschlossenheit, als neue Bürgermeisterin ihre Arbeitskraft zu 100 Prozent den Aufgaben in Hartheim widmen zu wollen. "Ich halte Harald Kraus für einen durchaus fähigen Präsidenten, der den Zweckverband wieder aktiviert und seine Ideen für einen lebendigen Austausch unter den Kommunen mit ganzer Kraft einbringt," begründete Kathrin Schönberger ihre Wahlempfehlung. Sie verstehe den Vorschlag auch als "klares Signal", den Graben zwischen Hartheim und Eschbach im Interesse einer guten Zusammenarbeit endlich schließen zu wollen.

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Harald Kraus, der sich bei den Delegierten der Mitgliedsgemeinden nach seiner einstimmigen Wahl für das Vertrauen bedankte, erinnerte in seiner Rede an die Anfänge im Zweckverband, der auf der Grundlage des Karlsruher Abkommens zwischen Frankreich und Deutschland 1998 aus der Taufe gehoben worden sei. Vieles was heute selbstverständlich erscheine, war für die Beteiligten vor zwölf Jahren Neuland, rief Kraus die damalige Pionierarbeit in Erinnerung. Im Mittelpunkt habe zunächst der Bau der neuen Rheinbrücke zwischen Hartheim und Fessenheim gestanden. "Die Einweihung durch den französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac war für uns alle eine große Ehre und ein unvergessliches Erlebnis," sagte Kraus. Weitere Projekte ließen nicht lange auf sich warten, so die Herausgabe einer Verbandszeitschrift und der Touristikkarte "vom Grand Ballon zum Belchen", der Info-Point am Kraftwerk der EDF und gemeinsame Gewerbeausstellungen. Außerdem hätten viele Begegnungen gesellschaftlicher Art über den Rhein hinweg stattgefunden.

Kraus bezeichnete es als die Maxime des Zweckverbandes, auch in Zukunft zum Wohl der Menschen links und rechts des Rheins zu arbeiten. Dazu habe er sich für die Dauer seiner Amtszeit einiges vorgenommen. Die neuen Arbeitsschwerpunkte für die nächsten Monate und Jahre sollen in einer Klausurtagung im Juli besprochen und festgelegt werden. Kraus denkt dabei an eine stärkere Vernetzung der Verwaltungen, etwa durch den Austausch von Gemeindebediensteten. Hilfreich wäre auch eine Internetseite des Verbandes mit Link zu den jeweiligen Kommunen. Auch über einen neuen Namen sollte nachgedacht werden, zumal der Begriff "grenzüberschreitender Zweckverband" nicht mehr zutreffend sei, da es zwischen beiden Ländern keine Grenze mehr gebe.

Die Vermittlung von Grundkenntnissen der jeweiligen Landessprache und der Schüleraustausch, wie zwischen Hartheim und Fessenheim bereits vorbildlich praktiziert, wären für das Zusammenrücken auf kommunaler Ebene ebenfalls hilfreich. Auch das Kernkraftwerk Fessenheim möchte Kraus durchaus zum Thema im Zweckverband machen, etwa durch die Mitarbeit in der Commission Locale d’Information et de Surveillance. "Für mich persönlich heißt das konstruktiv kontrollieren, aber keinesfalls diffamieren." Ferner wirbt Harald Kraus für eine Rhein übergreifende Gewerbeflächenentwicklung und eine intensivere Zusammenarbeit auf den Feldern Tourismus, Sport und Erholung. Ohne schon Details zu nennen und der Klausurtagung vorgreifen zu wollen, würde der neue Präsident gerne ein neues Großprojekt auf den Weg bringen, "das nationalen Ansprüchen genügt".

Autor: Markus Donner