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08. Mai 2009

Landschaftsverbrauch einschränken

Die Gemeinde Kirchzarten beteiligt sich am Projekt "Pfif" – Praktiziertes Flächenmanagement in der Region Freiburg.

KIRCHZARTEN. Praktiziertes Flächenmanagement in der Region Freiburg (kurz: Pfif) heißt ein neues Forschungsprojekt, zu dem sich die Gemeinde Kirchzarten anmelden will. Ziel ist, brachliegendes Bauland im Innenbereich zu nutzen, anstatt auf der grünen Wiese zu bauen.

Das Projekt wird vom Land finanziert. Es knüpft an das Projekt "Komreg" (Kommunales Flächenmanagement in der Region) an, das bis 2008 lief. An Komreg nahmen die Stadt Freiburg und zehn Umlandgemeinden teil. Beim neuen Pilotprojekt will auch Kirchzarten mitmischen. Bauamtsleiterin Sabine Mertes nannte gleich mehrere Vorteile: Die Dreisamtalgemeinde wäre unter den Ersten und könnte die Anfänge eines Innenflächenpools auf den Weg bringen. Vor allem aber könnte sie die Frage klären, "ob wir es rechtlich weiter halten können, dass in unseren fünf Bebauungsplänen teils sehr große, gewachsene und festgesetzte Freiflächen Bestand haben können".

Ein Ziel der Projekte Pfif und Komreg sind nämlich gemeinsame Standards für die Siedlungsentwicklung. Diese Standards werden im Pilotprojekt noch freiwillig angewendet, sollen laut Mertes später aber gesetzlich verankert werden. Die Zielrichtung ist klar: Den Landschaftsverbrauch vermindern und stattdessen die Innenentwicklung fördern. Eine entsprechende Zielvereinbarung haben das Regierungspräsidium Freiburg und die Landratsämter im Regierungsbezirk schon im vergangenen Jahr geschlossen. Zwischenzeitlich hat auch das baden-württembergische Wirtschaftsministerium Empfehlungen dazu herausgegeben. Alles laufe darauf hinaus, dass die Kommunen nicht mehr so einfach auf der grünen Wiese bauen dürften, erläuterte Bürgermeister Andreas Hall. Um eine Genehmigung zu bekommen, müssten die Gemeinden bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Vor allem müssten sie begründen, warum sie, statt eine unbebaute Fläche zu versiegeln, nicht eine Baulücke im Innenbereich nutzten, so Hall weiter.

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Grundlage soll ein so genannter Innenflächenpool sein: Die Gemeinde muss sich einen Überblick über die Lücken in ihrem bebauten Ortsgebiet verschaffen. Sie muss überlegen, wie viele und welche dieser Flächen sie in den kommenden Jahren bebauen lassen will. Das betrifft Brachflächen, aber auch spärlich bebaute Grundstücke. Eben deshalb könnten manche Freiflächen in den Bebauungsplänen Lindenau West und Ost, Lerchenfeldstraße I und II sowie Schulhaus-Giersbergstraße Süd nach Einschätzung der Gemeindeverwaltung künftig als Baulücken eingeordnet werden.

Kirchzarten will von Anfang an dabei sein

Um von den neuen Standards nicht kalt erwischt zu werden, will Kirchzarten von Anfang an dabei sein. Sie könnten sich nicht zurücklehnen und einfach abwarten, meinte Hall. Das sahen auch alle vier Gemeinderatsfraktionen so. Eine überregionale Lösung mache Sinn, meinte Harald Schauenberg (FWG), der allerdings einen "Verfahrensmoloch" befürchtete. Sein Fraktionskollege Cornelius Huber stimmte als einziger nicht für eine Teilnahme; er enthielt sich bei der Abstimmung.

Für Frank Rosenkranz (Grüne) war das Ja zum Anti-Flächenfraß-Projekt eine späte Genugtuung, nachdem er vor Jahren vergeblich versucht habe, Kirchzarten für Komreg zu begeistern. Andere Gemeinden hätten viel mehr mit ihren freien Flächen geaast, meinte SPD-Sprecher Peter Meybrunn. Trotzdem könne eine Teilnahme am Pilotprojekt nur von Nutzen sein, war er überzeugt. Das Projekt läuft bis Oktober 2010. Ob sich Kirchzarten danach noch weiter an der geplanten regionalen Bestandsflächenbörse beteiligt, ist noch offen. Das Pilotprojekt solle, so betonte CDU-Sprecher Rüdiger Althaus, auch nicht bedeuten, dass Kirchzarten künftig auf Bauen in zweiter Reihe setze.

Autor: Barbara Schmidt