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11. September 2008

"Wir wollen ein lebendiges Haus"

Im Februar 2009 soll das neue Pflegeheim March eröffnet werden / Großes Interesse an der ersten Informationsveranstaltung.

MARCH-HUGSTETTEN. In gut viereinhalb Monaten, zum 1. Februar 2009, soll das neue Pflegeheim March in Betrieb gehen. Was künftige Bewohner dort erwartet, darüber informierte der Betreiber, das Deutsche Rote Kreuz Freiburg, am Montag im Café "Vis à Vis" im Seniorenzentrum. Bei dem Informationsabend stellte sich auch der künftige Heimleiter vor.

Er habe sich bei seiner Bewerbung von seinem Bauchgefühl leiten lassen, sagte der designierte Heimchef Theo Lucaßen und führte aus: Das Konzept für das neue Heim decke sich genau mit seinen Vorstellungen, wie eine solche Einrichtung aussehen sollte. "Ich hoffe, dass die Menschen ohne Angst in dieses Haus kommen und dass sich dort auch die Angehörigen wohlfühlen", sagte Lucaßen.

Der Heilerziehungspfleger, der am Donnerstag 52 Jahre alt wird, arbeitet seit 15 Jahren als Heimleiter. Er hat eine Zusatzausbildung als Pflegedienstleiter und Qualitätsmanagementbeauftragter. Seine drei Kinder seien inzwischen aus dem Haus, so dass er sich seinem Beruf, der für ihn auch ein Hobby sei, wieder verstärkt widmen könne, sagte Lucaßen. Seine Tür stehe für Fragen oder Kritik immer offen, "auch schon im Vorfeld" betonte er.

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Das neue Pflegeheim ergänzt die bestehende Seniorenwohnanlage (Betreutes Wohnen) an der Schwarzwaldstraße in Hugstetten. In dem dreistöckigen Neubau entstehen 67 Pflegeplätze, davon 13 für demenziell Erkrankte. Die Demenz-wohngruppe bekommt einen eigenen Wohnbereich mit angegliedertem Garten. Dieser Demenzgarten ist abgeschlossen, damit die altersverwirrten Bewohner dort ihrem Bewegungsdrang ohne Gefahr folgen können.

Es gibt 63 Einzelzimmer mit jeweils 16 Quadratmetern und zwei Doppelzimmer. Jedes Zimmer hat ein kleines Bad, Telefon-, Radio- und Fernsehanschluss sowie eine Grundmöblierung. Die Bewohner dürften aber auch eigene Möbel mitbringen, sagte DRK-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Schäfer-Mai. Er malte die Ausstattung in schillernden Farben aus. Es gebe bunte Tapeten und verspielte Gardinen, dazu Korbmöbel und Ohrensessel. "Wir wollen ein lebendiges, ein offenes Haus", sagte er.

Die Grundidee sei, eine bezahlbare Pflegeeinrichtung für Bürger zu schaffen und dennoch keine Billigpflege anzubieten, so Schäfer-Mai weiter. Weil gutes Essen für die Qualität des Hauses entscheidend sei, wird im neuen Marcher Pflegeheim selbst gekocht. Damit sich die Küche und der eigene Koch rechnen, suche der DRK-Kreisverband weitere Abnehmer außerhalb des Heims, sagte Schäfer-Mai. Etwa 100 Zuhörer folgten seinen Ausführungen. Das Café "Vis à Vis" bot bald gar nicht genug Platz für alle. Sie bekamen 3-D-Animationen von Bewohnerzimmern gezeigt. Anschließend wurden sie von den Architektinnen, Bettina Touré und Ulrike Gutgsell, durch den Rohbau geführt. Wie viel ein Platz in dem Heim kosten soll, blieb unklar. Die Pflegesätze würden erst kurzfristig, wohl im November oder Dezember, verhandelt, sagte Schäfer-Mai auf die Frage eines Zuhörers. Preislich werde die Einrichtung "aber im Mittelfeld von dem liegen, was wir hier im Umfeld haben".

Neben Dauerpflegeplätzen soll auch Kurzzeitpflege angeboten werden. Es gibt in dem Haus mehrere Therapie- und Mehrzweckräume. Am Pflege- und Personalkonzept wird derzeit noch gefeilt. Geplant sei eine Ressourcen orientierte, aktivierende Pflege, sagte Lucaßen. Die Selbstständigkeit der Bewohner solle so weit wie möglich erhalten werden. "Kein Bewohner muss den ganzen Tag im Bett liegen", betonte er.

Die Pflegeplätze werden vorrangig an Marcher Bürger oder an Angehörige von Marchern sowie an Mitglieder des Bauvereins Breisgau vergeben. Der Bauverein ist Bauherr des 6,5-Millionen-Projekts. An der Finanzierung sind die Gemeinde, das Land und der Landkreis beteiligt.

Eine Zuhörerin fragte, warum der Neubau den Mietern des Betreuten Wohnens "genau vor die Nase gesetzt" worden sei. Das dort das Pflegeheim hinkomme, sei von Anfang an klar gewesen, beschied die Architektin Bettina Touré. Sie hätten die begrenzte Grundstücksfläche optimal ausgenutzt. Betroffen vom verbauten Blick sind nach Auskunft von Hadwig Storch, Leiterin des Seniorenzentrums, sechs Mietparteien. Den schönsten Ausblick dürften künftig die Mitarbeiter des Pflegeheims haben: Für sie entsteht auf dem Dach ein Pausen- und Besprechungsraum im Penthouse-Stil mit Blick auf Kaiserstuhl, Vogesen und Schwarzwald.

Autor: Barbara Schmidt