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03. Januar 2009
"Man hat sich auch mal unterhalten"
Edeka-Mitarbeiter verabschieden sich von Kunden und benachbarten Geschäften / Besonders ältere Menschen sind unsicher.
EMMENDINGEN. Traurig waren alle beim Abschied von Mitarbeitern, Kunden und benachbarten Geschäften am Dienstag, 31. Dezember, in der Edeka-Filiale im Untergeschoss des Kaufhauses Krauss. Persönliche Beziehungen seien entstanden, betonen alle, die gekommen waren. Aber es ist nicht nur die Atmosphäre, die den ehemaligen Kunden fehlen wird: Viele ältere Menschen sind zurzeit unsicher, wo sie in Zukunft einkaufen sollen.
Renate Feßler (68) war ständig im Edeka am Marktplatz 9 einkaufen, sagt sie. Seit der Eröffnung, erinnert sie sich. Sie wohnt an der Karl-Friedrich-Straße, ist noch gut zu Fuß. In den Handelshof könne sie in Zukunft schon irgendwie gelangen. "Aber der ist mir eigentlich zu groß." Sie sagt, wie viele andere, die zum Abschied gekommen sind, dass sie traurig sei: "Alle waren nett und höflich hier. Man hat sich auch mal unterhalten."Ruth Treher (78) meint, dass der Verlust besonders für ältere Menschen problematisch sei. Sie hat heute ihre karierte Rolltasche noch einmal vollgepackt mit Saft und Zucker und Mehl zum Kuchenbacken für ihre 17 Enkel – dabei kommt sie aus Maleck. "Hier habe ich einfach alles beisammen: Sparkasse, Post, Markt und Bahnhof", sagt sie. Außerdem fühle sie sich beim Edeka heimisch. Annemarie Späth (91) weiß noch gar nicht, wo sie einkaufen wird, wenn der Edeka geschlossen hat: "Ich weiß nicht einmal, wo die anderen Läden sind." Sie wohnt in der AWO-Wohnanlage und ist auf ihren Rollator angewiesen. Die Angestellten im Edeka haben ihr beim Einkaufen geholfen, man kannte sich eben.
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Mitarbeiterin Ramona Schöpflin ist sentimental beim Abschied von den Stammkunden: "Die kannten mich schon als Kind." Mit dem Laden im Untergeschoss des Kaufhaus Krauss – anfangs noch Gottlieb – sei die 38-Jährige aufgewachsen. Kundin Sonja Bührer (66) tätschelt Ramona Schöpflin: "Wir sind froh, dass die Mitarbeiter alle untergekommen sind." Ramona Schöpflin in Kenzingen, Filialleiterin Cornelia Kern muss bis nach Rheinhausen fahren.
sind gut, aber auch teuer",
Renate Feßler, Kundin
Manch ehemaliger Kunde reagiert gereizt, wenn er auf die Schließung angesprochen wird: "Es ist sehr schlecht ... beschissen", sagt ein Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Und eine Frau, die mit ihrem Rollator die kurze Strecke aus der Karl-Friedrich-Straße gerade noch bewältigen kann: "Dann bleibt nur noch der Treff in der Mundinger Straße, aber die haben auch nicht alles."
"Schade", findet auch Marc Sommer (41), dass der Edeka bald schließt, aber das sei eben das ökonomische Prinzip. "Ein Edeka-Markt in einer angehenden Fußgängerzone würde wahrscheinlich noch mehr zu kämpfen haben", sagt er. Die Gründe für die Schließung könne sie natürlich auch verstehen, sagt Renate Feßler: Es gab keine Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe und es fehlten Rolltreppe oder Aufzug ins Untergeschoss, von dem lediglich eine Rolltreppe hoch führt.
Ein Innenstadtkonzept für einen Vollsortimenter wie Edeka hätte her gemusst, sagt Karl-Friedrich Jundt-Schöttle für die Initiative Einzelhandel im Emmendinger Gewerbeverein. Und auch die Vorsitzende des Gewerbevereins Christl Gräber hofft auf eine schnelle Lösung. Ansonsten hinterließe die Schließung, eine Lücke im Angebot und sei ein schwerer Verlust, so Jundt. Rewe plane die Eröffnung des neuen Einkaufsmarkts auf dem Merk’schen Areal frühestens für Herbst 2010 – und für viele Senioren ist auch das weit weg.
Autor: Sarah Nagel
