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21. August 2008
"Atomkraft ist unverantwortlich"
BZ-INTERVIEW mit Siegfried Göpper aus Weisweil, der von der französischen Regierung die Abschaltung des AKW Fessenheim fordert.
KREIS EMMENDINGEN. Die sofortige Stilllegung des französischen Atomkraftwerks Fessenheim fordert der Trinationale Atomschutzverband (Tras). Die Initiatoren beantragten beim Pariser Umwelt- und Wirtschaftsministeriun, das Atomkraftwerk im Elsass abzuschalten. Bei der Tras engagiert sich auch Siegfried Göpper. Eva Spittka sprach mit dem 79-jährigen Weisweiler, der Inhaber einer Mühle ist.
BZ: Aus welchen Gründen engagieren Sie sich bei der Tras?Göpper: Ich beschäftige mich mit der Atomtechnologie schon seit 50 Jahren. Am Anfang war auch ich dafür, diese Art von Energie zu nutzen, aber als Fachleute mich darauf aufmerksam machten, dass Atomkraft zu gefährlich sei, bin ich stutzig geworden. Atomkraft ist eine unverantwortliche Energiebereitstellung. Deswegen habe ich mich auch vor 35 Jahren gegen das geplante Atomkraftwerk in Wyhl ausgesprochen. Wir mussten kämpfen. Damals hatte man sogar schon mit der Bauplatzrodung begonnen, aber der Protest der Bevölkerung hat gewirkt. Dieser Kampf war nicht umsonst.
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Göpper: Die Bürger mussten alleine aufstehen und sich wehren. Die Menschen mussten den Protest selbst organisieren, weil sich darum keine Partei gekümmert hat. Seitdem gibt es auch die Bürgerinitiativen, aus denen die heutigen Grünen entstanden sind.
BZ: Wenn Sie an das Atomkraftwerk Fessenheim denken, wie sehen da Ihre persönlichen Befürchtungen aus?
Göpper: Das Atomkraftwerk Fessenheim ist eine Gefahr. Wir wollen verhindern, dass etwas Tschernobyl-Ähnliches passiert. Menschen und Maschinen sind sich ähnlich, irgendwann funktionieren sie nicht mehr so gut. Die Bevölkerung rheinabwärts wäre durch Radioaktivität im Oberflächen- und im Grundwasser betroffen. Der Mühlbachkanal fließt durch meine Wasserkraftanlage. Sein Wasser kommt vom Rhein her. Ich habe die Befürchtung, dass meine Mühle, meine Familie und meine Mitarbeiter kontaminiert würden. Dies gilt auch für unsere Bewässerungsflächen mit Gemüse und Beeren. Wir könnten das gar nicht feststellen. Und wenn wir es feststellen können, ist es zu spät.
BZ: Wieso denken Sie, dass in Frankreich weiter auf Atomkraft gesetzt wird?
Göpper: In Frankreich hält man Technik für machbar. Die Lobby der Atomindus-trie ist stark. Die französischen Wähler sind jetzt wahrscheinlich kritischer, aber bei Tschernobyl 1987 hätte man meinen können, die radioaktiven Wolken seien nur bis zu uns und nicht bis ins Elsass gekommen.
BZ: Wie schätzen Sie den Erfolg der Tras bei Ihrer Initiative gegen Fessenheim ein?
Göpper: Wenn sich noch ein paar Dinge ereignen, wenn in Frankreich etwas Ernsthafteres passiert, dann kann sich bei diesem Thema etwas ändern. Die Macht des Geldes ist zu groß. Wir in Deutschland haben leider keine große Möglichkeit, uns gegen Fessenheim zur Wehr zu setzen, weil dieses Atomkraftwerk im Ausland liegt. Aber es ist wichtig, dass man bei den Menschen darauf achtet, was sie machen und nicht was sie sagen.
BZ: Wie bringen Sie jüngeren Menschen die von Ihnen befürchtete Gefahr von Atomkraftwerken argumentativ näher?
Göpper: Atomkraft ist eine menschen- und umweltfeindliche Technologie. Die Atomkraftwerke werden immer älter. Fessenheim ist ein Greis. Wenn noch einmal etwas passiert wie in Tschernobyl, wäre Baden-Württemberg passé. Wir haben uns mit unserem Kampf gegen das Atomkraftwerk Wyhl auch für die jungen Menschen eingesetzt, weil wir der Jugend keine Hypothek hinterlassen wollten, die nicht bewältigt werden kann.
Autor: xemo
