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10. Mai 2010

Faszinierendes Spiel von Licht und Schatten

Die Emmendinger Nacht bot Tausenden von flanierenden Menschen ein eindrucksvolles Erlebnis / Auch die Einzelhändler sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

  1. Foto: Friederike Marx

  2. Foto: Friederike Marx

  3. Ganz entspannt war die Stimmung auf dem Marktplatz. Gleiches galt für die Sternenlounge von Autohaus Schmolck und Badischer Zeitung, während die evangelische Stadtkirche in ein unwirkliches Licht getaucht wurde. Foto: friederike marx

  4. Foto: Friederike Marx

EMMENDINGEN. Wahrscheinlich wurde noch nie so viel fotografiert auf den Straßen von Emmendingen wie am Freitag bei der Emmendinger Nacht. Fasziniert von der Beleuchtung mit den hohen Lichtkegeln zückten zahllose Besucher Fotohandys und Kameras. Bei der Einkaufsnacht, die die Initiative Einzelhandel veranstaltet hatte, saß bei vielen der Tausenden Menschen auch das Portemonnaie locker in der Tasche. Denn die Läden waren bis 24 Uhr geöffnet und die Geschäftsleute boten ihren Kunden zum Einkaufsbummel eine bunte Dreingabe. 

Ob der Dönerverkäufer, der Cocktailmixer, der Schuhverkäufer, der Wirt, der Optiker oder der Buchhändler – bei allen brummte das Geschäft. Die Grenzen zwischen Straßen und Geschäftsräumen gingen fließend ineinander über. Wie man diesen Effekt schafft, darin haben die Einzelhändler bereits viel Erfahrung nach den bisherigen Einkaufsnächten und großen Märkten in der Innenstadt. Sie engagierten Musikgruppen wie die Madison Brass Band oder die Musikwerkstatt, die vor ihrer Ladentüre Stücke zum Besten gaben oder servierten im Freien Erdbeerbowle und Cocktails. Einen Teil ihrer Ware trugen sie nach draußen und präsentierten sie im sanften Schein der Lichter. Wer es elegant mochte, kehrte in die Sternen-Lounge von Autohaus Schmolck und der BZ ein und trank ein Glas Sekt zwischen glänzenden Karosserien und Buchsbäumchen. Auf dem Marktplatz servierten die Metzger Fleischspieße und Steaks, die Menschen saßen auf Bierbänken, plauderten, lachten und ließen sich von  den Poor Poets unterhalten. 

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Der Clou war jedoch die Beleuchtung. 50 rot oder weiß leuchtende Pylonen von rund 6,5 Metern Höhe, so genannte Airlights, erhellten die Stadt. Immer wieder wanderten die Blicke der Menschen vom Fuß bis an die Spitze der Lichtkörper, die die Heilbronner Firma Airlight aufgebaut hatte. Sie legten neugierig ihre Hände auf die Stoffhüllen, hinter denen nichts war als Luft und Licht. Jeder Pylon wurde von einem Ventilator aufgeblasen, so dass er unter leichtem Händedruck wie ein Kissen nachgab. "So etwas habe ich noch nie gesehen, es ist wunderschön", fand die zwölfjährige Laura, die mit ihren beiden Freundinnen Kasia und Kathy unterwegs war. Auch Kasia war recht angetan, obwohl sie etwas Ähnliches schon mal in London gesehen habe. 

Noch war es da vor neun Uhr, doch je später und dunkler es wurde, desto stärker traten die Lichter hervor. Die Menschen wurden Teil des Gesamtkonzepts, wenn sie sich als schwarze Umrisse vor den Lichtkörpern vorbei bewegten.

Das Emmendinger Tor war durch zwei rote Pylonen in Szene gesetzt. Anderorts spiegelte sich das Licht orange im leicht kräuselnden Wasser der Bächle und Brunnen. Besonders viele Menschen blieben vor der evangelischen Kirche stehen, deren Portal mit einen weißen Lichtbogen und anderen Formen geschmückt war. Dieser Ort, an dem mit Federn geschmückte Indios Panflöte spielten, wirkte wie ein Ruhepol. An anderen Plätzen traf sich die Jugend an Straßendiskos und Bars. Das Tally Weijl Store als eins der jüngsten Geschäfte in Emmendingen war voll dabei mit Hüften schwingenden Tänzerinnen, die sich zu lauter Partymusik auf einem Podium um die Stange wanden. Für Emmendingen als kleine Stadt war dies ein sehr ungewöhnlicher Anblick. Zuschauer gab es einige, doch sie blieben vorsichtig auf Distanz. Drinnen im Geschäft wurde es zeitweise eng.

Getanzt wurde auch auf dem Marktplatz bei der Sommerhalter I-pod-Party. Dort freute sich DJ Andy über jeden Teenager, der seine eigene Musik mitbrachte. Gabi Papenhoff schaute mit glänzenden Augen ihrer ausgelassenen feiernden Tochter Katrin zu. "Sie ist so unheimlich glücklich, dass sie wieder tanzen kann", erzählte die Mutter. Bis vor wenigen Tagen habe Katrins Bein in Gips gelegen. Jetzt ließ sie mit Freundin Norina die ganze angestaute Energie heraus. "Alors on dance", jetzt tanzen wir, schallte es aus den Boxen der Mini-Disko. Während dessen fiel Hundert Meter weiter in der Markgrafenstraße beim Limbo Dance mal wieder die Stange zu Boden. Kaum einer schaffte es unter den "75 Zentimetern Strandmaß" hindurch, doch Limbo-Master Heiko Grafmüller blieb eisern bei der ehrgeizigen Höhe: "Wenn schon, dann richtig", gab er launig als Devise aus. 

Mathias Meier ist auch einer von denen, die keine halben Sachen machen. Um 0.30 Uhr, als langsam abgebaut wurde, stand der Organisator der Emmendinger Nacht zufrieden vor seinem Geschäft, blickte in den Nachthimmel, bedankte sich bei Petrus für das stabile Wetter und fasste zusammen: "Rundum gelungen!" 

Autor: Friederike Marx