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10. Juni 2012 17:18 Uhr

Theater im Steinbruch stellt sich vor

Exkursion durch die "Lehmgrube"

Der Blick hinter die Kulissen im Theater ist immer ein Erlebnis; wenn er so gekonnt präsentiert wird wie beim Theater im Steinbruch beim "Tag der offenen Tür", dann gehen schon die Führungen als kleine Aufführung durch!

  1. Thetaer im Steinbruch, Tag der offenen Tür: Clemens Allweyer führt die Gäste. Vorn steht „Emma“, die Lokomotive. Foto: Sylvia-Karina Jahn

  2. Faszination Technik: Hier werden Licht und Ton gesteuert und die Aussicht ist super! Foto: Sylvia-Karina Jahn

  3. Weder Bauzaun noch Käfig: So werden Requisiten gehütet, die zu schade zum Entsorgen sind. Foto: Sylvia-Karina Jahn

  4. Umkleide: 23 Schauspieler verwandeln sich hier! Foto: Sylvia-Karina Jahn

  5. Die Treppen zu den Brettern, die die Welt bedeuten, mögen einfach sein, gesichert sind sie gleichwohl. Foto: Sylvia-Karina Jahn

  6. Wie viel Mühe hinter der Maske steckt, demonstriert Christina Menner. Foto: Sylvia-Karina Jahn

  7. Nicht ganz ernst nehmen – das Schild spendete ein reuiger Dieb, der sich wohl nicht mehr erinnern konnte, wo er es einst geklaut hatte. Foto: Sylvia-Karina Jahn

  8. Der Blick mal anders herum: So sehen die Schauspieler die Tribüne. Und die würde der Verein nur zu gern ausbauen, aber das Geld... Foto: Sylvia-Karina Jahn

  9. In den Kulissen wirken die Besucher fast selbst wie ein Theaterbild. Foto: Sylvia-Karina Jahn

  10. Rasen, Kunstrasen, Holzplatten – Clemens Alweyer zeigt die verschiedenen Untergrundarten. Foto: Sylvia-Karina Jahn

EMMENDINGEN. "Jetzt kommt der gefährlichste Teil der Exkursion." Clemens Allweyer, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Theaters im Steinbruch, macht es spannend. Er führt eine Besuchergruppe beim Tag der offenen Tür des Amateurtheaters am Sonntag hinter die Kulissen. "Da ist schon einiges ’runtergekommen, Felsbrocken, aber auch schon ein Huhn", verrät er. Die Stadt hat das Efeu entfernt, ob das den Stein haltbarer macht, weiß man nicht so genau. Die Rede war auch schon von einem Sicherheitszaun, doch der würde den Schauspielern einen Weg auf die Bühne versperren. "Wir brauchen den Zaun nicht", sagt Allweyer nonchalant, "wir dachten, das Risiko gehen Sie heute gern ein und sonst – nun, wir haben genügend Spielinteressenten." Außerdem gebe es Leute, die den Steinbruch, nach dem sich das Theater nennt, als schnöde Lehmgrube bezeichnen. Theater im Lehmloch wäre aber doch kein passender Name und da sei es gut, wenn sich der Steinbruch seinen Namen wenigstens mit Steinschlag verdient...

Doch Spaß beiseite (auch wenn der beim gut besuchten Tag der offenen Tür im Vordergrund stand). Zwar gelte die Theaterweisheit "vorne hui, hinten pfui", doch nicht für die Sicherheit. Da mögen die Handläufe der Treppen roh gezimmert sein und nach Dachlatten aussehen, doch Lichtschlangen sichern auch bei Dunkelheit einen sicheren Abgang.

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Allweyer macht aus der Führung fast ein kleines Theaterstück. Das beginnt mit den Requisiten früherer Aufführungen im Park. Klar, dass die Kinder wissen, dass die Hoppetosse das Schiff von Ephraim Langstrumpf ist. Aber wer hätte gedacht, dass er es von den "Wilden 13" übernommen hat, als die Räuber in Rente gingen? Auch das Rumfass hat schon etliche Aufführungen hinter sich; am Sonntag weist es ganz seriös den Weg zu Kaffee und Kuchen im Vereinsheim. Allweyers Anekdoten-Repertoire ist schier unerschöpflich.

"Das ist spätes 20. Jahrhundert und stammt von unserer Vorgängerbühne", verkündet er in bester Stadtführermanier vor der ausgedienten Eisenbahnerbaracke, die 1982 mit Hilfe des Technischen Hilfswerks aufgebaut wurde. Das THW kam auch mit dem pneumatischen Kissen, als ein zur Gestaltung des Parks ausgeliehener Radlader umkippte und dem Verein einen Schaden von 2000 Euro und 800 Euro fürs THW bescherte.

"Unser Baubedarf ist unendlich", sagt Allweyer; Vorrang hat der Wunsch, eine größere Tribüne zu bekommen, mit 250 statt bislang 160 überdachten Plätzen. Darauf hatte zu AUftakt auch der Vorsitzende Hans-Joachim Wipfler hingewiesen. Doch die würde 140 000 Euro kosten, zu viel für den Verein allein; Zuschüsse vom Verband gibt’s aber nur, wenn sich auch die kommunale Seite mit einem Drittel beteiligt. Der Verein hat in den vergangenen Jahren für 95 000 Euro Kasse, Lager und Toiletten gebaut, weitere 45 000 Euro für das zweite Kassengebäude investiert.

Theorie und Praxis, Ordnung und Chaos: Lagerraum ist knapp, Mobiliar zu schade zum Wegwerfen. Also staut und stapelt sich alles, was nicht aktuell benötigt wird, Motto "wer suht, der findet." Eng geht es in der Schminke zu ("sie heißt übrigens Albert; zwei Spiegel, ein Wartesofa...") und noch enger in dem Container, in dem sich 23 Schauspieler umziehen – auf geschätzten zehn Quadratmetern. Nur für die Kinder gibt’s zwei Mietcontainer, einen für die Mädchen und einen für die Jungen.

Den besten Blick hat, klarer Fall, die Technik ganz oben; und an diesem Tag auch das Publikum, das nicht nur Bühnenbau und Maske erleben durfte, sondern auch Kostproben aus Kinder- und Erwachsenenstück. Unsichtbar, aber immer in den Köpfen präsent sind die Anwohnern oberhalb. Die Theaterleute versuchen schon, ihre Proben möglichst früh zu legen, damit die Nachtruhe nicht gestört wird, wie Allweyer erklärt. Denn bei allem Vergnügen fürs Publikum ist den Amateurschauspielern schon klar, dass sie nicht immer leise sein können: Das fängt bei den Sägearbeiten für den Kulissenbau an so manchem Samstag an und endet noch lange nicht bei der Musik für die Proben. Doch ohne die geht es nicht: "Wir nehmen ja Geld dafür, da müssen wir auch Qualität bieten und dafür muss ein gewisser Aufwand getrieben werden", wirbt Allweyer um Verständnis.

Autor: Sylvia-Karina Jahn