Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
13. Juni 2009
Verband fungiert als Vorfinanzier
Umbau des Bahnhofs in Emmendingen und Kaiserstuhlbahn.
EMMENDINGEN. Die Verbandsversammlung des Zweckverbands Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) traf sich am Mittwoch das letzte Mal in alter Zusammensetzung in Emmendingen, um in einer vergleichsweise knappen Sitzung weitreichende Entscheidungen zu fällen. Diese betrafen nicht nur die Kenntnisnahme der aktuellen Tariferhöhung, sondern vor allem Zukunftspläne für Breisgau-S- und Kaiserstuhlbahn.
Trotz der anstehenden Tariferhöhung verzeichnet der Regio-Verkehrsverbund mehr Fahrgäste. RVF-Geschäftsführerin Dorothee Koch berichtete der Versammlung, im neuen Jahr habe der Verbund einen Fahrgastzuwachs von drei Prozent und 4,2 Prozent mehr Einnahmen erzielt. Bei den Regiokarten für Erwachsene gebe es ebenfalls einen Zuwachs von drei Prozent, Schülerkarten seien stabil, die Semesterkarte schwächele wegen zurückgehender Studentenzahlen. "Wir können mit dem Start sehr zufrieden sein", betonte Koch, die Erhöhung werde "den Markt nicht verschrecken". Die eigentlichen Beschlüsse zur Tariferhöhung sind bereits im RVF gefallen, die Verbandsversammlung nahm sie nur zur Kenntnis. Ende April wurden 47 Euro für die übertragbare Regiokarte, 45 Euro für die neue Basis-Regiokarte und 34 Euro für die Schülerkarte beschlossen, auch die Einzelfahrkarten werden bis auf eine Ausnahme teurer. Die neuen Preise gelten zum 1. August (die BZ berichtete).Werbung
Die weiteren Entscheidungen betrafen vor allem die Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs im Gebiet des Zweckverbands, also den Kreisen Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen und der Stadt Freiburg. Landrat Hanno Hurth sagte, wenn wegen schlechter Gewerbesteuereinnahmen Beschlüsse vertagt würden, habe dies eine "Bindungswirkung für Jahrzehnte". Die Versammlung beschloss zum Auftakt das neue Linienkonzept der Breisgau-S-Bahn inklusive der Variante, Züge in Ettenheim zu flügeln. Nun können die nächsten Schritte in Angriff genommen werden (mehr dazu war bereits am Freitag auf der Seite "Land & Region"zu lesen).
Zweite, wichtige Weichenstellung war eine Satzungsänderung. Bislang, so Sitzungsleiter Landrat Hurth, habe man Projekte aus einem Sockel- und Nutzerbetrag gemischt finanziert. Dieser "gemeinsame Kitt ist nicht mehr notwendig". Nun wird ein reiner Nutzerschlüssel eingeführt. Auch der so genannte Schienentaktergänzungsverkehr – damit sind Busverkehre parallel zur Schiene gemeint, die diese ergänzen sollen – wird mit diesem Beschluss in die Verantwortung des ZRF übernommen. Schließlich wird die Vorfinanzierung des Bahnhofsumbaus Emmendingen, der Kaiserstuhlbahn-West und der Stadtbahn Habsburgerstraße ebenfalls ZRF-Angelegenheit.
Gute Nachrichten gibt es auch für die Kaiserstuhlbahn-Nord. Zwischen Sasbach und Riegel (DB) wird das Angebot − wie bereits berichtet − ausgeweitet. 2018 wird die Trägerschaft dann auf das Land übergehen.
Dafür, dass es im ÖPNV nicht immer geradlinig läuft, sind die Planungen für den Umbau des Bahnhofs Emmendingen ein Beispiel, so Landrat Hanno Hurth. Es habe einige Rückschläge gegeben, seit Aufnahme des Projekts in das Bahnhofsmodernisierungsprogramm am 15. Mai sei "wieder Licht am Ende des Tunnels". Es geht um eine Erhöhung der Bahnsteigkanten, den Einbau eines Aufzugs, den Durchstich der Unterführung nach Westen und die barrierefreie Zugänge.
Gabi Rolland (SPD) erinnerte an ihrer Meinung nach schlecht funktionierende Aufzüge im Freiburger Hauptbahnhof und fügte hinzu, der Emmendinger Bahnhof rühme "sich nicht besonderer Aufenthaltsqualitäten". Man müsse überlegen, "welche begleitenden Maßnahmen man in Angriff nehmen kann". ZRF-Geschäftsführer Martin Haag sagte, dass es bereits konkrete Projekte gebe. Die Versammlung beschloss, die Vorfinanzierung des Landkreises zu übernehmen und mit der Bahn und der Stadt Emmendingen eine Planungsvereinbarung abzuschließen.
Auch Bewohner des Landkreises Emmendingen kommen regelmäßig nach Freiburg und müssen die Großbaustelle Habsburger Straße passieren. Hanno Hurth lobte die Verantwortlichen für den flüssigen Verkehr und erntete Zustimmung aus der Versammlung. Diese beschloss, die bisherige Vorfinanzierung durch die Stadt Freiburg abzulösen.
Autor: Frank Berno Timm
