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28. Januar 2010
In der Bevölkerung kaum Interesse an Kolonien
Historiker Ritter stellt bei Vortrag in Teningen Zusammenhang zwischen Weltpolitik und Region her / Start einer VHS-Reihe.
TENINGEN. Noch ausbaubar scheint das Interesse an Vorträgen in der Zehntscheuer zu sein. Zu einem ersten von zukünftig regelmäßig stattfindenden Abendveranstaltungen der Volkshochschule Nördlicher Breisgau kamen nur wenige Besucher. Die VHS möchte in Teningen eine Reihe etablieren – zum Auftakt ging es um die Geschichte der einstigen deutschen Kolonien, "Schutzgebiete" genannt.
VHS-Leiter Ralf Karl Oenning aus Emmendingen hatte zur Premiere "seiner" Reihe Torsten Ritter in die Zehntscheuer eingeladen. Der Historiker skizzierte die Geschichte der deutschen Kolonien aus vor allem südbadischem Blickwinkel. Ritter bezog zwei Zuhörer ein: Sie lasen zeitgenössische Quellen zum Thema vor.
Der Vortrag des Historikers zeichnete nicht nur die großen Linien der Politik nach, sondern beleuchtete auch, wie sie sich regional in Freiburg widerspiegelten. Ritter zeigte an mehreren Beispielen, dass die politischen Absichtserklärungen Berlins für Kolonien und das wirkliche Interesse der Deutschen weit auseinander klafften. Der Referent erinnerte daran, dass im 19. Jahrhundert das Selbstbewusstsein einer Nation daran gemessen wurde, wie viele Kolonien sie hatte. Die ersten Wünsche nach Expansion seien aber deutlich älter gewesen. Bismarck habe Kolonien zunächst abgelehnt: Kosten seien höher als der Nutzen. Dennoch gab es die ersten deutschen Kolonien in Afrika, China und der Südsee. Bismarcks Nachfolger von Caprivi habe mehr Investitionen in die Kolonien gefordert, es zugleich aber als "größtes Unglück" angesehen, wenn man Deutschland ganz Afrika schenken würde. Deutschland, so hieß es damals aus England, sei zu spät gewesen mit seinen "Schutzgebieten", wie die Kolonien hießen. Ritter berichtete auch vom Herero-Aufstand – das afrikanische Volk, das sich gegen die Deutschen erhoben hatte, wurde in einer Schlacht geschlagen und in eine wasserarme Gegend abgedrängt.
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Dass es Spannungen gab, dass die Auseinandersetzungen um Kolonien zu den Ursachen des 1. Weltkriegs zählten – derlei zählt zumindest teilweise zum Schulwissen im Fach Geschichte. Weniger bekannt dürfte sein, dass viele Exponate, die im Freiburger Völkerkundemuseum ausgestellt werden, aus früheren deutschen Kolonien stammen. Nach Südbaden gebracht hat sie der erste Gouverneur von Deusch-Südwestafrika (heute Namibia), Theodor Leutwein. Auch sonst und später tönte man in Freiburg und Baden sehr für Kolonien, kritischere Stimmen schienen damals laut Ritter eher selten zu sein. Aus heutiger Sicht kommen einem die Proklamationen der Kolonien-Befürworter sehr vereinnahmend vor. Unter den Nazis spielten Kolonien nur anfänglich eine Rolle, Afrika sei erst später wieder ins Blickfeld gerückt und das auch nur für kurze Zeit, berichtete Ritter. Sein Fazit ist klar: Nur wenige Deutsche seien in die Kolonien ausgewandert, wirtschaftliche hätten sie keine wirkliche Rolle gespielt.
Autor: Frank Berno Timm
