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29. August 2009
"Geld locker machen für Bildung, Bildung, Bildung"
Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast und der Bundestagsabgeordnete Alexander Bonde gestern auf Wahlkampftour hier.
EMMENDINGEN. "Unser Land muss Geld locker machen für Bildung, Bildung, Bildung" rief Renate Künast gestern Nachmittag im "Kartoffelhof" aus. Auch aus diesem Grunde gebe es keinerlei Spielraum für Steuersenkungen, erklärte Künast. Wenn Deutschland Schulden machen müsse, dann für Projekte mit Zukunft: Staatliche Beihilfen für energetische Hausdämmung statt für die Auto-Abwrackprämie nannte sie als Beispiel.
Die einstige Verbraucherschutz- und Landwirtschaftsministerin und jetzige Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion machte am Freitag zwischen Auftritten in Freiburg und Heidelberg Station in Emmendingen, um den Wahlkampf des hiesigen Bundestagsabgeordneten Alexander Bonde zu unterstützen. Als Auftakt besuchte sie den Naturkost-Betrieb ihres Parteifreundes Klaus Pleuler in der Markgrafenstraße. "Echt Bio" – ein Motto, mit dem sich Renate Künast gern identifizierte – auch wenn sie nicht wie Pleuler ein "eingefleischter Vegetarier" ist. Als Bürgermeister-Stellvertreter hatte Grünen-Stadtrat Franz Ruetz sogar das Goldene Buch mitgebracht – die Berlinerin wünschte "der kleinen feinen Stadt" mit ihrem Eintrag "eine große ökologisch-soziale Zukunft". Und den Inhaber-geführten Naturkostgeschäften riet sie, ihre Kompetenz noch mehr in die Waagschale zu werfen: Regionale und saisonale Produkte und Beratungsqualität seien im Unterschied zu den Discountern deren Vorzüge. "Ihr seid die Premium-Klasse, Naturkost ist die Zukunft bei den Lebensmitteln" erklärte sie, ehe sie mit Bonde und weiteren Grünen einen kleinen Imbiss genoss und sich beim lockeren Plausch als Köchin mit Fantasie erwies: Wenn sie eine Wok-Pfanne zubereite, verwende sie mit Vorliebe die Gewürzmischung "Farben von Jaipur". Die Zuhörer registrierten den Tipp aufmerksam.
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Für den folgenden Wahlkampfauftritt im "Kartoffelhof"-Garten hatte Renate Künast natürlich auch – politische – Rezepte mitgebracht: Statt Ehegattensplittung mehr Investitionen zugunsten der Kinder; durch Ingenieurleistungen niedrigere Betriebskosten statt Senkung von Löhnen; Ausbau der dezentralen und regenerativen Energie statt Atom; mehr Datenschutz statt "Schnüffel-Schäuble", wie sie den Innenminister abqualifizierte.
Über die Gentechnik kündigte sie für die nächste Legislaturperiode einen Machtkampf an; auch befürchtet sie, dass es nach der Bundestagswahl zu Massenentlassungen kommt. Doch die Bundeskanzlerin würde im Wahlkampf "weder auf die großen noch die kleinen Probleme eingehen", Merkel wolle "im Schlafwagen ins Kanzleramt". So machten die Grünen darauf aufmerksam, dass am 27. September eine Richtungsentscheidung anstehe, betonte Künast. "Ich will nicht der letzte auf dem Mond sein, sondern zu den ersten gehören, die mit einem Elektroauto von Flensburg nach Emmendingen fahren können". Die – mit Zaungästen – etwa 100 Zuhörer klatschten.
In einem kurzen BZ-Gespräch erklärte sie, dass die Grünen – sollten sie im Bund wieder Regierungsmitverantwortung erlangen – die Standortfrage nach einem Atomüllendlager wieder von vorne beginnen würden; sie würde sich am Schweizer Weg orientieren. Eine Koalition mit den Linken schloss Künast erneut aus.
Autor: Hans-Jürgen Truöl
