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03. Dezember 2009

Konzept zur Breitbandversorgung

Seit zwei Jahren geht in einigen Teilen der Stadt gar nichts mehr in Sachen Breitbandverkabelung / Gutachten soll erstellt werden

EMMENDINGEN. "Seit zwei Jahren haben wir im Jägeracker überhaupt kein Breitbandkabel mehr", monierte Dominik Krämer in der öffentlichen Sitzung des Technischen Ausschusses. Ebenso lange wird über das Thema diskutiert. Nun soll Professor Steimer von der Fachhochschule Furtwangen für rund 15 000 Euro ein Konzept für Emmendingen erstellen. Das beschloss der Ausschuss bei vier Enthaltungen.

Breitbandversorgung, das bedeutet schnellere Übertragung im Internet und sei heutzutage ein Muss, verdeutliche Bauingenieur Ralf Thoma; pro Woche erhalte er zwei bis drei Anfragen von Bürgern, die sich über schleppende Internetverbindungen beschwerten. Eine Befragung 2008 habe ein sehr uneinheitliches Bild gegeben: Von den 500 Haushalten, die sich damals gemeldet hatten, sind oft direkt nebeneinander liegende anders versorgt. Die Telekom verlange für den Ausbau ihres Netzes grob geschätzt 500 000 Euro. Zwei bis fünf Kilometer im Umkreis um den Hauptverteiler sei die Versorgung eigentlich am besten; in Emmendingen steht er am Telekomgebäude.

Doch fehlten Informationen. Das Steimer-Konzept soll gegenwärtige und künftige Lösungen sowie einen Forderungskatalog bieten, die die Stadt dann an die Provider richten soll. Es bringe aber weder eine Sofort- noch eine endgültige Lösung.

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FWV-Stadträtin Martina Weber, Ortsvorsteherin von Kollmarsreute, und CDU-Stadtrat Wilhelm Volz begrüßten das Konzept, denn mittlerweile sei DSL auch für Familien ein Standortfaktor. Heinz Sillmann, SPD-Stadtrat und Ortsvorsteher von Wasser, sagte, dass schon die Essensbestellung der neuen Mensa am Goethe-Gymnasium, die ja per Internet laufen solle, in schwach versorgten Gebieten scheitern könne. An Webers Beispiel Herrschaftsacker machte Fachbereichsleiter Kretschmer deutlich, dass die Stadt auf allen Kosten für den Kabelausbau sitzen bleiben würde – dabei sei es nicht einmal ihre Aufgabe. Funk – eine Lösung, die sich sofort und von jedem Büregr für sich realisieren ließe – sei nur bedingt eine Alternative, erklärten Oskar Kreuz (Grüne) und Alexandra von der Heydt (SPD): Beide haben’s probiert und als zu unsicher eingestuft, es könne morgens funktionieren und nachmittags nicht mehr, berichteten sie.

Von der Heydt meinte dennoch, die Unternehmen sollten solche Studien selbst erstellen, schließlich verdienten sie daran. Das Konzept allein bringe kein Kilobit mehr durch die Leitung.

Kritik an der Politik der Versorger
"Es ist nicht Aufgabe der Stadt, dafür zu sorgen, dass die fette Gewinne machen", assistierte Fraktionskollege Thomas Fechner. Er sah nicht ein, dass die Kosten für das Gutachten im Vorgriff auf den Haushalt 2010 beschlossen werden sollten. Zumal ohnehin kein Partner außer der Telekom Interesse zeigen werde. Er riet Stadt und Bevölkerung, Druck zu machen; die Kenntnisse, die das Gutachten bringen solle, habe die Telekom längst. FWV-Stadtrat Hartmut Mössner empfahl, statt dessen die Provider zu einer Bürgerinformationsveranstaltung einzuladen, die ja schließlich die Kunden wollten. Ähnlich Bernd Müller-Bütow (FDP): "Wir sollten versuchen, die Konkurrenzverhältnisse aufzumischen." Die Stadt müsse aufpassen, nicht überall einzuspringen, wo sich andere zurückzögen.

Kretschmer hielt dagegen, dass die Stadt ohne das Gutachten nicht weiter komme. Das Netz gehöre größtenteils der Telekom, die es an Provider vermiete und kein Interesse habe, jenen Informationen weiterzugeben. Bei der Stadtverwaltung fehle aber das Know-how für die bessere Lösung. "Wir brauchen einen Fachmann, der uns sagt, was das Günstigste ist." Was die Stadt aber aus rechtlichen Gründen nicht tun könne: Für ein Privatunternehmen auf Kundenfang zu gehen.

Die Arbeitsweise der Telekom charakterisierte Thoma auf Mössners Frage, ob die Stadt denn nicht wisse, wo die Kabel lägen: "Wenn man ein Kabel abreißt, kommt die Telekom, wenn man fragt, kommt keiner."

Autor: Sylvia-Karina Jahn