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18. Mai 2012

Probe für Katholikentag

"Adam – Die Suche nach dem Menschen" in Waldkirch voraufgeführt / Pfarrer Vogel spielt mit.

  1. Rolf Gildenast tanzte den Sonnengesang nach Franz von Assisi. Michael Knaus und Heinz Vogel spielten die Wiederbegegnung von Sprayer und Pater. Foto: Fotos: Ernst Hubert Bilke

  2. Foto: Ernst Hubert Bilke

WALDKIRCH. In einer sehr gut besuchten St.-Margarethen-Kirche wurde am vergangenen Samstag "Adam", der zweite Teil der Oratorien-Trilogie "Rede und Antwort" von Gregor Linßen, in großer Bühnenfassung aufgeführt.

Seit der Uraufführung im Rahmen einer Musikwallfahrt der Musikwerkstatt Freiburg nach Assisi im Sommer 2002 wurde "Adam" in vielen Orten gespielt. Das Besondere an der gut zweistündigen Waldkircher Wiedergabe war, dass der Komponist – begleitet von seiner Gruppe Ami in Orchesterbesetzung – als Interpret, Sänger und Gitarrist mitwirkte. Ihren Waldkircher Pfarrer Heinz Vogel erlebten die Zuschauer in der Rolle eines Paters. Gut 100 Mitglieder des Chors Alcanto und Soli wurden vom Bruchsaler Bezirkskantor Leo Langer geleitet. Zu den Höhepunkten des zweiten Teils gehörte der Ausdruckstanz eines Solotänzers, in Waldkirch von Rolf Gildenast getanzt.

Linßen ist ein Anhänger des neuen geistlichen Lieds, einer kirchenmusikalische Reformbewegung. Wie es die römisch-katholische Liturgiekonstitution von 1967 vorsieht, soll Musik dem Mitvollzug aller im Gottesdienst dienen und daher aus dem kirchlichen Leben heraus entstehen. Waren daher zunächst die meditativen Gesänge aus Taizé in Mode, fanden in den letzten Jahrzehnten ausgehend vom Musikgeschmack der Laien ganz andere Musikstile Eingang ins Gemeindeleben und sogar ins neue Gesangbuch, wie erneuerte Spirituals und Gospels, nach dem Mainstream arrangierte eingängige Melodien mit alltagsnahen, bisweilen rebellischen Texten. Linßen wird als der führende Komponist der Bewegung angesehen.

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Seine Trilogie ist dafür ein typisches Beispiel. Im ersten Teil stehen in der Rahmenhandlung ein Sprayer, der eine Taube an eine Kirchenmauer sprühte, und von einem Pater zur Rede gestellt wird, im Mittelpunkt. Im zweiten Teil, "Adam", wie in Waldkirch gezeigt, kommt es zu einer Wiederbegegnung der beiden Protagonisten rund zwei Jahrzehnte später.

Skeptisch wendet sich der älter gewordene Sprayer mit Erziehungsfragen an den Pater. "Du, der Du keine Kinder haben darfst, willst mir was über Erziehung erzählen?" Den Seitenhieb auf das Zölibat kontert der Pater, dass Glauben nicht dasselbe wie Wissen ist, sondern vor allem Fragen stand hält. Was macht Vaterschaft aus? In St. Margarethen wurden diese Rollen von Michael Knaus und Heinz Vogel gespielt.

Die Dialogsequenzen kreisen um ähnliche Grundfragen wie sie Immanuel Kant stellte. "Was ist der Mensch?" Bei der Suche nach Antwort gerieten andere Menschen ins Blickfeld, wie Franz von Assisi. Am Anfang seines Lebensweges stand ein Vater-Sohn-Konflikt. Bildprojektionen unterstreichen die Dialoge. Musikstücke, Hauptteil des Oratoriums, reflektieren diese Rahmenhandlung und führen darüber hinaus: Welchen Stellenwert haben Wachstum und Reichtum? Bei der Zugabe wurde ein Lied aus diesem Kontext nochmals gesungen: "Bauer, Bürger, Ritter und Baron, vor Gott sind alle gleich".

Linßen wies darauf hin, dass beim 98. Katholikentag in Mannheim nacheinander alle drei Teile aufgeführt werden. Musikalisch enthält das Werk Rock- und Pop-Elemente, klassische und afrikanische Rhythmen.

Autor: Ernst Hubert Bilke


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