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24. November 2008
300 fordern Schule für alle
Kundgebung für Integration von behinderten Kindern auf dem Freiburger Augustinerplatz.
Rund 300 Menschen haben am vergangenen Samstagnachmittag auf dem Freiburger Augustinerplatz für die Integration von Kindern mit Behinderung demonstriert. Bei der Kundgebung, zu der die Initiative "Bildung neu denken" eingeladen hatte, sprachen sich alle Redner für eine Schule für alle bis zum Ende des zehnten Schuljahres aus.
Nicht 99, nein 300 Luftballons schickten die demonstrierenden Eltern, Kinder und Lehrer in den schneienden Himmel. Ihre Botschaften präsentierten sie auf Plakaten und Transparenten: "Im Mittelpunkt der Mensch" oder "Es ist normal, verschieden zu sein" oder "Integration, wir leben sie schon". Gegen kalte Füße spielte die Freiburger Band "The Brothers" an. Anlass der Kundgebung war das Ende des Modellversuchs der Integrativen Waldorfschule Emmendingen, die auch Schülerinnen und Schüler aus Freiburg besuchen. Zum neuen Schuljahr durfte diese auf Anweisung des Stuttgarter Kultusministeriums keine Kinder mit Behinderung mehr aufnehmen. Die vier betroffenen Erstklässler besuchen die Schule allerdings trotzdem, was von Stuttgart bislang offenbart toleriert wird. Bei der Kundgebung auf dem Augustinerplatz, zu der die Initiative "Bildung neu denken" eingeladen hatte, sprachen sich alle Redner für eine Schule für alle bis zum Ende des zehnten Schuljahres aus. Dort würden die Kinder voneinander lernen, hieß es. Kritisiert wurde das Schulsystem in Baden-Württemberg, das behinderte Kinder ausgrenze, indem es sie auf die Sonderschule schicke.Werbung
"Wir sind in 20 Jahren keinen Schritt weiter gekommen", sagte Sissi Fischer, Mutter eines von vier Kindern, denen der Zugang zur Integrativen Waldorfschule in Emmendingen von der Landesregierung verwehrt wurde. Statt die Schwachen zu integrieren, sei in Baden-Württemberg das Leistungsprinzip in der Grundschule aktueller denn je – ganz im Gegensatz zu anderen Bundesländern, die Integration in der Schule in die Tat umgesetzt hätten. Das Selbstbewusstsein der Eltern hätte sich in dieser Zeit aber sehr wohl verändert, sagte Sissi Fischer: Sie forderten für ihre Kinder einen Platz in der Gesellschaft. Die SPD-Landtagsabgeordnete und Freiburger Stadträtin Margot Queitsch, die Freiburger Grünen-Stadträtin Birgit Wölki und der Gundelfinger FDP-Gemeinderat Werner Haertle sicherten den Demonstranten ihre Unterstützung zu, auch im Namen ihrer Landtagsfraktionen. "Erfolgreiche Modellversuche sollten zur Regel werden", forderte Queitsch in Anspielung auf die Emmendinger Schule. "Wir brauchen solche mutigen, engagierten Eltern wie Sie", rief Wölki in die Menge und bekam dafür lauten Beifall. Unterschiedlichkeit sei eine Bereicherung. Zum Abschluss der Kundgebung sprach der Reformpädagoge Otto Herz.
Autor: Heike Spannagel
