Alles andere ist Wurst

Julia Jacob

Von Julia Jacob

So, 15. April 2018

Gastronomie

Der Sonntag In London ist Herman ze German Kult – jetzt kommt die Wurst aus Deutschland heim.

Am Anfang waren es ein paar deutsche Abende für Freunde. Doch die Würstchen aus der südbadischen Heimat trafen offenbar den Geschmack der Briten. Mittlerweile betreibt "Herman ze German" in London drei Lokale, ein viertes soll folgen – und auch eine Dependance in Lörrach ist in Planung.

Vor dem grauen Foodtruck, der seit einigen Wochen in der Lörracher Innenstadt steht, bildet sich eine lange Schlange. Nicht nur am Samstag, wenn die Fußgängerzone brummt, auch wochentags kommen die Leute in Scharen. Nicht für exotisches Streetfood, Thai-Küche oder amerikanische Spare Ribs. Am mobilen Imbiss von Azadeh Falakshahi und Florian Frey gibt es Wurst. Currywurst. Deutscher geht es kaum.

Von Florians T-Shirt lächelt "Herman ze German", ein fröhliches Würstchen, das einen Schnauzer trägt. Das pfiffige Logo ist Teil einer Erfolgsgeschichte, die vom beschaulichen Lörrach ins hippe London führt. 2008 eröffnen die beiden Betreiber dort ihre erste Filiale. Mittlerweile gibt es "Herman ze German" in Englands Hauptstadt an drei zentralen Standorten. Eine vierte ist in Planung. Den Briten schmeckt die deutsche Wurst offenbar. Und auch der Humor, mit dem deutsche Stereotype aufs Korn genommen werden, kommt beim Inselvolk gut an.

Dabei mussten die beiden Auswanderer zunächst reichlich Aufklärungsarbeit leisten. Warum ausgerechnet Curry als Zugabe zu Wurst eine deutsche Erfindung sein soll, wollte die Kundschaft im Londoner West End wissen. Mit Sauerkraut und Röstzwiebeln – die es als Topping wahlweise dazu gibt – fiel der kulinarische Kulturspagat schon leichter. Längst aber ist "Herman ze German" Kult in London, das Logo, das auch Merchandising-Artikel wie Hoodies und T-Shirts ziert, hat Wiedererkennungswert. Azadeh und Florians Konzept überzeugt aber längst nicht nur die Briten. "Wir haben viele deutsche Gäste", erzählt Azedah. Unter ihnen befinden sich nicht nur deutsche Expats, wie sie selbst, die Sehnsucht nach deutscher Wurstkultur haben, sondern eben auch Besucher, die auf ihrer City-Tour nach dem Bekannten Ausschau halten. Meist landen die Gäste keinen Zufallstreffer. "Herman ze German" erfreut sich in deutschen Medien großer Beliebtheit. Die Erfolgsgeschichte made in Germany garniert so manchen Reisebericht.

Ein Selbstläufer ist die Wurstbraterei dennoch nicht. Die Konkurrenz ist groß und so müssen sich die Betreiber immer wieder etwas einfallen lassen, um zwischen Köstlichkeiten aus aller Welt, die es am Marktplatz London in reicher Fülle gibt, zu bestehen. Immer wieder gibt es Spezialwürste auf der Karte. Mit Bärlauch oder Mango. Und natürlich gehört auch eine vegane Alternative mittlerweile zum Standardprogramm.

Dass Florian und Azadeh einmal 50 Mitarbeiter an drei Standorten beschäftigen, hätten sie sich vor zehn Jahren nicht träumen lassen. Damals gab es gelegentlich deutsche Wurst vom Grill in der WG in Brighton, wo Azadeh Fotografie studierte. Das Grillgut schmeckte und die deutschen Abende wurden immer zahlreicher. Schließlich ergab sich die Gelegenheit, an einem Festival zu grillieren. Azedah und Florian sagten zu, ein Freund entwarf das Logo. Und die Leute standen Schlange. "So richtig gute Wurst kannten die meisten Engländer nicht und man konnte auch nirgends richtig gute Wurst kaufen", erinnert sich Azedah.

Anfangs brachten Azedah und Florian die Wurst aus der Metzgerei Hug, die sie bei ihren Besuchen in der alten Heimat kauften, selbst mit. Im Auto – oder im Handgepäck. Schnell aber musste ein professioneller Transportdienst her, um die große Nachfrage zu bedienen. 2008 zog "Herman ze German" vom Foodtruck in einen festen Imbiss um und die beiden Jungunternehmer von Brighton ins Londoner West End. Der Rest ist Geschichte.

Oder doch nicht? Das Gastspiel in Lörrach könnte von längerer Dauer sein. Auch hier soll die Wurstbraterei bald schon vom Foodtruck in eine dauerhafte Location umziehen. Derzeit suchen die beiden Betreiber nach einer geeigneten Immobilie, in der sie neben Wurst auch Craft Beer anbieten wollen.

Die Speisekarte ist schon auf das heimische Publikum abgestimmt. Neben Currywurst in vier Varianten – klassisch, Herman Style mit Sauerkraut und Röstzwiebeln und Pickled Style mit Essiggurken sowie einer veganen Variante – stehen auch Burger auf dem Programm. "In London könnten wir die nicht anbieten, hier aber laufen Burger gut", erklärt Azadeh den kleinen Unterschied.

Festhalten wollen die beiden aber auf jeden Fall am Grundsatz, möglichst viel selbst zu mache, angefangen bei den Pommes und der Currysoße, für die es eine eigene Würzmischung gibt. Die Wurst kommt natürlich vom Metzger ihres Vertrauens.