Junge Weinszene im Ortenaukreis

Anna-Lena Feger ist amtierende Gengenbacher Weinprinzessin

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Mi, 07. März 2018 um 15:30 Uhr

Gastronomie

Viele junge Winzerinnen und Winzer haben zuletzt Verantwortung übernommen. Wir stellen sie vor. Heute: Anna-Lena Feger aus Diersburg, seit Herbst 2017 Weinprinzessin von Gengenbach.

Im Ortenaukreis stoßen zwei badische Weinbaugebiete aufeinander: vom Norden her die Ortenau, sie reicht von Baden-Baden bis Diersburg/Gengenbach; vom Süden her der Breisgau, er zieht sich von Oberschopfheim bis vor die Tore Freiburgs.

BZ: Was für Wein-Events müssten in der Ortenau unbedingt noch eingeführt werden? Nennen Sie ein paar!
Feger: Spontan fällt mir hierzu ein Wunsch ein, dessen Realisierung ich in der Form bislang noch vermisse. Ich fände es spannend, durch praktische Work-Shops den Kunden Wissen rund um den Wein näher zu bringen. Damit meine ich nicht nur, theoretisch über die Weinproduktion, vom Weinberg bis zur gefüllten Flasche, zu reden, sondern den Kunden zu ermöglichen, selbst Hand anzulegen. Das kann zum Beispiel bei der Arbeit im Weinberg, bei der Weinlese, beim Weinausbau und beim Abfüllen sein. Ich denke, durch einen praktischen Bezug kann man das Interesse gerade bei jungen Menschen wecken.

BZ: Wann haben Sie das erste Mal Wein getrunken: und wo und wieso?
Feger: Mit 13 Jahren beim Opa, der selbst Winzer ist, beim Vesper. Ich habe schon früh in den Weinbergen mitgeholfen, und da muss man ja auch einmal probieren, für was man eigentlich den ganzen Tag gearbeitet hat.

BZ: Warum wohl trinken viele junge Leute um die 25 eher Bier oder Cocktails als Wein – und wie ließe sich dies ändern?
Feger: So allgemein würde ich die Aussage nicht unterschreiben, es kommt aus meiner Sicht eher auf den Ort beziehungsweise Anlass an. Auffällig ist, dass relativ oft alkoholische Getränke gemischt getrunken werden. Vielleicht sollten wir kreativer werden, was mit Wein alles kreiert werden kann.

BZ: Haben Sie jemals im Handel eine Flasche Wein gekauft, die mehr als 20 Euro kostet – und war sie es wert?
Feger: Gekauft selber noch nicht, aber schon des Öfteren getrunken – und ja, sie war jedes Mal ihr Geld wert.

BZ: Sind Sie nicht auch der Meinung, dass die meisten Lokale den Wein zu teuer anbieten?
Feger: Nein, der Meinung bin ich nicht, aus meiner Erfahrung waren die Preise stets gerechtfertigt.

BZ: Mit welchen Weinen kann man sich als Winzer im Anbaugebiet Ortenau am besten profilieren – und warum?
Feger: Diese Frage würde ich so beantworten: Wenn ich, Anna-Lena, selbst Wein anbauen, ausbauen und verkaufen würde, würde ich Wert darauf legen, dass die Lagen, in denen die Trauben reifen, das ganze Jahr volle Sonne haben und sowohl in den Reben, als auch im Keller alle Arbeitsschritte von Hand gemacht werden. Auf die Ortenau bezogen, haben wir hierfür beste Voraussetzungen. Wir haben die entsprechenden Lagen, das Wetter und fast ausschließlich Handarbeit.
BZ: Was hat ein großer Wein?
Feger: Es ist ein Wein, bei dem Sie die Leidenschaft und Liebe der Winzer spüren. Das kann ein außergewöhnlich intensiver Geschmack oder Geruch sein, aber auch die Geschichte des Winzers der das ganze Jahr für sein Produkt gearbeitet hat.

BZ: An welcher Stelle bundesweit steht qualitativ das Weinanbaugebiet Ortenau?
Feger: Gute Weine werden überall gemacht, aber die besten kommen aus der Ortenau.

BZ: Wo in der Welt wird der beste Wein gemacht?
Feger: Da verweise ich auf die vorherige Antwort!

BZ: Macht es Sinn, sich beim Weinkauf an Gold- und Silbermedaillen des Badischen Weinbauverbandes zu orientieren?
Feger: Die Medaillen des Weinbauverbandes werden durch eine unabhängige Jury vergeben und können sicher zur Einschätzung der Qualität herangezogen werden. Somit macht man mit dem Kauf eines prämierten Weines sicherlich nichts falsch. Andererseits stellt das Anbringen der Medaille die Betriebe oftmals vor größere Schwierigkeiten, da die Weine bereits gefüllt und kartoniert sind, wenn die Ergebnisse mitgeteilt werden. Meine Empfehlung ist, direkt in eine unserer Vinotheken in Gengenbach, Zell-Weierbach oder Fessenbach zu kommen und sich beraten zu lassen – dann weiß man, was man hat.
BZ: Wie kann man erreichen, dass in Deutschland mehr badischer Wein getrunken wird, als das bisher der Fall ist?
Feger: Unbedingt noch mehr Werbung außerhalb der Region machen.

BZ: Weinprinzessin und Dirndl: Ist diese Kombination wirklich noch zeitgemäß?
Feger: Auf jeden Fall! Ich finde, eine Weinprinzessin sollte gar nichts anderes anhaben. Das ist ein Stück Tradition, welche unbedingt beibehalten werden sollte. Außerdem sind Dirndl wieder voll in.

BZ: Mal ehrlich: Haben Sie sich das Amt der Prinzessin so vorgestellt, wie es jetzt läuft, und haben Sie noch einen Überblick über die Zahl der Veranstaltungen?
Feger: Ich habe, ehrlich gesagt, gar keine konkrete Vorstellung gehabt und mich ein Stück weit überraschen lassen. Es ist für mich eine schöne Zeit, mit sehr abwechslungsreichen Veranstaltungen. Ich kann das Amt auf jeden Fall weiterempfehlen.

BZ: Sie gewinnen im Lotto zwei Millionen Euro. In welches Wein-Projekt stecken Sie das Geld?
Feger: Ich würde, wie am Anfang beschrieben, das Wein-Projekt zum Anfassen, insbesondere für junge Leute, ins Leben rufen. Es wäre ein kleiner Beitrag, um den Weinbau als Stück Kultur in unserer schönen Ortenau zu erhalten.

Anna-Lena Feger, 19, aus Diersburg, gerade in der Ausbildung zur Physiotherapeutin. Ehrenamtliche Tätigkeiten: amtierende Weinprinzessin von Gengenbach und Trainerin der Nachwuchsgarde Diersburg.

Alle bereits erschienenen Beiträge der Weinszene-Serie bei Badische Zeitung online unter http://mehr.bz/jungeweinszene