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06. März 2017 07:27 Uhr

Stabübergabe

Bad Bellinger "Schwanen": Die nächste Generation übernimmt

Die Familientradition wird fortgesetzt: Im Bad Bellinger "Schwanen" hat mit Alexander und Petra Fräulin die nächste Generation das Ruder übernommen. Zuvor wurde das Traditionshaus saniert.

  1. Peter Fräulin hat den „Schwanen“ endgültig an Schwiegertochter Petra und Sohn Alexander Fräulin(v.l.) übergeben Foto: Jutta Schütz

Der Saal im Restaurantbereich des "Schwanen" in Bad Bellingen ist fertig, das Traditionshaus hat zudem zwei weitere, jetzt klimatisierte, Zimmer im Dachgeschoss stilvoll ausgebaut und einen eigenen Rezeptionsbereich geschaffen. Mit all den Neuerungen kommt nun auch die endgültige Übergabe des Betriebs an die jüngere Generation. Peter Fräulin ist seit Anfang März ganz offiziell in Rente, den Landgasthof mit Hotel, Restaurant und dem Gästehaus Rheinblick übernehmen nun endgültig Peter Fräulins Sohn Alexander und dessen Frau Petra. Von 2011 bis jetzt wurde der Betrieb gemeinsam von Vater und Sohn geleitet.

Der "Schwanen" ist das älteste Gasthaus in Bad Bellingen und auch eines der ältesten im Landkreis. "Rund 300 Jahre ist das Gebäude alt, vor etwa 150 Jahren entstand der Anbau, in dem jetzt auch unser neu umgestalteter Saal liegt", erläutert Alexander Fräulin.

Mehr Betten warten auf Übernachtungsgäste

Zusammen mit dem Gästehaus "Rheintalblick" verfügt der Betrieb über 60 Betten, erweiterbar auf 80 Betten. 30 Betten sind im historischen Gebäude untergebracht. "Die ausgebauten Zimmer im Dachgeschoss sind ehemalige Personalzimmer – die Auszubildenden wohnten früher in den beiden Dachkammern", berichtet Fräulin.

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Der Restaurantsaal und die Traditionsgaststube haben 80 Plätze, hinzu kommt die Terrasse mit 40 Plätzen und der Pavillon mit 10 Plätzen ist nun das ganze Jahr nutzbar, "da er beheizt wird", so Petra Fräulin. Der Gastraum ist nun auch klimatisiert, eine ganz spezielle Akustikdecke wurde im Saal eingezogen – sie schluckt den Schall vieler Gespräche. Auch der Frühstücksservicebereich wurde modernisiert. Wichtig war den Fräulins aber, dass der Stil und das Flair eines edlen Landgasthofs erhalten bleiben.

Kochen in der ganz hohen Liga

Seit 130 Jahren ist der "Schwanen" im Familienbesitz, "meine Vorfahren waren Landwirte, die einfach gut kochen konnten", schmunzelt er. Alexander Fräulin ist Küchenmeister und Hotelbetriebswirt. Als er 15 Jahre alt war, glaubte er noch nicht daran, dass er seinem Vater nachfolgen würde. "Damals war ich er nur am Mofaschrauben interessiert – erst mit 18 Jahren, habe ich darüber nachgedacht, Koch zu werden", bekennt er. Petra Fräulin ist Seiteneinsteigerin im Hotel- und Gastronomiegewerbe. Eigentlich hat sie Fotolaborantin gelernt, aber sie jobbte in Hotels etwa in England und Schottland. "Ich bin da reingerutscht, es hat mir einfach Spaß gemacht", erzählt sie.

Alexander Fräulin lernte in den sogenannten allerersten Häusern: Der "Adler" in Lahr/Reichenbach gehörte dazu, die "Krone" im pfälzischen Herxheim, und die berühmte "Traube Tonbach" in Baiersbronn. Gerade in diesem Gourmet-Tempel war man aber nur unter seinesgleichen, dort habe man in der ganz hohen Liga gekocht – "das war eine Zeit lang toll, aber auch sehr stressig", erinnert sich Alexander Fräulin.

Warum gibt es derzeit keine Azubis?

Von Kochshows hält er übrigens wenig bis nichts – Kochbücher dagegen liest er gerne. "Mein Vater und ich haben ganze Regale voll", sagt er. Und eigentlich vorhersehbar: Neben den beiden deutschen Starköchen Joachim Wissler und Hans Haas ist der gebürtige Franzose und jetzige Monegasse Alain Ducasse , der bisher als einziger "Cuisinier" vom Guide Michelin dreimal drei Sterne für seine Küche als Auszeichnung bekam, sein Vorbild. "Die Kulinarische Enzyklopädie, die Ducasse geschrieben hat, das ist für mich das Größte", bekennt Fräulin, dem es übrigens ganz wichtig ist, seinen Gästen eine feine regionale und vor allem eine saisonale Küche zu bieten.

15 Angestellte sind im "Schwanen" beschäftigt. Was Petra und Alexander Fräulin Sorgen macht, ist, dass es zwar drei Ausbilder – darunter Petra Fräulin – im Betrieb gibt, aber derzeit keine Auszubildende. "Junge Leute, die Koch, Restaurant – oder Hotelfachleute werden wollen, sind kaum da – dabei zahlen wir übertariflich", bedauern die Fräulins. "Die jungen Leute wollen nicht abends oder an den Wochenenden arbeiten – ausgehen und essen gehen will genau zu den Zeiten aber jeder", beschreibt der Schwanen-Wirt das Dilemma und fragt sich, wohin diese Entwicklung langfristig noch führen wird. Dabei seien doch gerade Berufe in der Gastronomie nie langweilig, findet er.

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Autor: Jutta Schütz