Weingut Jägle (Kenzingen)

Bernhard Jägle: "Die Geschichte des Weines herausarbeiten"

Gerhard Walser

Von Gerhard Walser

Di, 24. April 2018 um 18:09 Uhr

Gastronomie

BZ-Serie "Weinkult Breisgau" (1): Bernhard Jägle vom gleichnamigen Weingut will die Absichten des Kellermeisters in seinen Weinen offenlegen.

BZ: Stellen Sie sich vor, Sie sind beim Bundespräsidenten zum Essen eingeladen. Welche Flasche Wein aus Ihrem Keller bringen Sie ihm mit und warum gerade diesen?
Bernhard Jägle: Ich würde unseren Crémant Sekt brut mitbringen, da dieser ein edler Aperitif für ein köstliches Essen ist. Der Crémant brut überzeugt mit seiner Vollmundigkeit und feinen Perlage.

BZ: Die Breisgauer haben sich viele Jahre hinter Kaiserstuhl, Markgräflerland oder Ortenau versteckt. Was muss sich ändern, damit das Anbaugebiet bekannter wird?
Jägle: Der Breisgau muss sich nicht verstecken. Die Qualität spricht für sich und wir können auf jeden Fall mit dem Kaiserstuhl, Markgräflerland und der Ortenau mithalten. Man muss gemeinsam die Region bewerben und stolz darauf sein, von hier zu kommen!

BZ: Was gefällt Ihnen am Beruf des Winzers?
Jägle: Der Beruf des Winzers ist ein sehr vielseitiger Beruf. Es beginnt mit dem Rebschnitt, man begleitet den Rebstock das ganze Jahr bis hin zur Lese und nach der geschafften Arbeit steht man selbst im Weinverkauf und sieht, welche Freude das eigene Produkt bereitet.

BZ: Was schätzen Sie persönlich am Breisgau?
Jägle: Die flursanierten Weinberge um Kenzingen.

BZ: Mit welchen Weinen kann sich der Breisgau profilieren?
Jägle: Es ist die Vielseitigkeit der Sorten. Natürlich gibt es im Breisgau klasse Burgunder, aber auch andere Sorten wie Riesling profitieren von den Lagen im Breisgau.

BZ: Was ist für Sie ein großer Wein?
Jägle: Die Geschichte des Weines muss herausgearbeitet werden. Die Sortentypizität, das Terroir und die Absichten des Kellermeisters müssen klar erkenntlich sein. Für mich muss ein großer Wein nicht unbedingt monatelang im Barrique liegen, denn auch ein frischer Wein mit einer ausgeglichenen Säure und Finesse hat seine Vorzüge.

BZ: Was trinken Sie, wenn kein Breisgauer mehr im Keller liegt?
Jägle: Ich trinke gerne Weine von Kollegen oder die mein Sohn auf Reisen gekauft hat. Ein persönlicher Bezug ist immer wichtig.

BZ: Beschreiben Sie in drei Schlagworten Ihre Betriebsphilosophie.
Jägle: Jung, dynamisch und erfolgreich.

BZ: Die Beschaffenheit der Böden wird immer wichtiger für die Weinproduktion. Was kennzeichnet Ihre Rebhänge?
Jägle: Durch die Umlegung 1970 im Kenzinger Hummelberg profitieren wir von vielseitigen Bodenstrukturen. Es wurde damals viel Erde bewegt. Unter den weit verbreiteten Löß- und Lehmböden wurde teilweise auch tiefer gelegener Kalkmergel freigelegt. Unsere Weine der Linie "Methode Jägle" wachsen durchweg auf Muschelkalk und wir versuchen, auch dieses Terroir in unseren Weinen zum Ausdruck zu bringen.

BZ: Der Klimawandel schreitet rasant voran. Muss der Breisgau Alternativen zu den Burgundersorten finden?
Jägle: Ich denke, der Klimawandel betrifft die gesamte Landwirtschaft. Die Burgundersorten kommen mit den Veränderungen gut klar. Man muss lediglich die Arbeiten im Weinberg anpassen. Allerdings muss man auch mutig sein und "neue" Sorten im Anbau ausprobieren. Man sieht es bei unserem Cabernet Sauvignon. Am Anfang des Versuchsanbaus noch grün und unreif, ist er heute kräftig und sortentypisch.

BZ: Wo steht der Breisgau in 20 Jahren?
Jägle: Der Breisgau wird bekannter sein und jeder Weinkenner wird wissen, dass es im Breisgau hervorragende Weine gibt.
Bernhard Jägle (54)

ist Weinbautechniker, Inhaber und Winemaker des Weinguts Jägle in Kenzingen mit 13 Hektar Anbaufläche (Jahresproduktion: 80 000 Flaschen).

Weinkult Breisgau

Weinverkostung und Wein-Party "Weinkult Breisgau", Freitag, 18. Mai, 18 bis 2 Uhr, Weingut Weber in Ettenheim, Vorverkauf 30 Euro, Abendkasse 35 Euro (inklusive Weine, Sekt und Wasser), BZ-Card-Inhaber erhalten 2 Euro Ermäßigung; Karten beim BZ-Karten-Service (bz-ticket.de/karten oder Telefon 0761/4968888) sowie bei allen BZ-Geschäftsstellen.

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