Weingut Kaltenbach (Wildtal)

Bernhard Kaltenbach: "Wir sollten als Gemeinschaft auftreten"

Gerhard Walser

Von Gerhard Walser

Di, 24. April 2018 um 16:58 Uhr

Gundelfingen

BZ-Serie "Weinkult Breisgau" (8): Bernhard Kaltenbach aus Wildtal, Vater der amtierenden Weinprinzessin, wirbt für mehr Gemeinschaft der Winzer

BZ: Stellen Sie sich vor, Sie sind beim Bundespräsidenten zum Essen eingeladen. Welche Flasche Wein aus Ihrem Keller bringen Sie ihm mit und warum gerade diesen?
Bernhard Kaltenbach: Unseren 2016er Grauburgunder. Ertragsreduziert am Rebstock, klassisch ausgebaut im Keller. Ein zarter Duft von Apfel-und Holunderblüten sowie Honigmelone. Ausdrucksstarker und gut strukturierter Körper, bodenständig – wie wir. Zudem ist dieser Grauburgunder der Lieblingswein der Breisgauer Weinprinzessin, unserer Tochter, Miriam Kaltenbach.

BZ: Die Breisgauer haben sich viele Jahre hinter Kaiserstuhl, Markgräflerland oder Ortenau versteckt. Was muss sich ändern, damit das Anbaugebiet bekannter wird?
Kaltenbach: Der Breisgau gilt eher als Stiefkind Badens – unserer Meinung nach komplett unbegründet. Wir Breisgauer produzieren tolle Weine, doch es fehlt daran, das auch nach außen zu kommunizieren. Um auch über die Grenzen Badens hinweg bekannter zu werden, sollten wir mehr als eine Gemeinschaft auftreten und uns so an Veranstaltungen präsentieren.

BZ: Was gefällt Ihnen am Beruf des Winzers?
Kaltenbach: Der Beruf des Winzers ist unglaublich vielseitig und die Arbeit in der Natur macht einfach Spaß und schlussendlich hält man seinen eigenen Wein in der Hand. Es ist schön, am Ende eines Jahres zu sehen, und vor allem zu schmecken, was man geleistet hat.

BZ: Was schätzen Sie persönlich am Breisgau?
Kaltenbach: Breisgau, unsere Heimat – und dort ist es bekanntlich am Schönsten. Landschaftlich so vielfältig ist es nur bei uns.

BZ: Mit welchen Weinen kann sich der Breisgau profilieren?
Kaltenbach: Bei den Burgundern liegen unsere Stärken. Unsere Gneisverwitterungsböden, die Südhänge und das gute Mikroklima lassen einzigartige und tiefgründige Weine wachsen.

BZ: Was ist für Sie ein großer Wein?
Kaltenbach: Aus einem besonderen Jahrgang und vollreifen Trauben. Der Wein, geprägt von Klima und Boden, spiegelt diese komplexen Aromen eines einzigartigen Jahres wieder.

BZ: Was trinken Sie, wenn kein Breisgauer mehr im Keller liegt?
Kaltenbach: Unvorstellbar, dass dieses Schreckensszenario eintritt. Falls doch, trinken wir auch gerne einen leckeren Gutedel.

BZ: Beschreiben Sie in drei Schlagworten Ihre Betriebsphilosophie.
Kaltenbach: Charakter. Natur. Leidenschaft

BZ: Die Beschaffenheit der Böden wird immer wichtiger für die Weinproduktion. Was kennzeichnet Ihre Rebhänge?
Kaltenbach: Direkt oberhalb unseres Bauernhofs liegt der Wildtäler Sommerberg. Dort wachsen ausschließlich unsere eigenen Reben auf fruchtbarer Gneisverwitterung. In Südlage finden sie so optimale Voraussetzungen um einzigartige Weine wachsen zulassen.

BZ: Der Klimawandel schreitet rasant voran. Muss der Breisgau Alternativen zu den Burgundersorten finden?
Kaltenbach: Burgunder sind Wärme liebend. Momentan finden sie im Breisgau ähnliche klimatische Bedingungen wie im Burgund. Lediglich die Bewirtschaftungsweise oder die Lagen werden sich ändern. Die Burgunder bleiben (hoffentlich).

BZ: Wo steht der Breisgau in 20 Jahren?
Kaltenbach: Weiter zwischen der Dreisam in Freiburg und Oberschopfheim, doch auch über die Bereichsgrenzen hinaus bekannt für authentische Weine.

BZ: Sie gewinnen im Lotto zwei Millionen Euro. In welches Wein-Projekt stecken Sie das Geld?
Kaltenbach: Zum Ausbau unseres Weinkellers. Eine Übernachtung im Holzfass, direkt in unseren Reben wäre allerdings auch ein schöner Traum.
Bernhard Kaltenbach (61)

ist Betriebsinhaber und Leiter des gleichnamigen Weinguts in Wildtal. Es hat eine Rebfläche von 4,5 Hektar, produziert 20 000 Flaschen und ist Heimat der amtierenden Breisgauer Weinprinzessin Miriam Kaltenbach.

Weinkult Breisgau

Weinverkostung und Wein-Party "Weinkult Breisgau", Freitag, 18. Mai, 18 bis 2 Uhr, Weingut Weber in Ettenheim, Vorverkauf 30 Euro, Abendkasse 35 Euro (inklusive Weine, Sekt und Wasser), BZ-Card-Inhaber erhalten 2 Euro Ermäßigung; Karten beim BZ-Karten-Service (bz-ticket.de/karten oder Telefon 0761/4968888) sowie bei allen BZ-Geschäftsstellen.

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