Renaissance eines Klassikers

Darum ist der Moscow Mule der Star unter den erfrischenden Cocktails

Sven Meyer

Von Sven Meyer

Sa, 07. Juli 2018 um 23:12 Uhr

Gastronomie

Moritz Leitis, Bartender der Freiburger Hemingway Bar, erklärt, wie man sich im Sommer genussvol erfrischt. Als Klassiker empfiehlt Leitis den Moscow Mule.

Voll im Trend liegen erfrischende Cocktails mit Kräutern und Früchten, gerne mit einer herben oder leicht scharfen Note und, was den Alkohol angeht, nicht zu stark. In der Freiburger Hemingway Bar gehen diesen Sommer besonders häufig Mojitos, Gin Gin Mules und Pimm’s Cups über den Tresen. "Kräuter wie Minze oder Basilikum bringen immer eine frische Note rein. An heißen Tagen ist das die perfekte Abkühlung", erklärt Hemingway-Bartender Moritz Leitis.

Beim Pimm’s Cup etwa bestehen die Zutaten aus einem leicht bitteren, kräutrig-würzigen Likör auf Gin-Basis mit einem Alkoholgehalt von 25 Prozent. Weitere Zutaten sind Zitronen- und Orangenzeste, Gurke, Minze und wahlweise Zitronenlimonade oder Ginger Ale. Wer es lieber alkoholfrei möchte, wählt den Cucumber-Mint-Cooler.

Der Star der Stunde unter den erfrischenden Cocktails ist jedoch der Moscow Mule. "Eine Barschicht ohne den ein oder anderen Moscow Mule zu mixen, gibt es fast nicht", sagt Leitis. Dabei handelt es sich um einen echten Klassiker. Vor einigen Jahren wurde er in deutschen Bars wieder trendy. Seither wächst die Zahl seiner Fans stetig an. Der Stern kürte ihn zum angesagtesten Cocktail des Sommers.

Die Wurzeln des Kultgetränks reichen ins Jahr 1941 zurück. Noch immer dominiert der Glaube, dass es sich um einen russischen Cocktail handelt, doch das ist ein Irrtum. Den ersten Moscow Mule bereitete der Bartender Jack Morgan im legendären Cock’n Bull Pub in Los Angeles zu. Der scharf-würzige Cocktail, der seine frische Note durch die Zugabe von Gurkenscheiben erhält und im Hintergrund mit einer subtilen Süße kontert, entstand gewissermaßen aus der Not heraus. Morgan suchte nach einem Weg, seine selbst hergestellte Ingwerlimonade (Ginger Beer) unters Volk zu bringen. Sein Partner, der auf Wodka spezialisierte Spirituosen-Händler John G. Martin, wollte seinen in den USA weitgehend unbekannten hochprozentigen Stoff bekannt machen.

Gemeinsam entwickelten die Freunde die Idee, beide Getränke plus einen Schuss Limettensaft miteinander zu verbinden. Als genialer Schachzug entpuppte sich der Marketing-Gag, das Ganze in stylischen Kupferbechern zu servieren. Der Kult war geboren. Bald wurde der Mule von jeder Bar, die etwas auf sich hielt, auf der Karte geführt. Im Fahrwasser des Erfolgs erlebte auch der Wodka in den USA seinen Durchbruch. Die Gurke kam erst später dazu, angeblich ist sie auf den Geistesblitz eines Münchner Bartenders zurückzuführen. Bisweilen wird auch eine dünne Scheibe frischen Ingwers zur Deko genutzt. Da Wodka relativ geschmacksneutral ist, ist es übrigens das Ginger Beer, das diesem Cocktail das Rückgrat verleiht. Eis, Limette und die Gurken mildern den konzentrierten Geschmack dieser Limonade dezent ab, während der Vodka für eine öligere Textur sorgt. "Das Resultat ist ungemein süffig", schwärmt Moritz Leitis.

Inzwischen gibt es unzählige Varianten des Originals – unter anderem mit Mango und Thymian. Bei vielen wird sogar eine andere Spirituose verwendet – beim Munich Mule ist es zum Beispiel Gin. Der vom Eis außen leicht angefrorene Kupferbecher ist ein Markenzeichen und Hingucker, jedoch schmeckt der Cocktail genauso im Highball- oder Longdrinkglas. Ein bei jedem Cocktail nicht zu unterschätzender Faktor ist das Eis. "Schlechtes Eis ist nass und kann den ganzen Cocktail kaputt machen", sagt der 28-jährige Leitis. "Wir frieren unser Eis nochmal bei minus 28 Grad ein, damit es schön trocken ist. Der Cocktail bleibt auf diese Art geschmacksintensiver", erklärt er.

Da der Moscow Mule so süffig und leicht rüberkommt, verleitet er dazu, dass ein oder andere Glas zu viel zu trinken. Moritz Leitis stellt daher zu jedem Cocktail ein Glas Wasser hinzu. "Das ist aus meiner Sicht die wichtigste Regel beim Cocktailtrinken", sagt er. Sollte es am nächsten Tag doch mal einen Brummschädel geben, empfiehlt er Rinderbrühe als Geheimrezept. "Der Körper bekommt damit jede Menge Elektrolyte und zugleich Flüssigkeit zugeführt. Eine Alternative ist Essiggurken-Wasser", so Leitis. Wer es auf die härtere Tour mag, sollte sich am nächsten Tag eine Bloody Mary mixen. "Das funktioniert definitiv immer", versichert der Bartender mit einem Augenzwinkern.
Rezept

Moscow mule (Rezept aus der Hemingway-Bar): 4,5 cl Greenmark Rey Wodka, 2 cl frisch gepresster Zitronensaft, 15 cl Ginger Beer (Ingwerlimonade). Zubereitung: Wodka und Limettensaft im Kupferbecher verrühren mit Eis und der Limonade ausfüllen und mit einer Gurkenzeste garnieren. Tipp: Dafür einen Spargelschäler verwenden.