Regio-Bücher

Das Baden-Württemberg-Weinbuch bietet wenig Überraschendes

Manfred Dürbeck

Von Manfred Dürbeck

Sa, 30. Dezember 2017 um 23:25 Uhr

Gastronomie

Der erste Eindruck: opulent. Der zweite: An wen mögen Autoren und Verlag als Käufer gedacht haben, bevor sie ans Werk gingen?

"Das große Baden-Württemberg-Weinbuch" macht seinem Namen alle Ehre. Es ist in der Tat mächtig geraten. Mehr als 2,5 Kilo bringt das großformatige Werk auf die Waage. Die sind vor allem dem hochwertigen Papier geschuldet, auf dem einem mit brillanten Fotos das Bindestrich-Land aus der Perspektive des Weinbaus nähergebracht wird. Der Weintourismus-Preis der Marketing GmbH Baden-Württemberg wäre eine schöne Belohnung.

Roland Bauer zeichnet für die Fotos verantwortlich. Er hat die einzelnen Regionen quer durch die Jahreszeiten, die Weinmacher, deren Arbeitsplätze und Produkte perfekt ins Bild gesetzt. Keine Frage, manches davon hat man so noch nicht gesehen. Das macht durchaus Lust, sich selbst auf die Reise zu begeben.

Rudolf Knoll zeichnet für die Auswahl der 111 Winzer verantwortlich. Der ausgewiesene Kenner und Fachjournalist, der unter anderem den Deutschen Rotweinpreis des Magazins "Vinum" ins Leben gerufen hat und zeitweise Mitglied im Degustationsteam des deutschen Gault-Millau war, hat die Auswahl der Weingüter, Winzer und Genossenschaften vorgenommen. Seinen Hinweis im Vorwort, er erhebe keinen "hundertprozentigen Anspruch auf Vollständigkeit" darf man als ironisches Aperçu lesen.

Wer sich vor Augen führt, was Eichelmann oder Gault-Millau an nennenswerten Qualitätserzeugern aus Baden-Württemberg aufführen, dem bietet das "Große Weinbuch" dann doch einen mageren Extrakt. Nachvollziehbar, dass Kaiserstuhl und Tuniberg bei der Zahl der Erzeuger üppiger bedacht werden als andere Regionen. Warum aber der Breisgau gegenüber dem Markgräflerland eher stiefmütterlich behandelt wird, erschließt sich nicht.

Knoll bleibt vage, nach welchen Kriterien er seine Auswahl getroffen hat. Nur so viel: Im Buch steckten nicht Momentaufnahmen, sondern langjährige Passion und Erfahrung. Man darf ergänzen: ganz einfach persönliche Vorlieben. Und vielleicht wurde bei der Auswahl württembergischer Betriebe auch mal ein Auge zugedrückt, um eine gewisse Parität herzustellen. Das Gros der Präsentierten ist gesetzt (und bekannt). Entdeckungen sind rar. Fazit: Wer sich für Wein bereits interessiert, für den bietet der 300 Seiten starke Wälzer wenig Neues. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, tauchen die Erzeuger auch in den bekannten Weinguides auf – dort allerdings ohne begleitende fotografische Impressionen.

Bleibt also die Frage nach dem Zielpublikum. Die Antwort könnten Claus-Peter Hutters Beiträge geben. Hauptberuflich Leiter der Umweltakademie des Landes und Autor von Büchern in der Sparte Tourismus und Landschaftsmanagement, führt er in seinen einleitenden Texten zu den Landesteilen stimmungsvoll mit knappen historischen und geologischen Exkursen in die Weinbauregionen ein. Die strengen weinbaurechtlichen Klassifizierungen bleiben außen vor – und für die Grundstruktur doch erkennbar.

Ein wenig bemüht kommen die Kapitelüberschriften daher, die sich dem Stabreim verschrieben haben. So firmiert das Markgräflerland unter "Grenzland, Genuss, Gutedel". Holpriger wird’s dann schon bei Stromberg und Enztal: "Wilde Wälder, Weinberge, stille und sprudelnde Wasser". Nun denn.
Rudolf Knoll, Claus-Peter Hutter, Roland Bauer: Das große Baden-Württemberg Weinbuch. 111 Weingüter, Winzer und Wengerter. Emons Verlag, Köln. 304 Seiten mit rund 400 Farbabbildungen, 49,95 Euro.