Kultiges Kochbuch

Das Buch "Specktakel" regt zum Nachkochen und Nachdenken an

Ulrike Le Bras

Von Ulrike Le Bras

Di, 28. November 2017 um 10:48 Uhr

Lahr

Uwe Baumanns Buch "Specktakel" enthält nicht nur Rezepte, sondern auch politische Dimensionen. Seine Recherchen in industriellen Schlachtbetrieben stießen auf wenig Gegenliebe.

Im Rahmen eines zünftigen Vespers im Brauhaus der Dammenmühle haben Sibyl Mayer und Uwe Baumann am Sonntagabend ihr Kochbuch mit dem Titel "Specktakel" vorgestellt. Zuvor gab Uwe Baumann eine informative Einführung in die Entstehungsgeschichte des Buches.

Es war einer dieser Termine, bei dem sich die geladenen Gäste im wahrsten Sinne des Wortes sauwohl fühlen konnten – wurden doch alle Sinne gleichzeitig angeregt. So war die Nase wie immer der erste Rezeptor für die olfaktorischen Reize: ein bisschen wie in Opas Räucherkammer, dazu der Duft von urigem Bauernbrot und alles vermischt mit einem Hauch von Kräutern. Lecker!

Speck in allen erdenklichen Variationen

Visuell erwartete die Besucher im heimeligen Ambiente des großen Saales ein Buffet, das sich vor lauter Fülle schier zu biegen schien: hauchdünn geschnittener Speck in allen erdenklichen Variationen, Brot, das schon äußerlich zum Reinbeißen verlockte, frisch angemachter Bibeleskäs, Zwiebeln, dazwischen Flaschen mit diversen Inhalten, die zu einem zünftigen Vesper einfach dazugehören: Most, Bier, Wein und auch das eine oder andere klare Wässerchen, das als "Verteilerle" nach dem Essen sicherlich gute Dienste geleistet hat. Eine Augenweide!

"Das ist noch anständiger Speck, der hergestellt wird mit den Faktoren Liebe und Zeit." Uwe Baumann zu den anwesenden heimischen Erzeugern
Auditiv gab es eingangs Akkordeon-Ländler aus der Box, bevor Uwe Baumann zum Mikrofon griff. Dass er trotz hörbar schwer angeschlagener Stimme 30 Minuten Sprechzeit über die Bühne brachte, ohne den Zuhörern Mitleid einzuflößen, dafür sei dem Ingwertee gedankt, den er sich in höheren Dosen einverleibt hatte. Schade wäre es gewesen, wenn er seine Moderation hätte abbrechen müssen – dem interessierten Gast wäre sonst die ganze unterhaltsam präsentierte Entstehungsgeschichte des Buches entgangen.

Auf stolze 310 Seiten kommt das Werk, bei dem bereits das Hardcover sozusagen in medias res geht: Prangen doch da, den Appetit anregend, mehrere gut durchwachsene Speckseiten und machen den potenziellen Käufer neugierig auf das, was da zwischen den Deckeln zu finden ist. Dass es 60 Rezepte rund um den Speck sind, eingesandt ebenso von gestandenen Bauersfrauen wie professionellen Köchen, allesamt auf Praxistauglichkeit erprobt und schön fotografiert – das verwundert nicht.

Akribisch recherchiert

Was dem unbedarften Besucher aber manches staunende "Ah" entlockt, das ist die Fülle an akribisch erhobenen und verarbeiteten Informationen zum Thema "Kulturgeschichte des Schwarzwälder Specks". Noch verblüffender ist die Ehrlichkeit, mit der Uwe Baumann und Sybil Mayer ans Werk gegangen sind und aufzeigen, wie es bestellt ist um die heute vor allem in industriell arbeitenden Betrieben praktizierte Schlachtkultur, bei denen Zahlen im Raum stehen, die einen nachdenklich machen müssen.

Dass die Recherchen in den entsprechenden Betrieben vor geschlossenen Türen endeten, spricht Bände und verleiht dem Kult- und Kochbuch eine politische Dimension. Umso höher lobte Baumann deshalb die an diesem Abend auch größtenteils anwesenden heimischen Erzeuger, denen er augenzwinkernd den Titel "Speckologen" verliehen hat: "Das ist noch anständiger Speck, der hergestellt wird mit den Faktoren Liebe und Zeit." Wie viel Zeit sich die geladenen Gäste für gustatorische Sinneseindrücke genommen haben, lässt sich nur schätzen. Sicher ist jedoch, dass es ihnen saumäßig gut geschmeckt haben wird.

"Specktakel – ein Kult- und Kochbuch rund um den Schwarzwälder Speck"; gebunden; 200 Seiten; ISBN-13: 9783724521549; Preis: 24,80 Euro