baden.

Das neue "baden." dreht sich um Lebensmittel aus der Region

Christian Hodeige

Von Christian Hodeige

Sa, 02. Dezember 2017 um 15:20 Uhr

Gastronomie

Die 13. Ausgabe von "baden." widmet sich Menschen, die sich um die Produktion und die Zubereitung von Lebensmitteln aus der Region bemühen. Mit dem richtigen Kaufverhalten können wir etwas die Welt retten.

Viele Wählerbefragungen haben vor den Wahlen die drängendsten Themen zu erkunden versucht. Nicht verwunderlich: Es standen die Themen Flüchtlinge und Migration und damit verbunden die innere Sicherheit ganz vorne auf der Prioritätenliste. Auch nachvollziehbar: Themen wie Bildung, Rente, soziale Gerechtigkeit, Konjunktur und Arbeitsmarkt waren im Mittelfeld platziert. Sehr bemerkenswert bis erschreckend: Klimawandel, Umweltschutz und nachhaltige Landwirtschaft spielten bei dieser Bundestagswahl eine untergeordnete oder gar keine Rolle.

Da ziehen die kräftigsten Wirbelstürme seit Menschengedenken durch die Karibik und die USA und hinterlassen eine bisher nicht für möglich gehaltene Spur der Verwüstung. Katastrophenfilmbilder, die nicht in Hollywood im Computer entstanden sind, kein neuer Mad Max Film, kein gruseliges Endzeitdrama, sondern schlichte Realität für viele Millionen Menschen. Da machen sich hier viele Sorgen ob einer vermeintlichen Überfremdung, sind ganz wütend vor Angst und prügeln auf das politische Establishment ein, was das Zeug hält – und neben uns fliegt gerade die Welt in die Luft.

Da forschen Meteorologen an der Universität Frankfurt über Feinstaub und kommen zum nüchternen Ergebnis: Wenn wir nichts ändern, haben wir ab 2030 Stuttgarter Luftverhältnisse in sehr vielen Großstädten Deutschlands. Die deutsche Physikerin Friederike Otto erfindet mit anderen an der Universität von Oxford eine neue Disziplin. "Zuordungswissenschaft" nennt sich das und könnte unsere Sicht der Dinge, wenn wir es den zulassen, bald gravierend verändern. Ob Hurrikane, extreme Dürren, Hochwasser oder Hitzewellen – die Frage ist, sind das ganz normale Phänomene, die immer wieder vorkommen? Oder handelt es sich um den von Menschen, besser von menschlichem Handeln, gemachten Klimawandel und kann man die Täter benennen?

Physikerin Otto will mit etwa zehn Kollegen auf der ganzen Welt die Wirbelstürme Harvey und Irma untersuchen. Verursacht hat die Klimaerwärmung die Wirbelstürme natürlich nicht, aber die warmen Meere führen den Hurrikanen immer mehr Wasser zu und erhöhen ihre Zerstörungskraft signifikant. "Man kann dann zum Beispiel sagen, dass die Erwärmung ein bestimmtes Wetterereignis um 50, 100 oder 500 Prozent wahrscheinlicher gemacht hat – oder auch unwahrscheinlicher", sagte Otto dem Spiegel.

Geradezu grotesk ist die Situation in Texas und Florida. Da sitzen immer noch republikanische Gouverneure und können einfach keine Zusammenhänge zwischen Rekordstürmen und -fluten und der Erderwärmung erkennen. Auch "The Donald" hat bis vor kurzem den Klimawandel als eine Erfindung der Chinesen abgekanzelt. Jetzt musste er viele Milliarden für Texas, Florida, Puerto Rico und weitere Karibikinseln als Nothilfefonds bereitstellen.

Da denken Parteisekretäre der chinesischen Städte Suzhou (sieben Millionen Einwohner) und Changshu (drei Millionen Einwohner) über Dieselfahrverbote ab 2020 und Verbrennungsmotorfahrverbote ab 2025 für ihre Städte öffentlich nach. Schon heute gibt es dort kaum noch Mofas oder Motorräder, die keinen E-Motor haben. Chinesische Gesprächspartner wundern sich in Hintergrundgesprächen, was die deutsche Automobilbranche wohl so vorhat. Schon jetzt steht in fast jedem städtischen Hinterhof in der Region eine Elektroladestation.

China wird allein durch seine Marktmacht wesentlich die Zukunft des Elektroautomobilbaus bestimmen, das ist simple Volkswirtschaftslehre. Suzhou und Changshu haben sich gewaltige Renaturierungsprogramme auferlegt, versuchen ihre kaputtgegangene kleinteilige Landwirtschaft wiederzubeleben, investieren riesige Summen in nachhaltige Energien und grüne Stadtentwicklungen.

Fast noch Beeindruckenderes kommt aus Indien, aus dem Himalaya-Bundesstaat Sikkim. Der ist nicht nur der zweitkleinste, sondern auch der höchstgelegene Bundesstaat. Das Land von der Größe des Schwarzwaldes hat seit 2016 seine gesamte Landwirtschaft, alle Betriebe(!) auf biologische und biologisch-dynamische Methoden umgestellt. Dieser Umbauprozess hat fünf Jahre gedauert und ist nun abgeschlossen. Vom fast tropischen Tiefland mit seinem Obst und Gemüseanbau über die berühmten Teeterrassen bis zur Hochgebirgslandwirtschaft zu Füßen des Himalayas ist dort eine durchgängige Bioanbaufläche entstanden, die manch einem hochentwickelten Industrieland bestens anstehen würde.

Warum müssen uns jetzt beispielsweise China oder Indien zeigen, wie es geht, wenn man anfängt, sich prioritär um den Zustand unseres Planeten zu kümmern? Deutschland verfehlt die Klimaziele für das Jahr 2020 mehr als deutlich. Das muss doch nicht so weitergehen! Nach der blamablen Vorstellung von Schwarz-Grün-Gelb in den Sondierungsgesprächen darf man sich zu Recht fragen, wer nun die Umweltthematik zum obersten Ziel einer Regierungsarbeit machen wird?

Es ist Zeit zum Umdenken. Und es ist Zeit, all denen, die sich um eine natürliche und nachhaltige Produktion vor allem von Lebensmitteln hier in der Region bemühen, eine besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Sie alle können jeden Tag die richtigen Kaufentscheidungen treffen!

Freuen Sie sich auf das neue "baden.". Wir gehen dem Phänomen Schlachtplatte nach und beleuchten die Freundschaft zwischen dem Künstler Jan Peter Tripp und den Koch Edy Ledig. Der beste Riesling Badens kommt von Andreas Laible aus der Ortenau. Und im d.o.c. in Freiburg isst man einfach gut italienisch seit Jahrzehnten. Genuss mit Herz und Verstand! In diesem Sinne
"baden."

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