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07. September 2017 10:53 Uhr

Landeswettbewerb Milch

Der Scherpeterhof in Eschbach ist bei der Milch vorn dabei

Für ihren Frischmilchautomaten wurden Petra und Karl Hummel vom Scherpeterhof in Stegen-Eschbach beim Landeswettbewerb Milch ausgezeichnet. Auch Käse stellen sie her.

  1. Petra und Karl Hummel mit Sohn Andreas beim Milchautomaten im Milchhäusle Foto: Erich Krieger

  2. Petra Hummel mit dem hofeigenen Käse Foto: Erich Krieger

  3. Das Milchhäusle Foto: Erich Krieger

Kürzlich reisten Petra und Karl Hummel vom Escbacher Scherpeterhof nicht nur als Besucher zur Südwestmesse nach Offenburg. Sie waren vielmehr als Preisträger des vom Landesministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) ausgerichteten Landeswettbewerbs Milch 2017 zur Preisverleihung im Rahmen der Messe geladen. Ausgezeichnet wurden dabei in sechs Kategorien originelle und innovative Konzepte bei der Vermarktung der Milch.

Einzige Preisträger aus Südbaden

Unter den elf Preisträgern bei 30 Bewerbern wurde das Preisgeld von 6000 Euro aufgeteilt und die Hummels waren die einzigen aus dem südbadischen Raum. Alle anderen Preise gingen an Höfe und Molkereien aus dem Schwäbischen.

Erst kurz vor Einsendeschluss für eine Teilnahme hatte Petra Hummel Mitte Januar die Ausschreibung zum Wettbewerb in einer Zeitschrift entdeckt und nach kurzem Überlegen die Bewerbung für die Kategorie "Direktvermarkter" abgeschickt, denn umtriebig und innovativ war man auf dem Scherpeterhof seit eh und je. Karl Hummel betätigte sich neben der Landwirtschaft noch als Lkw-Fahrer und erledigte dabei auch zahlreiche Düngemittel- und Pestizid-Transporte für verschiedene Großbetriebe der chemischen Industrie. Von Haus aus naturverbunden entwickelte er eine tiefe Abneigung gegen das "Giftzeug" und verzichtete auf dessen Einsatz im eigenen Betrieb.

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Seit 2011 trägt der Hof das Bioland-Gütesiegel

Ab dem Jahr 2001 durfte der Scherpeterhof nach zwei Umstellungsjahren zum Biohof das Gütesiegel Bioland führen. Dann kam 2011 der große Schicksalsschlag, als durch einen Großbrand das Wirtschaftsgebäude vernichtet wurde. Zunächst war unklar, wie es weitergehen sollte, aber zum Glück konnten alle Kühe gerettet werden und Petra Hummel war die treibende Kraft bei der Entscheidung, weiterhin Milchwirtschaft zu betreiben und sich nicht mit Ammenkuhhaltung zu begnügen.

Ein Meilenstein beim Wiederbeginn war der Bau eines neuartigen Kompostierungsstalls, als einer der ersten Höfe in Baden-Württemberg. Darin können sich die Tiere auf einer saugfähigen Schicht aus Hackschnitzeln und Sägemehl frei bewegen. Auf diesem weichen, warmen Rohsubstrat fühlen sich die Tiere sichtlich wohl. Durch die Vermischung mit den Exkrementen der Tiere entsteht nach und nach krümeliger, trockener, erdig riechender Kompost, der als wertvoller Dünger auf Wiese und Feld ausgebracht werden kann.

Da in ihren Augen "Stillstand Rückschritt bedeutet", machten sich die Hummels Gedanken über die Vermarktung ihres Qualitätsproduktes. Als mehr zufällig ein mobiler Käser den Hof besuchte, reifte die Idee, neben der Biomilch-Abgabe an die Schwarzwaldmilch-Genossenschaft einen Teil der Milch zu Käse zu verarbeiten. Versuchsweise wurden mit Hilfe des Käsers erfolgreich Tilsiter und Bergkäse produziert und im Laufe der Zeit mit Bärlauch, Bockshornklee, Pfeffer und einer italienischen Gewürzmischung veredelt. Petra Hummel bot die Käsesorten auf dem St. Petermer Bauernmarkt an und fand damit großen Anklang. Die Produktion wurde ausgeweitet und nun ist sie einen Gutteil ihrer Zeit im entstandenen Käsekeller mit der regelmäßigen Pflege der Käselaibe und dem Verkauf ab Hof beschäftigt.

Im Milchhäusle können Kunden selbst Frischmilch zapfen

Neuste Errungenschaft seit September 2016 ist das schmucke und von der L 127 aus ins Auge fallende Milchhäusle. Dort kann aus einem Milchautomaten rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche frische Bio-Rohmilch mit einem Fettgehalt von 3,5 bis 3,7 Prozent gezapft werden. Sie wird auf 6 bis 4 Grad Celsius heruntergekühlt und regelmäßig vom Veterinäramt und durch ständige Eigenkontrollen überwacht. Die Frischmilch ist vorzüglich zur Eigenbereitung von Joghurt, Quark oder Frischkäse geeignet. Diese Innovationen hat Petra Hummel in einem Formblatt mit dem Titel "Kulinarischer Steckbrief" für den Wettbewerb geschildert und als Begründung für die Aktivitäten angegeben: "Nicht jammern über den Milchpreis, sondern unser Qualitätsprodukt Milch selber veredeln. Den Verbraucher auf den Hof holen – neugierig machen auf das Produkt und offen und ehrlich sein bei allen Fragen."

Dies hat die Jury überzeugt und der Preis ist eine verdiente Würdigung für das innovative Engagement im Scherpeterhof. Dies wird sicherlich auch in Zukunft anhalten, denn im Hause Hummel ist man offen für weitere Projekte, durchaus auch auf gemeinschaftlicher Basis mit weiteren Erzeugern und Verbrauchern. Sohn Andreas, der gerade seinen Masterstudiengang in Agrarwissenschaften an der Universität Hohenheim absolviert, teilt die Experimentierfreude der Eltern und somit scheint die Kontinuität gesichert.
Scherpeterhof
Familie Hummel
Obertal 5
79252 Stegen-Eschbach
Telefon 07661/3507

Scherpeterhof.de
  • Hofladen

    Samstags von 9 bis 12 Uhr geöffnet – oder nach Vereinbarung
  • Bauernmarkt St.Peter

    Freitags ab 15 Uhr hat Familie Hummel einen Stand

Autor: Erich Krieger