Emmendingen

Die Eismacher-Dynastie Santin eröffnet wieder eine Eismanufaktur

Gerhard Walser

Von Gerhard Walser

Fr, 06. Juli 2018 um 22:40 Uhr

Emmendingen

Seine Eltern betrieben Emmendingens erste Eisdiele, nun eröffnet Bruno Santin seine Eismanufaktur in der Lammstraße. Über den ersten Gelatieri der Stadt – und das Prinzip seines Familienunternehmens.

Sein Vater Celso, der 1954 in der Karl-Friedrich-Straße Emmendingens erste italienische Eisdiele eröffnet hatte, verglich sich selbst einmal mit einer Schwalbe: Im Frühjahr kam der inzwischen verstorbene Patron der Eismacher-Dynastie aus dem legendären Gelato-Dorf Forno di Zoldo nach Emmendingen, über den Winter zog es ihn mit der Familie stets heim in die abgeschiedene Bergwelt der Dolomiten. Nun ist die Schwalbe zurück: Sohn Bruno Santin eröffnet nach 15 Jahren fernab der früheren Heimat in der Lammstraße die Eismanufaktur Santin.

Generationen von Kindern versetzte Celso Santin in seinem Eiscafé Venezia einst in Glückseligkeit. Wie viele seiner Landsleute war er in den Fünfziger Jahren aus Forno di Zoldo am südöstlichen Rand der Dolomiten nach Deutschland gekommen, wo drei Viertel aller italienischen Eisdielenbesitzer ihre Wurzeln haben. An der Karl-Friedrich-Straße eröffnete er die erste Eisdiele der Stadt – zur Zeit der erwachenden Italiensehnsucht der Deutschen, die plötzlich mit leckerem Gelato, Espresso oder Cappuccino in Berührung kamen, eine wahre Sensation. Bis ins hohe Alter führte Celso Santin zusammen mit seiner Ehefrau Nives und den Kindern das Eiscafé, zuletzt nahe des Stadttors am Goethe-Platz.

Bruno Santin übernahm 1995 den Betrieb und setzte die Familientradition des Gelatieri bis 2004 fort. Ein Jahr nach dem Tod des Vaters entschloss er sich, Emmendingen zu verlassen und zusammen mit seiner Frau Ulrike in Italien neue Erfahrungen zu sammeln. "Ich habe die Stadt nie vergessen, sie war für mich ja auch ein Stück Heimat geworden", berichtet der heute 42-Jährige. Nach einer kurzen Zeit an der Adria waren das bayrische Donauwörth und schließlich Augsburg Stationen des Zugvogels. Dort, direkt am Rathausplatz in der Innenstadt, liefen die Geschäfte gut, "doch die Leute sind ein bisschen verschlossen", sagt Santin.

Als der Mietvertrag auslief, sah sich Bruno Santin in der alten Heimat Emmendingen um, wo er den Kontakt zu Freunden und der Familie seiner Ehefrau Ulrike nie verloren hatte. "Das Wetter ist besser, die Leute sind nett – eine ganz andere Welt als Bayern" sagt Bruno Santin, der beim BZ-Gespräch gleich mehrfach von Bekannten gegrüßt und angesprochen wird. Viele kennen die Familie noch aus der Jugend. Als er ein mögliches Objekt in Augenschein nahm, sprach ihn der jetzige Vermieter an und bot ihm den Umbau des früheren Schaum & Traum-Geschäfts an.

"Das hat von Anfang an gepasst", freut sich Santin auf die Rückkehr, die in den vergangenen Wochen mit reichlich Arbeit verbunden war. Dieser Tage wurde die lange Glasvitrine angeliefert und die Technik eingebaut, nach der Abnahme soll es kommende Woche dann losgehen. Auch ein Name ist schon gefunden: Eismanufaktur Santin. Die Bezeichnung soll an die handwerkliche Tradition der Eismacher aus dem Zoldo-Tal erinnern und an den Vater Celso. Sein vielen älteren Schleckermäulern bekanntes Konterfei mit sauber gescheiteltem schwarzem Haar und Menjoubärtchen ziert das Logo des Eiscafés, das Sitzplätze auf zwei Ebenen im Inneren des Geschäfts und auf dem Platz davor anbietet.

Bei der Eisproduktion ist Bruno Santin ganz Traditionalist. Er liebt die klassischen Sorten und isst seit seiner Kindheit selbst am liebsten Vanille-, Pistazien- und Zitroneneis. Er will nur anbieten, was ihm selbst auch schmecken würde – "blaues Schlümpfe- oder knallgelbes Kaugummieis kommt bei mir nicht in die Tüte", spielt er auf die immer skurrileren Eiskreationen vieler seiner Kollegen an. Wichtig sind ihm gutes Handwerk, gute Rohstoffe und frische Zutaten. Er will nicht jedem Zeitgeist huldigen. Exotik ja, aber nicht um jeden Preis und mit Stil und Geschmack: "Zitroneneis soll nach Zitrone schmecken aber nicht so bitter, dass man gleich umfällt".

Auch viele bewährte Rezepte seiner Eltern werden zum Einsatz kommen – Mutter Nives lebt heute wieder im Dolomitendorf in der Provinz Belluno, wohin auch Bruno Santin wohl im nächsten Winter wieder zurückkehren wird, wie einst Vater Celso, die Schwalbe. Nach der baubedingten späten Eröffnung wird es wohl Dezember oder Januar werden – "Mal sehen, wie es angenommen wird" .