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06. Mai 2017

Café Olympia in Oberschopfheim

Die kleine Kneipe lockt seit 50 Jahren

Das Café Olympia in Oberschopfheim wurde vor 50 Jahren eröffnet / Heute ist Ralph Röderer Pächter und sorgt für Livekonzerte .

  1. Da geht’s rein, in den Oberschopfheimer „Olymp“. Foto: Barbara Röderer

  2. Ralph Röderer steht seit zweieinhalb Jahren am Zapfhahn. Foto: Barbara Röderer

FRIESENHEIM-OBERSCHOPFHEIM. Mag auch ringsum das Wirtshaussterben bisweilen dramatische Formen angenommen haben: Das "Olympia" in Oberschopfheim hat alle Stürme überstanden und sich sogar aus einst einer Kneipe für die junge Generation in der Region zu einem Treffpunkt für alle Generationen gemausert, mit kleinen popig-rockigen Livekonzerten im schnuckeligen, kleinen Rahmen. Dieser Tage sind es genau 50 Jahre, dass es eröffnet wurde.

Auf dem Olymp dürften noch nicht viele Menschen von hier gewesen sein, im "Olymp" aber auf jeden Fall, so salopp wurde sie all die Jahre genannt, die kleine Kneipe mitten in Oberschopfheim, die als "Tanzcafé Olympia" vor genau fünf Jahrzehnten erstmals Gäste bewirtete. Und das hat von Anfang an gut funktioniert, auch wenn der Name des Lokals aber auch so was von irreführend war: Denn weder wurde darin jemals zu Fox oder Walzer aufgespielt, höchstens, dass zur Fasent mal der eine oder andere Narr im Überschwang der Gefühle seine Partnerin durchs Lokal lotste.

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Es war – im Grundsatz – immer eine kleine Beiz, in der es familiär zuging, und in der es etwas zu trinken und etwas Kleines zu essen gab, Bier, Cola, Schorle, eine Pizza. Schnitzel, Wurstsalat, Flammkuchen – die Karte ist längst länger geworden. Das Lokal selbst hat noch immer nur die Größe eines üppigen Wohnzimmers, mit 80 Sitzplätzen, wenn es wärmer ist, dann kann man auch draußen Platz nehmen.

Wo der 18-Jährige mit dem 84-Jährigen debattiert

Es ist eine Beiz, die sich lange auf die Teenager kaprizierte und auf jene, die vielleicht 20 oder 30 Jahre alt waren. Und die die Gunst der Stunde nutzte, als andere Gasthäuser schlossen, von der "Krone" über die "Linde" bis zum "Engel", und auch die Herrschaften jenseits der 30 auf sie aufmerksam wurden. Eine 18-Jährige neben dem 84-Jährigen, sich über Gott und die Welt unterhaltend? – das ist längst keine Besonderheit mehr. Längst vorbei die Zeiten, da das Lokal in den Augen konservativer Kreise als jugendgefährdend angesehen wurde, nur weil darin 16-Jährige rauchen durften und auf der Toilette ein Kondomspender hing. Sogar Mitglieder des Kirchenchors kehren hier inzwischen gerne ein, solche von Sport-, Gesang- oder Musikvereinen ohnehin.

Gabi Schwend und ihr Mann Werner waren es, die, nach einem kurzen Vorgeplänkel mit einem Pächter, das Heft im Erdgeschoss ihres Wohnhauses selbst in die Hand nahmen und das Lokal zum 1. Mai 1967 offiziell eröffneten. "Jetzt machen wir es mal fünf Jahre, dann sehen wir weiter", hat Werner Schwend damals gesagt. Doch aus der überschaubaren Frist wurden mehr als zweieinhalb Jahrzehnte. Werner war der Wirt, der Zapfhahn und Kaffeemaschine bediente und mit dem Publikum fachsimpelte, Gabi die liebenswerte Bedienung, Mädchen für alles, immer auf Achse und immer auch Seelendoktor: Viele Gäste haben ihr das Herz ausgeschüttet. Kundschaft war sofort da. "Wir waren am Anfang so ziemlich das einzige Lokal vom Kinzigtal bis Altenheim, das speziell den jungen Leuten was geboten hat." Dort wurde "geflippert" und fetzige Musik gehört, wenn auch nur aus der "Seeburg"-Musikbox dröhnend. Attraktiv für viele auch die Preise: ein Spezi für 90 Pfennige, eine Flasche Export für 1,50 Mark. Derlei Preise waren lange stabil. Dass es im Lokal immer anständig zuging, darauf achtete das Wirtsehepaar penibel. Randale? Drogen? Das wurde geächtet. Werners Zeigefinger war höchste Autorität, was auch für Gabis mütterlichen Ton galt. Dafür durften die Gäste die beiden duzen, egal wie alt. Eine Heimstatt fanden dort auch schnell die 1974 gegründeten Motorradfreunde Oberrhein.

Zum Jahresende 1994 legten Gabi und Werner Schwend das Lokal in die Verantwortung von Tochter Cornelia Vollmer, von allen nur "Conny" genannt. Sie betrieb es, mit Unterstützung von Ehemann Martin, 20 Jahre lang. Im Juli 2014 zogen sie sich zurück, und Bruder Harald musste sich um die Nachfolge kümmern. Da traf es sich glücklich, dass Ralph Röderer, 44, in Schuttern aufgewachsen, gelernter Einzelhandelskaufmann mit Abschluss als Betriebswirt (VWA) und immer mal wieder in der Gastronomie tätig, richtig Lust hatte, mal eine Kneipe zu pachten, in der er auch seiner Lust auf Pop und Rock und Livemusik frönen kann. Kein Wunder, kann er doch selbst mit Gitarre und Trompete umgehen.

Am heutigen Samstag spielen "Franknwolf"

Er brachte frischen Wind in das Gasthaus Olympia. Seither finden immer mal wieder Konzerte statt, mitunter brechend voll die Kneipe. Erst vergangenes Wochenende spielten die "Beat Men" sowie Joe Neckermann und Freunde. Heute, Samstag, gastiert "Franknwolf". Der gute Zuspruch scheint Ralph Röderer recht zu geben.

Werner und Gabi Schwend dürften ihre Freude haben, zu sehen, wie ihr Lokal bis heute gute Freunde findet. Während Werner bereits vor einigen Jahren starb, haben viele erst neulich, Mitte März, um "ihre" Wirtin getrauert, die mit 78 gestorben war.

Info: "Olympia", Oberdorfstraße in Oberschopfheim, von Donnerstag bis Dienstag täglich ab 16 Uhr geöffnet. Mittwoch Ruhetag. Infos unter Tel. 07808/541, http://www.olympiaoberschopfheim.de

Autor: Barbara Röderer