Craft-Beer

Die Lenzkircher Brauerei Rogg ist alteingesessen und hip zugleich

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

Mo, 02. Juli 2018 um 12:09 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Familienbetrieb in sechster Generation und ein Ort, an dem junge Craft-Beer-Brauer ihre Rezepte verwirklichen können: Das ist die Lenzkircher Brauerei Rogg.

"Familientradition seit 1846" ist an der Wand im alten Sudhaus zu lesen. Und direkt neben dem Brauereigebäude befindet sich das Eingangshäuschen zu einem Campingplatz. Das ist das Erste, was viele Besucher an der mitten im Südschwarzwald gelegenen Brauerei irritiert. "Ja, wir sind nicht nur Brauerei, sondern Campingplatz, Landwirtschaftsbetrieb, Pferdehof, Brennerei und Gasthaus", sagt Joachim Rogg und lacht. Sein Vater habe auch noch Holz gefahren.

5 500 Hektoliter Bier hat Rogg pro Jahr als Ausstoß. 62 Prozent davon macht das Pilsener aus, nochmal 20 Prozent das ebenfalls untergärige "Rogg-Zipfel". In den letzten Jahren sei es mehr geworden. Während bundesweit der Bierkonsum abnimmt, profitiere man von der Beliebtheit, die kleine regionale Brauereien zunehmend genießen. Und dann hat Rogg noch eine Konzession des Limonadenherstellers Libella, bekommt die Grundstoffe und das Rezept geliefert und ist in der Zubereitung und Abfüllung Dienstleister. Zu seinen Abnehmern zählen auch die Getränkeläden Südstar in Hugstetten und Rettich in Kirchzarten sowie das Café Atlantik in Freiburg.

Ein Volleyballturnier und seine Folgen

Ja, und dann hat Braumeister Joachim Rogg eher per Zufall noch einen weiteren Geschäftszweig erschlossen, der in den vergangenen acht Jahren an Bedeutung für den gesamten Betriebsablauf gewonnen hat: die Zusammenarbeit mit Craft-Beer-Brauern wie dem Freiburger Braukollektiv. "Ich bin bei einem Volleyballturnier mit Till Scheuermann vom Braukollektiv ins Gespräch gekommen, habe das erst für eine Schnapsidee gehalten, wollte ihnen aber den Gefallen nicht verwehren", sagt Rogg.

Die Rogg-Brauerei ist beliebt unter den neuen kreativen Brauern, zu denen auch die Freiburgerin Almut Emma Zinn mit ihren "Emma"-Bieren gehört. "Er hat eine tolle neue Anlage und vor allem werden die Biere bei ihm auch gepflegt", sagt Zinn. Es komme ja nicht nur auf den Brauvorgang an, sondern auch darauf, dass regelmäßig ein Auge auf die Gärung geworfen wird. "Joachim Rogg ist einer, der früh die Zeichen der Zeit erkannt hat, dass es da eine neue, nicht aus traditionellen Braufamilien stammende Generation von Brauern gibt, die einen kreativen Anspruch hat", meint Zinn. Bevor sie die Möglichkeit zum Abfüllen in Lenzkirch entdeckte, durfte sie ihre damals auf dem eigenen Balkon gebrauten Werke aufgrund des Lebensmittelrechtes nur für den Hausgebrauch nutzen. Heute belegen Emma-Biere wie das "Kuckucksrot" oder das "Zapotopaz" sehr respektable Plätze auf internationalen Bierrating-Listen wie ratebeer.com. Und werden an vielen Stellen zum Verkauf angeboten, in Freiburg etwa in der Bierhandlung (Wannerstraße 3 im Stühlinger) oder in der Craftbeer Lodge (Oberlinden 10).

Hinzu kommen Limonadenmacher aus der Region, die ebenfalls mit Rogg zusammenarbeiten, um kreative Produkte wie das "mawa-mate", ein Getränk aus Tee und Waldmeister, dort abzufüllen. Oder das "Tannenliebe" ein Getränk, in dem Tannenspitzen und Tannenhonig verkocht wird.

"Für mich ist es einfach ein Experiment" Joachim Rogg
Insgesamt kommt Joachim Rogg auf "Lohnabfüllungen" von 3 000 bis 4 000 Hektoliter pro Jahr, die Craft-Beer-Brauer machen davon nur 1 000 Hektoliter aus, ihr Produkt ist aber auch über einen Zeitraum von fünf bis sechs Wochen zu betreuen. So verwundert es nicht, wenn Rogg sagt, dass die Arbeiten für kleine Produzenten mittlerweile 40 Prozent des gesamten Betriebsgeschehens ausmachen. Die kleinen Mengen, die speziellen Rezepte, das alles mache halt mehr Arbeit. "Für mich ist es einfach ein Experiment", sagt Rogg. Und seine Anlage werde so besser genutzt. Auch diesen Geschäftszweig hatte Rogg im Auge, als 2015 ein neues Sudhaus angeschafft wurde.

Wie muss eine Brauerei ausgestattet sein, damit sie mit Craft-Beer-Brauern zusammen arbeiten kann? "Sie muss vor allem klein sein, kleinere Chargen dürfen kein Problem für sie sein." Die Löwenbrauerei in Bräunlingen und Dold in Elzach seien weitere Betriebe, die mit den Craft-Beer-Leuten arbeiten.

16 Vollzeit-Angestellte hat die Rogg-Brauerei mit ihren diversen Nebengeschäften, auch zwei Auszubildende. Der, der vermutlich die unfreundlichsten Arbeitszeiten hat, ist der Chef. "Ich bin ständig für den Betrieb unterwegs", räumt er ein, nachdem wiederholte Versuche, ihn zu erreichen, fehlgeschlagen waren. "Und zur Zeit bin ich jeden Tag am Abfüllen, auch Samstag und Sonntag." Die Fußball-WM, der warmer Sommer. . . Schlimm? Nein, Sorgen mache es ihm nur, wenn das Leergut nicht rechtzeitig zurückkomme, um wieder neue Flaschen abfüllen zu können. "Es gab jetzt schon Situationen, da hatten wir schlicht kein eigenes Leergut mehr."