Kochbücher

Ein Buch über die Philosophie des Kochens

Pascal Cames

Von Pascal Cames

So, 06. Mai 2018 um 00:00 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Philosophie ist eine Praxis", lesen wir in der "Philosophie des Kochens", die ein bisschen mehr auf der Pfanne hat, als nur die Forderung, "saisonal und regional" zu kochen.

Die vielseitige Textsammlung wurde von Stevan Paul herausgegeben, der Koch ist, Schreiber und bestens in der Szene vernetzt. Unter den 19 Autoren sind Journalisten, Philosophen und Leute vom Fach, wie die Basler Köchin Tanja Grandits mit ihrer "Kulinarischen Farbenlehre". Sehr lesenswert ist auch der Bericht von Felix Schneider vom Restaurant Sosein im mittelfränkischen Heroldsberg, der seinen 1,4 Hektar großen Kräutergarten ebenso hegt und pflegt wie sein Netzwerk von 200 Produzenten. "Die Philosophie des Kochens" erklärt dem geneigten Leser, dass der Homo Sapiens nicht nur weise ist, sondern auch schmecken (lat: sapio) kann, sie erläutert, warum das Feuer so wichtig geworden ist, was ein Topf ist – nämlich ein ausgelagerter Magen – oder warum der Mageninhalt eines toten Tieres kulinarisch etwas hergibt. Das Morbide scheint zu faszinieren, aber ob es tatsächlich einen Text über Kannibalismus in Europa braucht, sei dahin gestellt. Sehr spannend ist der Blick über den europäischen Tellerrand. Der freischaffende Philosoph Malte Härtig schreibt über "die Weisheit der Dinge" aus japanischer Sicht, die er in der Akteur-Netzwerk-Theorie wiederfindet. Demnach würden Dinge die Menschen zu bestimmten Handlungen verleiten. So bringe etwa der Fisch Tai eine ganze Kette von Werktätigen dazu, alles zu tun, damit dieser als Delikatesse so frisch wie möglich dorthin kommt, wo er verspeist wird. Ist das wirklich die Absicht des Fischs? Man müsste mal den Fisch fragen. Pascal Cames
Stevan Paul (Herausgeber): Die Philosophie des Kochens, 224 Seiten, Mairisch Verlag, 20 Euro

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