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14. März 2017

Unterm Strich

Ein Gastwirt in Italien gibt Rabatt für Eltern artiger Bambini

Wo die brave Brut belohnt wird

Wann ist ein Gast ein guter Gast? Einer, der zahlt und nicht prellt und sich dabei bitte nicht den ganzen Abend an einem kleinen Mineralwasser festhält. Einer, der lobt statt murrt, auch wenn das ihm Vorgesetzte eine eher traurige Angelegenheit ist. Und selbstverständlich ist es einer, der leise und gesittet kaut und schluckt statt lautstark herumzutoben.

Was Betrunkene und Kinder, die, dies nebenbei, beide ja immer auch die Wahrheit sagen, sehr gerne machen. Vor allem kleine Gäste können Familienausflüge zu zünftigen, wenn auch alkoholfreien Dreckspatz-Partys machen. Entnervte Gäste wissen das. Da wird geplärrt, da wird herumgerannt, da wird "bäh" gesagt, wenn es nicht schmeckt, und da wird wirklich alles in den Mund gesteckt. Dass man mit Speisen nicht spielen sollte? Geschenkt. Denn was geht schon über die Spaghetti-Orgie mit Gleichgesinnten?

Vor allem in Italien – dies dachten wir zumindest, bis uns jetzt die Nachricht aus dem altehrwürdigen Padua erreichte. Ausgerechnet Italien, wo Bambini zu jeder Tages- und Nachtzeit Krawall machen und dies auch noch gutgeheißen wird. In Padua also führt Antonio Ferrari ein – zugegebenermaßen – besseres Restaurant. Als dort eines Abends vier Erwachsene mit sechs Kindern zwischen vier und sechs Jahren einmarschierten, befürchtete der Wirt wohl den Untergang. Doch es geschah ein Wunder. Stundenlang wurde getafelt, die artigen Kinder dachten gar nicht daran, das "Storie Di Cibo E Di Vino" in Schutt und Asche zu legen – und Antonio Ferrari gab spontan fünf Prozent Rabatt, 13,05 Euro auf eine Rechnung von 261 Euro. Was er auch weiter tut, wenn der kleine Gast ein guter Gast ist.

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Doch wann ist ein Wirt, abgesehen vom tadellosen Angebot, auch ein guter Wirt? Einer, der dann noch lächelt, wenn unerzogene Gäste wüten und schlecht erziehende Eltern maulen? Einer, der Spielecken und Kinderstühle hat? Auf jeden Fall ein guter Wirt ist jener Freiburger Italiener (!), der in seiner Pizzeria Kinder bis zu vier Jahren kostenlos speisen lässt.

Autor: dbl