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17. Februar 2017

Brasilien

Ein schwäbischer Auswanderer verkauft am Zuckerhut Currywurst

Ein Leben zwischen Samba und Schweinshaxe: Ein Sindelfinger wandert mit seiner brasilianischen Frau nach Rio de Janeiro aus und serviert mit seinem Catering-Service deutsches Essen. Das kommt gut an. So gut, dass das Paar noch einen deutschen Biergarten eröffnen will.

  1. Simon Jochemczyk (links) bereitet die Currywurst vor, während Nina Lempek sie serviert. Foto: Tobias Käufer

  2. Foto: Tobias Käufer

RIO DE JANEIRO. Ein Leben zwischen Samba und Schweinshaxe: Ein Sindelfinger wandert mit seiner brasilianischen Frau nach Rio de Janeiro aus und serviert mit seinem Catering-Service deutsches Essen. Das kommt gut an. So gut, dass das Paar noch einen deutschen Biergarten eröffnen will.

Für Simon Jochemczyk ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Der 36-Jährige lebt mit seiner brasilianischen Frau Nina Lempek in Rios hippem Stadtviertel Santa Teresa. "Ich bin vor knapp drei Jahren erstmals nach Rio de Janeiro gekommen. Die Stadt hat mich sofort gepackt", sagt der Sindelfinger. Seine Frau lebte selbst viele Jahre im schwäbischen Raum sowie in Berlin. Sie spricht perfekt deutsch.

Jochemczyk und seine Frau betreiben einen Catering-Service und bieten auf Veranstaltungen eigene Spezialitäten an. "Weil wir aus Deutschland kommen, werden wir immer wieder für deutsche Spezialitäten gebucht", erklärt Jochemczyk. "Bei den Olympischen Spielen waren es zum Beispiel Schweinshaxen in einem Biergarten." Ein Teil ihrer Kunden sind Deutsche aus der deutschen Gemeinde Rios. Inzwischen ist aber der Anteil der brasilianischen Abnehmer gestiegen.

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Besonders beliebt sind bei den Brasilianern die deutschen Currywürste. Serviert werden sie nach einem Rezept, das der Koch nicht verraten will. "Die Sauce ist das Geheimnis und deswegen bleibt das Rezept auch geheim". Bei Stadtfesten in ganz Rio bietet das deutsch-brasilianische Paar die Leckereien an. "Gekauft werden sie von deutschen Touristen, aber auch von Brasilianern, die schon einmal in Berlin oder Deutschland waren und deshalb mit der Currywurst vertraut sind."

Jochemczyk fühlt sich mittlerweile im Viertel Santa Teresa vertraut: "Wenn Du schlechte Laune hast, schaust Du dich einmal um und alles ist wieder gut." Künstler, Journalisten und Touristen bevölkern Santa Teresa, jenen Teil der Olympiastadt, der wegen seiner historischen Bausubstanz einen besonderen Charme versprüht. Werbeagenturen und kreative Unternehmen zieht es nun an den Ort, der vor Jahren noch wegen seiner Kriminalität verschrien war. Inzwischen hat sich die Situation nach turbulenten Jahren beruhigt, obwohl im Zuge der schweren innenpolitischen Krise nach Fußballweltmeisterschaft und Olympia auch in Santa Teresa die Kriminalitätsrate wieder anstieg.

Doch trotz Lebensfreude und Sonnenschein: Auch in Rio de Janeiro ist es für einen Neuankömmling nicht immer leicht, Fuß zu fassen: "Natürlich haben wir auch Lehrgeld zahlen müssen. Mal sind Rechnungen nicht beglichen worden, dann wurden Absprachen nicht eingehalten", erinnert sich Simon Jochemczyk. Dann ist da für Unternehmensgründer auch noch der Kampf mit der brasilianischen Bürokratie.

Ein Biergarten für Rio de Janeiro

Für den Sindelfinger hat sich der Sprung nach Brasilien im Großen und Ganzen aber gelohnt: "Wir genießen das Leben hier." Die kulinarischen Spezialitäten aus Deutschland erfreuen sich großer Beliebtheit. Deswegen überlegt der Schwabe, in Rio einen eigenen Biergarten zu eröffnen. Die Suche nach einer passenden Location sei dabei sehr wichtig. Wenn alles gut läuft, soll der deutsche Biergarten noch dieses Jahr seine Tore öffnen.

Trotz der aktuellen Krise, die Brasilien derzeit heimsucht, ist Jochemczyk zuversichtlich: "Rio de Janeiro ist und bleibt ein attraktiver Standort und eine der interessantesten Städte der Welt." Seine Heimat hat er aber trotzdem nicht vergessen: "Am meisten vermisse ich meine Freunde – und einen richtigen Zwiebelrostbraten, den ich nicht selber machen muss."

Autor: Tobias Käufer