Rechtsprechung

Es gibt kein allgemeines Recht auf Grillen

Patrick Stöhrer da Costa

Von Patrick Stöhrer da Costa

Sa, 28. April 2018 um 14:44 Uhr

Haus & Garten

Die Grillsaison beginnt. Die ist regelmäßig ein Auslöser für Streitigkeiten zwischen Nachbarn oder dem Mieter und Vermieter. Wir geben einen Überblick über die rechtlichen Regeln.

Eindeutige Regeln gibt es oft nicht. Wichtig: Zunächst einmal ist Grillen nicht per se verboten. Genauso unbestritten ist allerdings, dass das Recht zu grillen zumindest eingeschränkt werden kann.

Das Landgericht München hat festgestellt, dass es einer Wohnungseigentümergemeinschaft möglich ist, durch Mehrheitsbeschluss ein Grillverbot zu verhängen. Das kann dann dazu führen, dass zwischen Mietvertrag (Grillen erlaubt) und Regelung der Eigentümergemeinschaft (Grillen verboten) ein Widerspruch auftritt.

Gerichte suchen oft nach Kompromissen

Ansonsten haben sich in den vergangenen Jahren sehr viele Gerichte damit auseinandergesetzt, wann und in welchem Umfang Grillen erlaubt ist. Dabei versuchten die Gerichte, einen Kompromiss zwischen den Interessen der Mieter und deren Nachbarn zu finden, ohne eine eindeutige Linie vorzugeben. Meist wird das Recht zum Grillen zeitlich eingeschränkt, aber nicht generell verboten.

Das Landgericht Stuttgart war beispielsweise der Ansicht, dass sechs Stunden pro Jahr auf Balkon oder Terrasse hinnehmbar sind. Das bayerische Oberlandesgericht war der Auffassung, dass fünf Mal im Jahr Grillen im Garten erlaubt seien, wenn der Abstand zum Nachbarn mindestens 25 Meter beträgt. Prinzipiell ist es wohl am besten, sich mit den Nachbarn zu verständigen. Bei gegenseitiger Toleranz dürfte ein Mal Grillen pro Monat für alle Parteien akzeptabel erscheinen.

Patrick Stöhrer da Costa ist Fachanwalt für Mietrecht. Er ist für den Mieterverein Freiburg tätig. Der Mieterbund berät nur Mitglieder.
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