Gaumenschmaus und Rachenputzer

Im Dreikönigscafé in der Wiehre ist sogar das Gemüse politisch

Stephan Elsemann

Von Stephan Elsemann

Mo, 10. September 2018 um 10:00 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Weniger Zucker, bio, Dinkelmehl, alles hausgemacht und unabhängig von Konzernen – das ist das Credo von Josef Kleine-König, der als Gemüsebauer seit einigen Monaten auch ein Café betreibt.

Vor einigen Monaten nahm das Dreikönigscafé mitten im beliebten Freiburger Wohnviertel Wiehre seinen Betrieb auf. Josef Kleine-König, als Bio-Gemüsebauer seit vielen Jahren eine feste Größe auf dem Wiehre- und Vauban-Markt, dürfte unter den vielen Junggastronomen Freiburgs der Spätestberufene sein.

Das Gemüse hat auch im neuen Café seinen Platz, zu kleinen Gerichten verarbeitet, und auch im Verkauf – vor allem dienstag- und freitagnachmittags. Ein Stück Kontinuität ist dies, denn Kleine-König hat die Räume des langjährigen, immer noch vermissten Lebensmittelgeschäfts Hofmeister übernommen.

Für Kleine-König sind Gemüseanbau und Cafébetrieb – man staune – vor allem politische Arbeit. Im Cafébetrieb heißt das, in Kurzfassung: weniger Zucker, bio, Dinkelmehl, alles hausgemacht und unabhängig von Konzernen, auch solchen wie Alnatura.

An Widerspruchsgeist lässt sich der Wirt von niemandem überbieten und es scheint so, als habe der badische Freiheitskämpfer Max Dortu, dessen Grabmal sich schräg gegenüber auf dem Spielplatz befindet, mit ihm einen neuen Bundesgenossen gefunden. Der politisierte Apfelkuchen lässt sich aber durchaus genießen, genau wie Quiche, Gemüsesuppe, hausgemachte Limonade und mehr – begleitet von geistigem Rüstzeug aus dem reichhaltigen Zeitungsangebot. Der Wirt rät dringend zur Lektüre von Le Monde diplomatique .

Eigenwillig schön ist der Raum geworden, großzügig und hell, mit Licht von zwei Seiten besitzt er das Zeug zum Wiener Kaffeehaus. Renovierung und Gestaltung stammen, kaum überraschend, von Kleine-König selbst. Die Zwischendecke entfernte er und entwarf die Decke neu mit Gewölben in den Grundrissen der darüber liegenden Zimmer. Ganze Arbeit wurde auch beim Boden geleistet, der mit rosa Granitplatten belegt wurde, die "Kraftlinien" abbilden, denn bei aller Politik – ganz ohne Esoterik geht es nicht. Doch das Gesamtwerk wurde noch nicht vollendet. Eine Markise fehlt noch und sie wird gebraucht, denn großzügige, sonnenverwöhnte Außenterrassen wie am Dreikönigscafé sind in Freiburgs Wohnvierteln rar gesät.

Stephan Elsemann
Dreikönigscafé, Erwinstraße 39, Freiburg, http://www.biogaertnerei-kleinekoenig.de Geöffnet Dienstag bis Freitag 8 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 8 bis 16 Uhr. Gemüseverkauf dienstag- und freitagnachmittags. Gelegentlich gibt es Konzerte.