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14. August 2017 17:54 Uhr

Gastronomie

Hotel Zur Flüh in Bad Säckingen schließt sein Restaurant

Der Gastronomiebranche in Bad Säckingen steht eine gewichtige Veränderung bevor: Eines der renommiertesten Restaurants der Stadt stellt nach knapp 50 Jahren seinen Betrieb ein.

  1. Mit einem weinenden Auge sehen Rosemarie Schmidt, Alfred Adler sowie Sabine und Christian Willms (von links) den Veränderungen beim Hotel Zur Flüh entgegen. Foto: Hrvoje Miloslavic

  2. Foto: Hrvoje Miloslavic

Weiterführen wollen Inhaber Alfred Adler und Lebensgefährtin Rosemarie Schmidt den Hotelbetrieb. Geschuldet ist diese Änderung der Betriebskonzeption vor allem der immer prekärer sich gestaltenden Personalsituation der Gastronomie- und Hotelbranche in der Region.

Leicht haben sich Alfred Adler, Rosemarie Schmidt, Tochter Sabine Willms und Ehemann Christian Willms die Entscheidung nicht gemacht. "Da hängt natürlich sehr das Herz dran", brachte es der inzwischen 73-jährige Alfred Adler im von viel Wehmut geprägten Pressegespräch am Montag auf den Punkt. Sie erinnere sich noch gut daran, wie sie nach der Schule im Restaurant mit der Belegschaft ihre Hausaufgaben gemacht habe, ergänzt Sabine Willms: "Ich bin hier sozusagen aufgewachsen."

Die letzte Bestellung wird am Sonntag, den 27. August, aufgenommen

Gebaut und eröffnet wurde das Hotel und Restaurant Zur Flüh von Maria und Franz Adler im Jahre 1969. Sohn Alfred stieg 1972 in das Unternehmen ein. Nach zwei Erweiterungen um 16 Zimmer sowie Schwimmbad und Sauna in den Jahren 1972 und 1977 nahm Sohn Alfred 1979 das Zepter in die Hand. Nun soll aber Schluss sein – zumindest mit dem Restaurant. Am Sonntag, 27. August kann zum letzten Mal eine Bestellung aufgegeben werden.

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Trotz Gegensteuerungsmaßnahmen ist es nicht gelungen, den Restaurantbetrieb zu erhalten. Um der angespannten Personalsituation zu begegnen, stand seit zwei Jahren immer wieder auch die in München lebende Tochter Sabine mit Schwiegersohn Christian Willms dem Flüh-Chef zur Seite. Angedacht waren bereits die Einrichtung von Betriebsferien sowie der Verzicht auf eine Mittagskarte.

"Der Fachkräftemangel erschlägt uns", klagt Sabine Willms im Gespräch mit der Presse. Nach der Pensionierung des altgedienten Küchenmeisters Kurt Dettling sei es zwar gelungen, die langjährige Nummer Zwei, Armas Fichte, zum Küchenmeister zu befördern. Der Bedarf an vier Köchen hätte aber nicht erfüllt werden können, erklärt Sabine Willms. Von persönlichen Differenzen mit dem Personal könne keine Rede sein, versichert sie. Kündigungen seien aus persönlichen Gründen erfolgt. Gerade tüchtiges Personal wolle sich aber weiterentwickeln und "in die Welt hinaus".

Starke Konkurrenz durch die Schweiz

Wir sind eben doch kein klassischer Familienbetrieb, gab Christian Willms zu bedenken. Betreiber ausländischer Gastronomiebetriebe täten sich da oftmals leichter. Zu bedenken sei außerdem die starke Konkurrenz durch die Schweiz.

Auch das Essverhalten der Menschen habe sich geändert, ergänzt Sabine Willms. Der Aufwand für die deutsche, gutbürgerliche Küche sei wesentlich arbeits- und kostenintensiver als die von jungen Menschen heute bevorzugte schnelllebige Küche. An Fähigkeiten oder Motivation sei es nicht gescheitert, so Sabine Willms klar: "Die äußeren Umstände haben es einfach nicht mehr zugelassen." Allzu viel Wehmut scheint aber unangebracht zu sein. Ganz Schluss soll nicht sein: "Das Hotel Zur Flüh bleibt erhalten", stellt Sabine Willms klar. Mit einer Kapazität von 37 Zimmern werden Alfred Adler und Rosemarie Schmidt den Hotelbetrieb mit Frühstücksmöglichkeit aufrechterhalten. Weiterbeschäftigt werden die langjährige Rezeptionistin Barbara Heitzmann, drei Kräfte für den Zimmerservice sowie – nach Bedarf – mehrere geringfügig beschäftigte Arbeitskräfte.

Einen Vorteil hat die Konzeptionsanpassung womöglich: Ihr Vater hätte mit 73 Jahren schon längst das Rentenalter erreicht, und er hat es sich verdient, etwas kürzer zu treten, so Sabine Willms.

Autor: milo