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07. März 2017 11:37 Uhr

Titisee-Neustadt

Ins alte Postengebäude ist ein neues Café eingezogen

K wie Kaffee, K wie Kultur. Daraus wird Kaffee-Kultur, die zu pflegen Christian Franz’ Ziel ist. Er hat in Titisee ein Kaffeehaus eröffnet. Der Ort ist so ungewöhnlich wie der Name.

  1. Christian Franz vor dem Röstgerät im Räuber Kaffee vor Foto: Peter Stellmach

Denn die 25 Plätze finden sich im Erdgeschoss des ehemaligen Polizeipostens, der so nach jahrelangem Leerstand wieder eine Nutzung erfährt. Wer je hier war, ob als braver Bürger oder als – nun ja, Sie wissen schon, der wird die Räume sofort wiedererkennen.

All zu viel verändern wollte Franz nicht. Der Windfang, das Podest, der Parkettboden und Holztäfelung an den Wänden geben das Ambiente, das mannshohe Kaffeeröstgerät tut das Seine dazu. Neu sind die Theke, von der aus die Gäste bedient werden, und eine große, schwarze, Wand, auf der mit Kreide das Angebot geschrieben steht.

Auch der Name erinnert an die Vergangenheit: Kaffee Räuber, genau so geschrieben, nimmt den Bezug auf. Einer der Handwerker hatte Franz spontan Kaffee Bullerei vorgeschlagen. Aber ihm gefiel die Sprachspielerei mit dem Räuber besser. Zumal, da sein eigener Bart dazu passt, wie er augenzwinkernd sagt. Und weil er mit dem Räuber schlechthin, nämlich Hotzenplotz, gewissermaßen ein Vorbild hat – der hatte es ja immer auf Großmutters Kaffeemühle abgesehen.

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Dieser Zusammenhang mag manche Leser/in zum Schmunzeln bringen. Er ist aber gar nicht so weit hergeholt. Denn Franz legt Wert darauf, das Kaffeetrinken zu zelebrieren, und dazu gehört, siehe Hotzenplotz, dass Kaffeebohnen frisch gemahlen werden.

Kaffee trinken zelebrieren, das war ein Ausgangspunkt für seine Geschäftsidee. Denn, so fragt er, "wo kann man denn noch Kaffee trinken gehen außer beim Bäcker" oder – Stichwort Coffee to go – vom Bäcker? Er kennt noch die Zeit, da man sich als Familie ins Kaffeehaus Butsch in Neustadt begab und sich Zeit nahm. Vorbei, aus dem "Butsch" gähnen seit Jahren leere Fenster zur Hauptstraße hinaus.

Nicht zuletzt kann der 34-jährige Volkswirt und Waldeck-Hotelier, der dort seit sieben Jahren allein Regie führt, im Kaffee Räuber seine persönliche Leidenschaft ausleben. Er ist ausgebildeter Barista gemäß den Standards der Specialty Coffee Association Europe (SCAE) mit einer fachlichen Grundlage, mit der er sich als Geselle bezeichnen würde. Dazu gehört ein umfassendes Wissen über Kaffee und die Kaffeezubereitung ebenso wie das Können, Kaffeecocktails zu mixen oder Kaffee mittels Crema aufwendig zu dekorieren (Latte-Art).

"Wo kann man denn noch Kaffee trinken außer beim Bäcker?"Christian Franz
Aufgesetzt hat er inzwischen auch die Ausbildung zum Kaffee-Sommelier an der Kaffeeschule Hannover, der, ähnlich beim Wein, Kaffees an Aussehen und Farbe und dem Aroma identifizieren und in Herkunft und Röstung zuordnen kann. Er sieht und riecht und kann benennen, was man trinkt. Kaffee ist nicht Kaffee, ist die Erkenntnis vom Besuch beim Experten. Tausende davon gibt’s, 20 sind gängig.

Ist das Kaffee Räuber bisher nur von Freitag bis Montag jeweils von 11 bis 16 Uhr geöffnet, plant Franz für Sommer eine Ausweitung. Er hat außerdem vor, Verkostungen, Kurse und Seminare anzubieten. Dies zwar gern auch für Kollegen und Kolleginnen aus der Gastronomie und Hotellerie. Vor allem aber für Gäste und Kunden, die mehr über das Kaffeetrinken erfahren möchte. Es gehe darum, "was brauche ich, was kaufe ich". Es sei "viel Halbwissen" unterwegs, ist Franz’ Erfahrung. Dem will er abhelfen. Kein Gast soll sich scheuen, ihm Fragen zu stellen, zu Bohnen und dem Unterschied zwischen Arabica und Robusta, zu Brühverfahren (Maschine und welche oder Handfilter), Aroma, Koffein, Säure, und und und.

Das Kaffee Räuber hat, wenn man so will, eine Komplizin. Franz arbeitet mit Andrea Jauch zusammen, die in Freiburg die Rösterei Schwarzwild betreibt. Von ihr bekommt er seinen Kaffee geliefert. Sie wiederum bezieht einen Teil ihres Angebots direkt von Erzeugern.

Eine der Fragen, die auch bei diesem Besuch im Kaffee Räuber aufkommt: Welche Maschine ist denn nun die richtige, die beste? Franz kennt sie, die klangvollen Namen, Preise wie Vor- und Nachteile. Er sagt aber auch, dass letztlich die Maschine nur die Maschine ist. Wichtig ist, was hineinkommt.

Christian Franz schwört übrigens auf Filterkaffee. Und zelebriert die Zubereitung. Man schmeckt es.

Autor: Peter Stellmach