Franz Keller

NACHSCHLAG: Leser brauchen gute Nerven

Pascal Cames

Von Pascal Cames

So, 24. Juni 2018

Gastronomie

Alte Männer, zornige Männer. Der aus Vogtsburg-Oberbergen stammende Franz Keller Junior (Jahrgang 1950) ist in den besten Jahren und sagt, was er denkt. Seine Autobiografie schrammt nur knapp an einer Suada vorbei. Wie ein Metzger, der sein Handwerk versteht, zerlegt der ehemalige Koch und heutige Landwirt Franz Keller affige Moden, die angebliche Bio-Lüge und unsere Landwirtschaftspolitik. Delikatessen gibt’s kaum, dafür stinkt’s bös zum Himmel. "Warum ist selbst eine Partei wie die Grünen nicht in der Lage, einen ökologischen Masterplan aufzustellen?", klagt er an. Der Leser braucht gute Nerven, wenn er von Industrie-Kalbfleisch und Hybridschweinen liest und davon, wie den Kühen mit Hilfe von vorgegartem Mais als Futter das Wiederkäuen abgewöhnt wurde. Wie und warum wurde ein "angesehener Sternekoch" (Witzigmann) zum kompromisslosen Rinderzüchter und Kämpfer? Das ist die spannende Story in diesem sauber und mit Schwung geschriebenen Buch. Franz Keller berichtet, wie es damals in Oberbergen zuging, als man die Trauben ein zweites Mal presste, um einen sauren Hauswein zu bekommen, und er erzählt, wie der Schwarze Adler dank Amouren französischer Herrschaften zu etwas Besonderem wurde und seine Mutter Irma zu Deutschlands erster Sterneköchin. Das Verhältnis zum eifersüchtigen Vater wird aufgerollt und französische Abenteuer werden erzählt. Diese Schnurren sorgen für Heiterkeit. Franz Keller schrieb in Deutschland Geschichte, weil er als Erster Sterne-Restaurant und preiswertes Bistro gleichzeitig betrieb und bei Max Grundig auf der Bühler Höhe zum bestbezahlten Koch bundesweit wurde. Der Milliardär schasste ihn dann, weil er ihm "Sodbrennen" bereitete, aber nicht als Koch, sondern weil Keller schon damals Klartext sprach. "Vom Einfachen das Beste" ist ein lehrreiches und ein unterhaltsames Buch von einem, der dabei war. Keller hat bereits viele Leser gewonnen, aber er will alle gewinnen, denn sein Ziel ist eine Landwirtschaftswende. Dafür muss sich nicht nur bei denen etwas ändern, die "im starken Lobby-Filz gefangen sind", sondern bei uns allen. Franz Keller gibt dem Leser ein paar schöne Rezepte – etwa für Linsensuppe und Bratkartoffeln – mit und lässt das Buch optimistisch ausklingen. "Also ab in die Küche..." Pascal Cames
Franz Keller "Vom Einfachen das Beste", Westend Verlag, 256 Seiten, 24 Euro

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