Ski- und Wanderheim

Neue Herbergseltern für das Berghäusle im Hochschwarzwald

Susanne Gilg

Von Susanne Gilg

Mi, 29. November 2017 um 17:37 Uhr

Titisee-Neustadt

Die bisherigen Betreiber des Berghäusles zieht es zurück in die Großstadt Köln, die Neuen kommen vom Land – und es zieht sie noch weiter aufs Land. Ab Januar übernehmen Petra und Michael Antczak aus Lichtenwald im Kreis Esslingen.

"Am Berg 2" liegt Schnee. "Winterzauberland! Warme Sachen anziehen, dicke Schuhe und raus!" haben Sabine Huckenbeck und Bendedikt Decker auf der Facebookseite des Berghäusles gepostet, das sie Anfang 2014 als Herbergseltern übernommen haben. Für die beiden Kölner ist es der letzte Schnee im Hochschwarzwald, der letzte Winter "Am Berg 2" – so lautet die Adresse des Ski- und Wanderheims, das der Ortsgruppe Freiburg des Schwarzwaldvereins gehört.

Heimweh nach Köln

Nach vier Jahren zieht es sie zurück in die Stadt am Rhein: "Ich habe einfach Heimweh nach Köln", sagt Sabine Huckenbeck. "So sehr ich die Ruhe und die Einsamkeit hier genieße – ich habe in dieser Zeit doch auch gemerkt, dass ich die Stadt vermisse." Sie hatten wenig Zeit, Freundschaften aufzubauen. "Denn wir haben hier ja meistens an den Tagen gearbeitet, an denen andere etwas mit ihrem Freundeskreis unternehmen", fügt sie hinzu.
"Wir haben das hier mit Leib und Seele gemacht."Sabine Huckenbeck
Bis einschließlich zum zweiten Weihnachtsfeiertag haben sie für Gäste geöffnet, feiern zum Abschied noch Silvester mit Freunden im Berghäusle und dann packen sie ihre Sachen, fahren wieder in die alte Heimat. "Wir haben das hier supergerne und mit Leib und Seele gemacht – aber es ist eben doch das Heimweh", sagt Sabine Huckenbeck. Was sie in Köln beruflich machen werden, ist noch offen. "Keine Gastronomie mehr", sagt Benedikt Decker schmunzelnd.

Lust auf Gastronomie und Landleben

Richtig Lust auf Gastronomie und aufs Landleben direkt am Westweg haben dagegen Petra und Michael Antczak aus Lichtenwald im Landkreis Esslingen. Die neuen Herbergseltern übernehmen das Berghäusle ab Januar. Die Vorfreude ist den beiden anzusehen, als sie sich Ende Oktober ein Bild von ihrem neuen Lebensmittelpunkt machen, von der großen Terrasse ihren Blick über die Baumwipfel schweifen lassen.

"Wir sind total motiviert, hier was Tolles auf die Beine zu stellen." Petra und Michael Antczak
"Wir haben schon länger überlegt, was anderes zu machen", sagen die gelernte Krankenschwester, die derzeit noch als Altenpflegerin arbeitet, und der Fertigungsmeister. An eine Bar oder eine Kneipe hatten sie zuerst gedacht, den Gedanken aber schnell wieder verworfen – bis sie entdeckt haben, dass der Schwarzwaldverein fürs Berghäusle neue Herbergseltern sucht.

"Wir sind total motiviert, hier was Tolles auf die Beine zu stellen – wir wollen Touristen und Einheimische zufrieden machen", sagt Petra Antczak. "Das hier ist schon ein bisschen ein Ausstieg, auf den wir aber ganz große Lust haben", fügt ihr Mann Michael hinzu.

Der 49-Jährige war zuletzt arbeitslos, da in der Produktion der Zuliefererfirma, für die er lange gearbeitet hatte, die Führungskräfte reduziert worden waren. "Da habe ich gesagt: Jetzt ist es soweit, wir machen das." Seine fünf Jahre jüngere Frau war gleich begeistert von der Idee. "Wir sind es ohnehin durch unsere vorherigen Jobs gewohnt, an den Wochenenden zu arbeiten."

Paar kennt den Hochschwarzwald

Und Michael Antczaks Eltern hatten 25 Jahre lang ein Restaurant. "Wir wissen, worauf wir uns einlassen", sagen beide. Auf den Schnee, der sich jetzt über den "Berg 2" gelegt hat, freuen sich beide: "Das ist einfach traumhaft hier – und Autofahren im Schnee, das sind wir beide gewohnt – auch zu den Zeiten, in denen der Räumdienst noch nicht unterwegs war."

Auch der Hochschwarzwald ist für das Ehepaar, das gerne wandert, in der Natur ist und in Thermen geht, kein unbekanntes Terrain, denn Petra Antczaks Mutter und ihr Stiefvater leben in Freiburg. "Daher kennen wir die Region hier gut."

Die erwachsenen Kinder bleiben in Lichtenwald

Ihre drei erwachsenen Kinder bleiben in Lichtenwald. Die 23 Jahre alten Zwillinge und die 18-jährige Tochter finden es toll, was die Eltern jetzt machen. "Unser Sohn studiert Kommunikationsdesign und hat die Speisekarte entworfen", verrät Petra Antczak, die sich über die Unterstützung ihrer Kinder freut. "Wir bekommen von allen Seiten Unterstützung – vor allem auch vom Schwarzwaldverein", ergänzt die 44-Jährige.

Füllen wollen die neuen Herbergseltern die Speisekarte vor allem mit regionalen Produkten, mit selbstgebackenem Brot und Kuchen. Sie wollen nicht zu viel auffahren, heimelig und rustikal soll es werden. "Da wir leidenschaftlich gerne Kaffee trinken, werden wir eine gute Kaffeemaschine anschaffen", berichten sie schmunzelnd.

Jetzt bereiten sie sich vor auf ihren neuen Lebensabschnitt, Behördengänge, Gespräche mit Lieferanten stehen auf der Tagesordnung. Sie planen einen Ruhetag und längere Öffnungszeiten. Im Januar stehen Renovierungsarbeiten an, die Eröffnung planen sie auf Ende Januar. Bis dahin freuen sie sich auf ihr Winterzauberland "Am Berg 2".
Aktuelle Infos zum Berghäusle und Öffnungszeiten unter http://www.schwarzwald-berghaeusle.de oder
http://www.facebook.com/berghaeusle