Badischer Weinbauverband

Norbert Weber erhält die Blankenhorn-Medaille

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

So, 19. November 2017

Wirtschaft

Der Sonntag Es ist eine Ehre, die mit ihm derzeit nur vier lebenden Personen teilen: Am 27. November erhält der Bischoffinger Norbert Weber, 20 Jahre lang Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, die Adolph-Blankenhorn-Medaille.

Es ist eine Ehre, die mit ihm derzeit nur vier lebenden Personen teilen: Am 27. November erhält der Bischoffinger Norbert Weber, 20 Jahre lang Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, die Adolph-Blankenhorn-Medaille.

"Uns verbindet, dass wir Brückenbauer von der Wissenschaft zur Praxis sind", sagt Weber über sich und Blankenhorn, den Namensgeber der Auszeichnung des Badischen Weinbauverbands – den Mann, der als Pionier des Deutschen Weinbaus und Erneuerer der Kellerwirtschaft gilt. Da ist auf der einen Seite Blankenhorn, Mitgründer und erster Präsident des Deutschen Weinbauvereins. Ein Wissenschaftler, der sich auch um die Umsetzung seiner Erkenntnisse in der Praxis kümmerte. "Ich bin umgekehrt der Praktiker, der sich stets dafür interessiert, wo die Wissenschaft mir weiterhelfen kann", sagt Weber.

In seinem Zuhause am Ortsrand des Kaiserstuhlörtchens Bischoffingen hat Weber den Mann von der Zeitung empfangen. Seit diesem Jahr ist er nicht mehr Präsident, auch den eigenen Betrieb, zu dem heute noch sieben Hektar Reben und ein bisschen Obst für eine Brennerei gehören, hat er in die Hände von Tochter und Schwiegersohn gelegt.

Webers Weg in höchste Funktionärsgremien war gewissermaßen weit vor seiner Geburt vorgezeichnet. "Schon mein Großvater mütterlicherseits leitete die erste Flurbereinigung Oberrotweils ein, eine Maßnahme, die heute noch Bestand hat", erzählt er. Der Vater war dann Bürgermeister in Bischoffingen. Bis zur Eingliederung nach Oberrotweil im Zuge der Gemeindereform, eine Maßnahme, gegen die sich Webers erst in diesem Jahr 94-jährig gestorbener Vater noch massiv gewehrt hatte.

Dass Weber ein Mann ist, der in Gremien die Verantwortung sucht, war auch früh erkennbar. In der Landjugend, in der er erst Orts-, später Kreis- und schließlich Bundesvorsitzender war. In Vogtsburg saß er im Gemeinderat. Bevor er 1997 "als erster Genossenschaftler und nicht einem Weingut entstammender Winzer" Präsident des Deutschen Weinbauverbandes wurde, stand er sieben Jahre lang dem Badischen Verband vor.

Wo liegen die Wurzeln für die Lust am gesellschaftlichen Engagement? "Eine Rolle hat bei mir sicher ein Berufsschullehrer gespielt, der Wert darauf legte, dass seine Schüler die freie Rede beherrschen, dass sie sich darstellen und zu Sachthemen referieren können", erzählt Weber. Und dann seien die 1970er-Jahre, die Zeit, in denen er seine ersten Ämter übernahm, eben eine Aufbruchzeit gewesen, eine Zeit, in der seine Generation sich in Ämtern aktiv einmischen wollte.

Die Präsidentschaft im Deutschen Weinbauverband ist ein Ehrenamt. Der Sitz der Organisation ist in Bonn, in der Bannmeile des ehemaligen Bundestages, wo heute noch die Weinbaufachleute des Landwirtschaftsministeriums sitzen. Und die Termine eines Präsidenten sind häufig in der Pfalz, in der zwei Drittel der deutschen Rebfläche liegen. Für Weber bedeutete das zahlreiche Kurzreisen, oft auch nach Berlin oder Brüssel. "Alle Maschinenarbeiten im Winzerbetrieb in Bischoffingen habe ich auch in der Zeit als Präsident weitergemacht, als Hilfskräfte haben wir seit 1986 die gleiche polnische Familie", erzählt Weber.

Was hat er erreicht als Präsident, welche Themen galt es in seiner langen Amtszeit zu beackern? Da galt es sich zunächst einmal gegen die Anliegen in anderen Länder zu wehren, auf großen Flächen möglichst billigen Wein herzustellen. Und das Marketing bekam zunehmend Bedeutung, zumal das Ansehen des deutschen Weins nach Einschätzung von Weber darunter gelitten hatte, dass es in den 70er und 80er Jahren auch hier eine Zeit gab, in der eine hohe Produktionsmenge zu wichtig genommen wurde. Auf unterschiedliche Zielgruppen individuell zugehen, das sei ihm wichtig gewesen. Und zuletzt brachte Weber eine EU-Reform des Bezeichnungsrechts eine Menge Arbeit.

Drei Kanzler hat Norbert Weber als Präsident erlebt: Helmut Kohl, der nur süßen Wein gemocht habe, Gerhard Schröder, der von seiner Liebe zum italienischen Roten nicht abzubringen war, aber gemerkt hat, dass sich beim deutschen Wein etwas tut, und nun Angela Merkel. Weber war aktiv in einer Zeit, in der dem Most Wasser entzogen wurde, um den Zuckergehalt zu erhöhen. Und erlebt nun, wie mit der Klimaerwärmung den Weinen das Schicksal droht, zu alkoholreich zu werden. Und die Idee existiert, Blätter oberhalb der Reben zu entfernen, um die Reife zu verzögern.

"Andere haben aufgeholt", sagt Weber, auf seine Heimatregion angesprochen. "In Gebieten wie der Pfalz sind viele junge Winzer mit wissenschaftlicher Ausbildung und Auslandserfahrungen unterwegs." Da gelte es, am Ball zu bleiben. Gerade auch für die Genossenschaften bleibt es eine wichtige Aufgabe, für eine gute Ausbildung und Fachkenntnis ihrer Winzer zu sorgen.