Sensible Kraftpakete

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

So, 05. August 2018

Gastronomie

Der Sonntag Stachelbeeren sind erfrischend und gesund und finden immer mehr Liebhaber.

Saure Frucht in harter Schale? Das war einmal. Inzwischen werden vor allem Stachelbeeren mit süßerem Fruchtfleisch und dünnerer Schale angebaut. Seither finden die erfrischenden Früchte immer mehr Fans, die ihre säuerliche Süße sehr zu schätzen wissen.

"Komische Beere – schmeckt die denn?" Interessiert-misstrauisch beugen sich die Touristen über eine Schale mit Stachelbeeren. "In anderen Ländern", sagt Angelika Schätzle vom Obsthof Schätzle in Waldkirch, "ist die Stachelbeere nicht so populär wie bei uns, daher probieren Touristen die gern." Das Fazit der Beerennascher am Schätzle-Stand auf dem Freiburger Münstermarkt fällt fast immer positiv aus: Die dunkelrote, länglich-runde Beere schmeckt süß-säuerlich und – ein großes Plus in diesen Tagen – sehr erfrischend.

Stachelbeeren sind ein Liebhaberprodukt. Von den Verkaufswerten, die Erdbeeren und Himbeeren erreichen, können Stachelbeeranbauer nur träumen. Doch seit einigen Jahren steigt die Zahl der Liebhaber. Rund 83 000 Tonnen Stachelbeeren werden jährlich in Deutschland produziert, das ist fast die Hälfte der weltweiten Ernte. Vor allem rund um Hamburg, in Niedersachen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg stehen die Sträucher.

Den Aufschwung hat die Beere auch neuen Sorten zu verdanken. Grob gesagt gibt es grüne, gelbe und rote, weltweit werden rund 500 verschiedene Sorten angebaut. Besonders die Briten schätzen ihre "Gooseberry" in diversen Variationen. Bis in die 1990er Jahre hinein wuchsen in deutschen Gärten meist grüne Sorten mit einer harten Schale und eher säuerlichen Früchten an dornigen Sträuchern – da haben nur echte Fans Beere um Beere gepflückt. Heute sind Stachelbeeren mit einer dünneren Schale und süßerem Fruchtfleisch beliebt. "Wir bauen ausschließlich die Sorte Achilles an", sagt Angelika Schätzle, "die Beeren werden, wenn man sie wie jetzt lange reifen lässt, schön rot und sehr süß."

In unseren Breitengraden wird die aus Nordafrika und Eurasien stammende Beere seit dem 16. Jahrhundert gern in Gärten gesetzt, ihr Strauch ist nämlich multifunktional: Er bringt nicht nur leckere Früchte hervor, sondern hält auch unliebsame Besucher fern – die Stachelbeere fungiert dank ihrer Dornen als ein probater Heckenersatz.

Im Kosmos der einheimischen Beeren hat die Stachelbeere obwohl sie säuerlich schmeckt gleich nach der Traube den zweithöchsten Zuckergehalt. Sie ist dennoch eine sehr gesunde Kost und muss bei keiner Diät vom Speiseplan gestrichen werden: 100 Gramm enthalten gerade einmal 40 Kilokalorien. Der hohe Anteil an Apfel- und Zitronensäure regt die Produktion der Verdauungssäfte an, wer Stachelbeeren isst, bringt also seinen Darm auf Trab und hat mehr Appetit. Jede Menge Kalzium, Kalium und Phosphor sowie Vitamin C und B-Vitamine machen die Beere mit den kleinen Kernen zu einem echten Nährstoffpaket.

Diese Kerne enthalten übrigens wichtige Schleimstoffe, über die sich ebenfalls der Darm freut, sie können problemlos mitgegessen werden. Das in großer Menge in den Beeren enthaltene Pektin schützt darüber hinaus die Schleimhaut des Darms. Dieser pflanzliche Vielfachzucker ist zudem ein hervorragendes Binde- und Geliermittel. Stachelbeeren eignen sich daher nicht nur für pure Gelees und Marmeladen, sondern können in Sachen Konfitüreherstellung prima mit pektinarmen Früchten wie Erdbeeren kombiniert werden. Gut für Haare und Nägel ist die ordentliche Portion Silizium, die in jeder Beere steckt.

Beim Einkauf sollte man darauf achten, dass die Beeren prall sind. Reife Stachelbeeren sind ziemliche Sensibelchen und schnell nach der Ernte hinüber. Rasches Verarbeiten tut also Not. Bis dahin überstehen sie ungewaschen ein, zwei Tage im Kühlschrank. Wer unreife Früchte kauft, um zum Beispiel Kompott oder Saft daraus zu machen, kann sich mehr Zeit lassen, bis zu drei Wochen halten die Beeren dann. Stachelbeeren machen auf Kuchen – unbedingt mal eine Tarte probieren! – und als Kompott eine gute Figur.