Gastronomie

Warum manchen Straußenbetreiber auf die Konzession verzichten

Viola Vetter

Von Viola Vetter

Mo, 07. Mai 2018 um 17:41 Uhr

Gastronomie

Einmal mit, einmal ohne Konzession: Die Familien Hug und Hunn betreiben in Pfaffenweiler beziehungsweise in Gottenheim Straußenwirtschaften

Die Vögel zwitschern, Blumen und Sträucher blühen, die Sonne lässt sich wieder öfter blicken. All dies kündigt nicht nur die warme Jahreszeit, sondern auch die damit einhergehende Strauße-Saison an. Doch warum haben einige Straußenwirtschaften mehr Sitzplätze als andere oder dürfen Bier ausschenken? Die Straußenwirtschaft Zur Alten Küferei des Weinguts Hug in Pfaffenweiler und die Hunne-Strauße des Weinguts Hunn in Gottenheim stehen stellvertretend für die Unterschiede – die eine besitzt eine Gaststättenkonzession, die andere nicht.

1989 baute der Wein und Küfermeister Pius Hug die alte Küfer-Werkstatt in Pfaffenweiler zur Straußenwirtschaft um. Aus alten Fässern und Bottichen wurden Tische und Bänke, die teilweise heute noch in der Alten Küferei stehen. Heute kümmert sich sein Sohn Mario Hug zusammen mit seiner Frau Manuela Hug um den Betrieb. "Die Grundidee, unseren Wein in einer Straußi den Leuten schmackhaft zu machen und zu vermarkten, kam von meiner Mutter", erzählt Mario Hug. Vor einigen Jahren erwarben die Hugs eine Gaststättenkonzession, um Diskussionen und Probleme mit dem Gaststättenverband zu vermeiden. "Diese Konzession erlaubt uns, die Straußenwirtschaft über das ganze Jahr zu öffnen, mehr als nur 40 Sitzplätze anzubieten und Weinproben in der Straußi zu veranstalten. Außerdem haben wir mehr Freiheiten über das Angebot an Speisen und Getränken", sagt Mario Hug.

"Trotzdem haben wir, wie die traditionellen Straußenwirtschaften, nur im Frühling und Herbst geöffnet und schenken beispielsweise kein Bier aus. Wir bieten einfache, traditionelle, vor allem lokale Speisen und straußentypische Getränke an. Uns war es wichtig, trotz der Konzession den Charakter einer Straußenwirtschaft zu erhalten", erklärt Manuela Hug. Besucht wird die Straußi in Pfaffenweiler von Leuten aus dem Dorf, der näheren Umgebung und aus Freiburg sowie von Kunden, die den Wein des Familienweinguts kaufen und über ganz Deutschland verteilt sind. Geöffnet hat ist dieses Jahr vom 23. März bis 3. Juni sowie vom 5. September bis 4. November.

Seit 1983 gibt es in Gottenheim die Hunne-Strauße. "Unsere Strauße ist nicht nur besonders, weil sie eine der ältesten der Umgebung ist, sondern auch, weil wir eine der wenigen Straußenwirtschaften in der Umgebung ohne Gaststättenkonzession sind und ausschließlich im Sommer – dieses Jahr vom 8. Juni bis zum 1. September – geöffnet haben", erklärt Martina Hunn, eine ehemalige Badische Weinkönigin. Sie und ihr Mann Kilian Hunn sind Winzer und betreiben die Straußenwirtschaft. "Die Öffnungszeiten im Sommer bieten sich an, da die Leute bei schönem Wetter draußen im Hof sitzen können, außerdem kommen uns viele Touristen besuchen. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir uns im Frühling und Herbst voll auf unser Weingut konzentrieren können", sagt Martina Hunn. Die Hunne-Strauße unterscheidet sich nicht nur in den Öffnungszeiten von anderen Straußenwirtschaften, auch ihre Speisekarte ist etwas anders: "Wir bieten hier weder Flammenkuchen noch Wurstsalat oder Brägele an. Dafür stehen bei uns zum Beispiel unsere Spezialität Schäufele mit Kartoffelsalat oder der Sylter Matjes mit Kartoffeln, auf der Speisekarte", sagt Hunn. Der Matjes wird wöchentlich von Sylt, wo ehemalige Gottenheimer einen Fischgroßhandel eröffnet haben, zur Hunne-Strauße geliefert.

Für eine Straußenwirtschaft ohne Gaststättenkonzession gilt: "Wir dürfen nur genau 40 Sitzplätze anbieten, nicht länger als vier Monate im Jahr geöffnet haben und nur einfache Speisen servieren", fasst Martina Hunn zusammen. Geöffnet hat die Strauße dieses Jahr vom 8. Juni bis zum 1. September 2018.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter http://www.weingut-hug.de und unter http://www.weingut-hunn.de