Ein Gläschen mit...

Weinkönigin Miriam Kaltenbach: "Der schönste Beruf, den es gibt"

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

So, 17. Juni 2018 um 09:34 Uhr

Südwest

Miriam Kaltenbach aus Gundelfingen-Wildtal heißt die frisch gekürte 69. Badische Weinkönigin. Dass sie mehr drauf hat, als nur ein charmantes Lächeln, machte sie gleich am Abend ihrer Krönung in Freiburg deutlich. "Ich sage, was ich denke", erklärt sie tags drauf unserer Mitarbeiterin Andrea Steinhart – wie es sich gehört bei einem Glas Grauburgunder in der gemütlichen Wohnstube des heimischen Merzenhofs.

Auf dem Merzenhof kennt Miriam Kaltenbach jeden Winkel. Die Weinberge oberhalb des Hofes mit allen dort anfallenden Arbeiten gehören für die 20-Jährige ganz selbstverständlich zu ihrem Leben. "Das hat nicht immer Spaß gemacht", räumt sie freimütig ein, "als Kind habe ich immer die anderen beneidet, die nicht auf einem Bauernhof leben." Nach dem Abitur sollte es daher weit weg gehen, sie wollte die andere Welt sehen. Ihre Wahl fiel auf Tansania. In einem Kinderheim im Süden des Landes absolvierte sie ihr freiwilliges soziales Jahr. Doch auch in dem afrikanischen Land musste sie zur Harke greifen und Feldarbeit erledigen für die Versorgung der Waisenkinder. "Irgendwie habe ich dann genau dort die Landwirtschaft und die Natur schätzen gelernt."

Zurück in Deutschland schrieb sich die quirlige Wildtälerin für ein Studium der Umweltwissenschaft an der Lüneburger Universität ein, sie hatte auch schon eine Wohnung gefunden. Im letzten Moment jedoch änderte sie ihre Meinung und begann eine Ausbildung zur Winzerin, die sie dieser Tage abschließen wird. Vor einem Jahr wurde sie zur Breisgauer Weinprinzessin gekürt und in diesem Frühjahr erkämpfte sie sich in Paris dann noch den Titel als beste Jungwinzerin Europas.

Als Badische Weinkönigin will Miriam Kaltenbach nicht nur lächeln und winken. Sie will eine Botschafterin für den Wein aus Baden sein und sie will Position beziehen: "Mehr als die Hälfte aller hier getrunkenen Weine kommen aus dem Ausland, obwohl auch die heimischen Weine von hoher Qualität sind." Ihr Ziel: Der Wein aus Baden, dem drittgrößten Anbaugebiet Deutschlands – und die Arbeit, die dahinter steht – soll eine größere Wertschätzung erfahren. "Wir Winzer müssen es schaffen, die jungen Generationen von einem guten Wein zu begeistern." Das klingt nach einem Arbeitsprogramm für ihre Amtszeit.

Für den Weinbau und für die Landwirtschaft braucht die junge Frau auch Muskelkraft. "Ich kann gut anpacken, ich mache auf dem Weingut alles, was die Männer auch machen", sagt die Winzerin. "Dem Königinnen-Klischee entspreche ich ganz und gar nicht – ich bin den ganzen Tag in Arbeitskleidung zwischen Keller und Weinberg oft mit dem Traktor unterwegs, auch wenn es regnet, ich bin ja nicht aus Zucker." Doch auch die eleganten Kleider und die hohen Pumps stehen der jungen Brünetten ausgezeichnet gut. Die Arbeit im Weinberg ihrer Eltern geht jedenfalls noch viele Jahre weiter – das weiß sie. Derzeit werden die Triebe am Weinstock geheftet, damit sie gerade noch oben wachsen. "Bei der Arbeit kann ich mir gut die nächste Rede überlegen."

Als Badische Weinkönigin wird sie in den nächsten zwölf Monaten rund 200 Termine absolvieren. "Reden kann ich und ich freue mich, mit vielen Leuten ins Gespräch zu kommen." Dafür schluckt sie auch ein stressiges Wochenende hinunter. Besonders freut sie sich auf die Weinmessen in Berlin, Dresden, Hannover und im Ausland. Der Autoschlüssel zum neuen Golf, den der Weinverband zur Verfügung stellt, wird nun wohl ein wichtiges Utensil in ihrer Handtasche sein.

Unter der Terminlast leiden soll niemand, weder der Lehrbetrieb, die Eltern noch ihr Freundeskreis. "Ich organisiere und plane viel, dann bekomme ich schon alles unter einen Hut – notfalls schlafe ich weniger."

Auch das Weinbau-Studium in Geisenheim plant sie schon. Sie will Kellermeisterin werden. "Es ist der schönste Beruf, den es gibt, denn man kann überall arbeiten, wo Wein angepflanzt wird." Kanada, Südafrika und Südtirol stehen schon auf ihrem Programm. Doch am Ende wird sie irgendwann einmal die Weinberge des Merzenhofs übernehmen. Ideen zum Ausbau hat sie schon – zum Beispiel für einen Weinkeller. "Wenn es dann mal soweit ist, werde ich auf das Wissen der älteren Generation zurückgreifen und offen für Neues sein."