Heuweiler

Zu Besuch bei der Brennerei des Maidli-Gins

Anna Lob

Von Anna Lob

So, 05. August 2018 um 12:49 Uhr

Gastronomie

In der Hausbrennerei Wuchner in Heuweiler stellt der 22-jährige Philipp Wuchner mit seinem Vater Markus und dessen Lebensgefährtin Heike Kraft den Maidli Gin her. Doch wie entsteht solch ein Gin?

In einer hellen, modern gestalteten Scheune mit Backsteinwänden und Holzregalen steht Philipp Wuchner an einem großen Tisch. Darauf befinden sich etwa 30 noch unetikettierte Glasflaschen, die er befüllt. "Als Heike und mein Vater gefragt haben, ob ich Lust hab mitzumachen, war ich schnell dabei", sagt der 22-Jährige mit einem Grinsen im Gesicht.

Ein Trendgetränk mit Zutaten aus der Regio

Philipp tut das, worum viele Mittzwanziger ihn vielleicht beneiden: Er stellt selbst Gin her – direkt vor der eigenen Haustür. Genau betrachtet sind es drei verschiedene Gins, denn den Maidli Gin der Hausbrennerei Wuchner gibt es in drei Geschmacksrichtungen, sogenannte Blends. Obstbrände haben eine 100-jährige Tradition in der Familie – auch Philipps Opa hat in der kleinen Hausbrennerei Schnaps hergestellt. Die Idee für einen Gin gingen Markus, Philipp und Heike dann vor drei Jahren gemeinsam an. "Man muss sich reinlesen und Ahnung von Kräutern haben", sagt Markus Wuchner.

Er überwacht an diesem Samstag die Destillation.

In der Destille, die noch handbefeuert wird, köchelt der Alkohol – in der Luft liegt der unverwechselbare Wacholderduft. An einem Tag produzieren die Wuchners etwa 45 Liter des 90-prozentigen Alkohols. Nach Lagerung und Verdünnung mit Wasser wird er dann in die Flaschen abgefüllt. Das Ergebnis ist ein handgemachter Gin mit 44 Prozent Alkohol, den es in mehreren Feinkostläden in und um Freiburg zu kaufen gibt.

Gin ist derzeit ein Trendgetränk. Die Spirituose bietet eine Vielfalt, die vor allem durch den Herstellungsprozess zu erklären ist. Die Geschmacksrichtung eines Gins hängt maßgeblich von den sogenannten Botanicals ab, die sich während des Brennvorgangs im Kessel befinden. Dabei kann es sich um verschiedene Kräuter, Obst oder auch Blüten handeln. "Uns ist wichtig, dass wir nur Zutaten im Gin haben, die hier in der Gegend wachsen", erklärt Heike. Sie hat die Kräutermischungen für den Maidli Gin entwickelt.

Zitronig, blumig – oder mit kräftigen Kräutern

Den Wuchner-Gin gibt es in drei Varianten: mit Zitronennote, süßlich durch Blüten und kräftig dank Kräutern. Für die Zukunft können sich die Wuchners auch weitere vorstellen. Aber alles in Maßen. "Unser Gin ist kein Massenprodukt", sagt Markus.

Philipp, Markus und Heike sind unter der Woche voll berufstätig und betreiben die kleine Hausbrennerei nebenher. Der Einsatz lohnt sich: Der handgemachte Gin ist preisgekrönt. Bei dem Craft Spirits Festival "Destille" in Berlin erhielt der Maidli Gin in der Kategorie New Western Style die einzige Goldmedaille – beim Fachpublikum kommt das Getränk also an. Insgesamt sind Heike und Markus aber gerne regional unterwegs – denn im Norden Deutschlands verstehen viele den Namen ihres Produkts gar nicht. Maidli ist das badische Wort für Mädchen. Mit dem Namen und auch dem Etikett des Gins sollten Frauen angesprochen werden. Deswegen ist ein Glottertäler Maidli auf der Flasche zu sehen – in traditioneller Tracht.

Der Vorteil des Gins: Keine Kopfweh am nächsten Morgen

Dass Gin momentan so beliebt ist, erklären sich Heike und Markus auch dadurch, dass man das Getränk so gut mixen kann. "Wenn man einen guten Gin hat, kann man mehrere Gin-Tonic trinken – ohne am nächsten Tag einen Kopf zu haben", sagt Markus. In den perfekten Gin-Tonic gehört laut Heike neben dem perfekten Gin vor allem gutes, mehrfach gefrorenes Eis, damit das Getränk nicht verwässert. "Der Tonic ist allerdings Geschmacksache."

Philipp freut sich jeden Falls über den Gin, den er mit seinen Kumpels abends auf der Terrasse trinken kann. "Auf Geburtstagen hab ich jetzt immer ein super Geschenk", sagt der 22-Jährige. Er kann sich auf jeden Fall vorstellen, die Brennerei als Hobby weiter zu betreiben.

Hoffest bei Wuchners Gin-Destille am Samstag, 8. September, ab 14 Uhr, Dorfstraße 8a, in Heuweiler.