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04. September 2009 12:22 Uhr

Martin Strittmatter lenkt als Profi Modellautos

Alles andere als ein Spielzeug

Modellautos surren wie motorisierte Wespen die Rennstrecke entlang, Menschen säumen die Banden – alles würde an die Formel1 erinnern, wenn es nur nicht so klein wäre.

  1. Martin Strittmatter mit einem seiner Modellautos. Foto: Sarah Nagel

LÖRRACH. Das ist die Liliput-Welt, in die Martin Strittmatter jedes Wochenende reist. Der 19-Jährige ist Profi-Modellauto-Fahrer. 2007 war er Schweizer Meister bei den Amateuren, Ende Mai belegte er in bei den Experten, der Meisterklasse, den zweiten Platz und seit ein paar Jahren fährt er für das Schweizer Team Corally bei allen größeren Wettkämpfen mit.

Kein Wunder, dass der Oberstufenschüler vom Hans-Thoma-Gymnasium, so erfolgreich ist: Im Windkanal des Schülerforschungszentrums "phaenovum" hat er die optimale Aerodynamik für sein Modellauto ausgetüftelt. Platz 2 bei den Schweizer Meisterschaften brachte ihm das zuletzt im Mai ein und mehrere Erfolge zum Beispiel bei "Jugend forscht". Ihm macht das Einstellen von Dämpferhärte, Radwinkeln nach System Spaß. "Ich betrachte das gerne als physikalischen Versuch", sagt Strittmatter.

"Wie viele kleine Jungen habe ich früher auf dem Parkplatz mit meinem ersten Modellauto angefangen", erzählt Strittmatter. Vor etwa sieben Jahren hat er dann von den Rennen erfahren. Seitdem fährt er im Schnitt jedes zweite Wochenende auf ein Rennen, oder besser: sein Vater fährt. Zur Belohnung darf er ab und zu die Autos des Sohnes fahren. "Der macht das schon richtig gut", lobt Martin Strittmatter seinen Vater stolz. Seit er Sponsoren hat, werden Eltern und Großeltern wenigstens finanziell ein wenig entlastet: 1500 Euro ist sein Auto allein wert. Hinzukommen Ersatzteile, Reifen und Akkus für etwa 100 Euro im Monat. Strittmatter weiß das zu schätzen und kümmert sich liebevoll um sein Auto: putzt, schraubt, schaut ob alles in Ordnung ist. In der kleinen Autowelt sind die Fahrer Mechaniker und Manager zugleich.

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Sport, im körperlichen Sinne, sei das Modellautofahren nicht, sagt Strittmatter. Aber mental anspruchsvoll ist es durchaus. "Fünf Minuten volle Konzentration" seien anstrengender, als man sich vorstellen kann. Keinen Fehler kann er sich bei einem Wettkampf erlauben. Die größte Schwierigkeit sei aber, dass er nicht im Auto sitzt und tatsächlich spürt, wie es reagiert. "Da muss ich dauernd umdenken". Aber das Fahren hilft ihm abzuschalten und alles zu vergessen: Schulstress zum Beispiel, erzählt Strittmatter.

Fahrer aus Amerika, Kanada und Japan hat Strittmatter schon weit hinter sich gelassen. Obwohl nur wenige wissen, dass es in Deutschland professionelle Modellautorennen gibt, sind unter den zehn Besten der Weltrangliste fünf Deutsche. "Hier hat sich ein hohes Niveau durch den Wettkampfdruck entwickelt", erklärt Strittmatter. Knapp 50 Deutsche fahren auf Wettkampf-Niveau, das sind recht wenige, die immer noch manchmal belächelt werden, erzählt Strittmatter. Die meisten denken eben an Parkplatzrennen, wenn sie Modellautos hören. Dabei fahren die Autos rund 90 Stundenkilometer. Klar, sagt Strittmatter, am Anfang sei es nur ein Spiel. "Aber ab einem bestimmten Niveau sind das wirklich hoch entwickelte Autos." Ein Freund von ihm ist mal zum Rennen mitgekommen und war ganz erstaunt: "Ich dachte, das sei ein Spielzeug", sagte er nach dem Rennen.

Martin will das Ganze später mal "in groß" machen und Automobilingenieur werden. Eine Taxifahrt auf der Rennstrecke L’Anneau du Rhin und Praktika bei Daimler haben ihn überzeugt: "Das war sozusagen die letzte Schraube, um den Wunsch zu fixieren", sagt er und lacht.

Autor: Sarah Nagel