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24. Februar 2017

Rheinfelden

Gewerbeverein und Wirtschaftsförderung informieren Einzelhandel über Zentrenkonzept

Gewerbeverein und Wirtschaftsförderung informieren den Einzelhandel über das Zentrenkonzept / Innenstadtsortimente werden nicht geändert.

RHEINFELDEN. Mit der Frage, wie sich die Innenstadt als Einkaufsstandort ausbauen und aufwerten lässt, um mehr örtliche Kaufkraft zu binden, setzten sich Gewerbeverein und Wirtschaftsförderung im Kreis von Gewerbetreibenden und Einzelhändlern auseinander. Im Mittelpunkt standen das neue Zentrenkonzept, das auf einer Standortuntersuchung aufbaut und die Sortimentsliste, die aufs Zentrum zugeschnitten ist. Ausgangspunkt bildet eine positive Entwicklung mit noch "viel Luft nach oben", zeigte Wirtschaftsförderer Elmar Wendland den Teilnehmern mit dem Gutachten auf.

Bevor sich der Gemeinderat im April abschließend mit dem Zentrenkonzept als "Leitplanke für die Stadtentwicklung" wie Wendland sagt, auseinandersetzt, gab der Gewerbeverein seinen Mitgliedern, dem Leistungsverbund, der IG Schildgasse und dem Marketingverein Pro Rheinfelden Gelegenheit, sich zu den Ergebnissen der Untersuchung zu äußern, Anregungen zu geben, damit der Gewerbeverein seine Stellungnahme verfassen kann. Das Angebot wurde genutzt. Der für den Handel zuständige Frank Sattler als Vorstandsmitglied freute sich über ein reges Interesse mit rund 30 Teilnehmern im "Danner" und eine im Anschluss an die Präsentation angeregte Diskussion.

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Neuer Innenstadtbereich
Wendland warb dafür, dass der Einzelhandel sich mit dem Ergebnis des Citychecks durch die Fachleute des beauftragten Büros anschaut, das das Erscheinungsbild aller Geschäfte bewertet von der Fassade über den Auftritt und die Schaufenstergestaltung. Neu zum Innenstadtbereich zugeordnet sind im Zentrenkonzept die Güterstraße und der Bereich Seidenweber-Hof für die fachmarktorientierte Grundversorgung. Das bedeutet, dass Geschäftsansiedlungen, die außerhalb dieses begrenzten Bereichs entstehen sollen, "restriktiv behandelt" werden. Wendland verwies mehrfach darauf, dass es darum gehe, mit diesen Festlegungen die Innenstadt zu schützen, und Fehlentwicklungen vorzubeugen. Es sei leicht, Randlagen in Richtung Autobahn mit großformatigen Verkaufsflächen im Außenbereich zu besiedeln. Das Zentrenkonzept allerdings sieht das aber im Interesse der Zentrumsentwicklung nicht vor und gibt somit eine klare Handhabe. Wachstumschancen für den Einzelhandel sind in größerem Maß dafür im zentralen Bereich vorgesehen (siehe Grafik Potenzialflächen). Das Gewerbegebiet Schildgasse ist auch weiterhin für die Massenversorgung der Motorisierten und Sortimenten ausgewiesen, die nicht in für die Innenstadtlage wichtig sind.

Nachholbedarf
Der Wirtschaftsförderer wies anhand der Untersuchungsergebnisse darauf hin, dass dem Einzelhandel im Jahr rund 80 Millionen Euro aus dem Rheinfelder Einkommen an Kaufkraft entgehe, weil die Nachfragebindung bisher nur bei rund 58 Prozent liege: "Das ist bedauerlich, das wollen wir ändern", denn mit diesem Ergebnis werde das Mittelzentrum auch seinem Versorgungsauftrag "nicht vollständig gerecht". Dass sich die Entwicklung dennoch erfreulich darstelle, hänge stark mit den Einnahmen zusammen, die durch die Schweizer Kunden erzielt werden mit einem Nachfragezufluss von 137 Millionen im Jahr. Das Bild lasse sich verbessern, wenn das Angebot weiter wachse. Hier spielen besonders Textilangebote und Haushaltswaren eine Rolle. "Bei den meisten Sortimenten geht mehr", betonte Wendland. Stark vertreten im Zentrum sind Optik, Uhren und Schmuck, Schuhe und Lederwaren, Bekleidung und Wäsche weist das Gutachten aus, während Spielwaren, Bücher, Geschenkartikel und Babybedarf "teilweise deutlich unter dem Schnitt" liegen. Die Leerstandsquote im Stadtzentrum gilt weiter als gering, eine Schwierigkeit bestehe aber grundsätzlich darin, Ladenflächen mit höchsten 150 Quadratmetern zu füllen, das ist den meisten Betrieben nach Wendlands Erfahrung einfach zu wenig.

Stärken und Schwächen
Als Plus beim Einkaufen betrachten Passanten nach der Befragung eine große Auswahl an Geschäften, kurze Wege und eine gute Erreichbarkeit im Zentrum. Als Minus gelten, dass oft Breite und Tiefe in Sortimenten fehle, weil die Ladefläche nicht mehr hergibt. Und auch bei der Einkaufsatmosphäre gibt es Abzüge. Wendland gab die Anregung mehr Auswahl und Gastronomie zu bieten. Es müsse im Interesse des Einzelhandels sei, sich online als Geschäft zu positionieren, um Kunden auf sich aufmerksam zu machen. Nur 30 Prozent seien erst online, oft auf veralteten Websites ohne Öffnungszeiten und Telefon. Damit werde eine Chance vertan. Grundsätzlich, so eine zentrale Aussage, liege die Kaufkraft in Rheinfelden höher als in Bad Säckingen oder Schopfheim, aber unter dem Landkreis Lörrach und dem Landesschnitt.

Entwicklung
Die 181 Betriebe mit einer Verkauffläche von rund 100 000 Quadratmeter machen derzeit 247 Millionen Euro Jahresumsatz. Das liege im Schnitt laut Wirtschaftsförderer. Er zeigte aber auf, dass durch eine wachsende Bevölkerung und weiteren Zuzug Wachstumspotenzial drin sei. Das heißt, dass das Zentrum weitere 6000 Quadratmeter Verkaufsfläche vertrage.

Die Diskussion
Frank Sattler stellte am Ende fest, dass die Sortimentsliste für die Innenstadt aus Sicht des Gewerbevereins nicht zu ändern sei. In der Diskussion hat irritiert, dass auch Waffen, Jagdbedarf, Reit- und Angelsportartikel dem Zentrum zugeordnet werden. Vorsitzender und Gemeinderat Gustav Fischer verwies darauf, dass Rheinfelden es nicht vertrage, wenn sich Innenstadt und Schildgasse als "zwei Blöcke gegenüberstehen". Das Ziel müsse sein, zusammenzuarbeiten, um die Stadtentwicklung voranzubringen. In diesem Sinn äußerte sich auch Holger Wick (IG Schildgasse), der im Zentrenkonzept ein Instrument sah, die Innenstadt vor der grünen Wiese zu schützen. In einer Kritik herrschte Einigkeit: lange und häufige Baustellen erschweren das Geschäft.

Autor: Ingrid Böhm-Jacob