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17. November 2009

Geschichte ist der wahre Schatz

Im Museum des Hauses Salmegg bewerteten Experten Münzen, Steine und Schriftstücke / Viele Funde stammten aus der Region.

  1. Anschauungsunterricht: Georg Burckardt erklärt am Plastikmodell, wie der versteinerte Ammonit einmal aussah. Foto: Julia Jacob

  2. Ein Handkeil erfreut die Experten Foto: Jacob

RHEINFELDEN. Karl Wunderle wuchtet einen gewaltigen Brocken auf den Tisch. "Ein Fund vom Dinkelberg", erklärt er stolz dem Experten für Fossilien, Georg Burkardt, der die Versteinerung mit großem Interesse genau in Augenschein nimmt. Der Gesteinsquader wird gemessen, befühlt und mit Abbildungen im Handbuch verglichen. Auf einem Zettel notiert der passionierte Hobbyarchäologe: Ammonit – 180 Millionen Jahre. Rund 40 private Schätze, wie dieser fossile Abdruck wurden beim Fundbestimmungsnachmittag der Fricktalisch-Badischen Vereinigung bewertet, mit interessanten Ergebnissen für Besitzer und Fachleute.

Kaiser Augustus bereitet Luciano Caltana Kopfzerbrechen. Der passionierte Kenner der römischen Geschichte und ihrer zivilisatorischen Hinterlassenschaften nimmt das oxidierte Konterfei des einstigen Imperators unter die Lupe. Genaues Hinsehen lohnt hier besonders, denn erst das Detail entscheidet über den Wert des Objekts. "Der materielle Wert und der Informationswert eines Fundstücks sind nicht immer das Gleiche", sagt er und dreht die Münze zwischen seinen Fingern hin und her. Er weiß, hier kommt er alleine nicht weiter, eine zweite Meinung muss her. Am Nebentisch sitzt Hannes Flück. Er ist von Beruf Archäologe und somit einer der Profis der munteren Historiker-Runde. Sich mit der Materie auskennen, das merken die Besucher schnell, ist bei den fünf Bewertern nicht unbedingt nur eine Frage des richtigen Studiums.

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"Römische Münzen
lassen sich lesen wie
ein Geschichtsbuch."

Luciano Caltana
"Ich denke es ist Augustinus, aber der Kopf macht mich stutzig" beginnt Caltana die Fachsimpelei mit seinem Kollegen, der sich auf römische Keramiken spezialisiert hat. Die Veranstaltung in Kooperation mit der Stadt Rheinfelden, bei der Fundstücke aus Privatbesitz auf ihren historischen Wert untersucht werden, ist für ihn eine neue Erfahrung. "Es macht richtig Spaß und spannend ist es auch", ist seine Meinung über die Arbeit vor Publikum. Der Blick in die Runde bestätigt: Geschichte begeistert hier sowohl Kenner wie Laien.

Gemeinsam wird diskutiert, geprüft und erklärt. Die Gäste hören fasziniert zu. Manch einer kann es gar nicht glauben: "180 Millionen Jahre", wiederholt Karl Wunderle immer wieder erstaunt über seinen kolossalen Fund. "Und das auf dem Dinkelberg".

Während sich an den anderen Tischen erste Ergebnisse abzeichnen, kommt Luciano mit der Unterstützung des Archäologen jetzt erst richtig in Fahrt. Gemeinsam wälzen sie den Almanach für römische Münzen auf der Suche nach einer Frauenfigur mit Füllhorn. "Wer ist diese Frau?", fragt der Kenner des Römischen Imperiums.

Also nochmal mit der Lupe ganz nah ran, vielleicht gibt es da ja noch ein bislang unentdecktes Detail zu erahnen. "Römische Münzen lassen sich lesen wie ein Geschichtsbuch. Alles was im Reich geschah wurde auf Münzen geprägt. Ein richtiges Propagandainstrument war dieses Zahlungsmittel." Am Ende sind sie sich einig, der Fund aus der Umgebung von Herten stammt aus dem ersten Jahrhundert nach Christus. "Wahnsinn," urteilt der glückliche Eigentümer und packt sein Fundstück zurück in die wattierte Schatulle.

Auch für Stadtarchivarin Eveline Klein, selbst Expertin für Stadtgeschichte und Historikerin aus Leidenschaft hatte Hannes Flück gute Neuigkeiten. Ihr Fundstück, eine nur wenige Zentimeter große Tonscherbe ist ein echt römisches Produkt, Massenware der gehobenen Ausführung. "So was wie das Porzellan heute", erklärt Flück. Auch über den Fundort, einen Brunnenschacht in Gundelfingen, hat er sich Gedanken gemacht. "Könnte auch eine Abfallgrube oder eine Latrine gewesen sein", sagen ihm sein Gespür und sein Wissen über die kulturellen Hinterlassenschaften der Römer.

Weil Akribie zu seinem Beruf gehört, will er es nun genau wissen und prüft mit der Lupe nach. Weiße Pünktchen im Ton, das kann für den Experten nur eines bedeuten: Die Scherbe, eine Terra Sigillata, stammt aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert und kommt aus Südgallien. In Ostgallien, zu der auch die Region am Hochrhein zählt, gab es diese Tonart nicht. Viele Fundstücke des Nachmittags stammen aus der näheren Umgebung. Darunter einige Münzen und Tonerzeugnisse aus römischer Zeit und Fossilien aus der Prähistorie mit Bezug zum Dinkelberg.

Verein für Heimatkunde

Verein für Heimatkunde

Die Fricktalisch-Badische Vereinigung für Heimatkunde ist eine gemeinnützige Organisation mit 850 Mitgliedern. Sie fördert seit 1925 die geschichtliche und landeskundliche Forschung am deutschen/schweizerischen Hochrhein. Weitere Infos zu Publikationen und Aktivitäten des Vereins sind auch im Internet unter http://www.fbvh.org erhältlich.  

Autor: jja

Autor: Julia Jacob