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27. März 2009

Die Krisenindikatoren

Zeitarbeitsfirmen in Lörrach kämpfen gegen die Krise / Entlassungen und Kurzarbeit.

LÖRRACH. Unqualifizierte und ungelernte Arbeitskräfte spüren die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt als Erste – und mit ihnen die Zeitarbeitsfirmen. Bevor krisenfürchtige Firmen etwa Kurzarbeit für feste Mitarbeiter anmelden, müssen Zeitarbeiter entlassen werden. Konkrete Angaben zur Anzahl derer, die so in den vergangenen Monaten in die Arbeitslosigkeit gerutscht sind, gibt es keine. Sicher ist nur: Lörrachs Zeitarbeitsfirmen kämpfen.

Massenentlassungen zum 31. März musste Petra Hintner in den vergangenen Tagen rausschicken. Seit Mitte Januar ist der Markt beim Lörracher Sitz der Zeitarbeitsfirma Unique Personalservice, die sie leitet, eingebrochen: "Von ehemals 60 Mitarbeitern sind noch sechs übrig", sagt sie. Hintner betreut seit Kurzem drei Niederlassungen gleichzeitig, zuletzt sei die Branche 2001 so "niedergebügelt" worden. Ihre Mitarbeiter, die sie vor allem als Helfer in die Lebensmittelbranche vermittelt hat, sind größtenteils ohne Ausbildung, teilweise ohne Schulabschluss.

Das Auftragsvolumen an freien Stellen, in denen nicht angelernt werden muss, sei klar zurückgegangen, sagt Melanie Payer von der Agentur für Arbeit. "Fachkräfte werden gehalten, die Ungelernten werden freigesetzt", erklärt sie. In den vergangenen Jahren hat die Branche einen wahren Boom erlebt, weil viele Firme für die einfachen Arbeiten nur noch Zeitarbeitskräfte eingestellt haben. Um so mehr trifft sie jetzt der Abschwung. "Keine andere Branche ist derart betroffen wie die Zeitarbeit", sagt Payer.

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Weiterbildung halten viele für einen Weg, um Mitarbeiter weiterhin zu vermitteln. Auch bei Randstad gibt es Weiterbildungsmaßnahmen, sagt Pressesprecherin Petra Timm. Am Ende stünden dennoch Entlassungen: "Bundesweit mussten wir in den vergangenen fünf Monaten 5000 Mitarbeiter entlassen", sagt Timm. In Lörrach sei die Lage noch relativ stabil. Von 65 Mitarbeitern im vergangenen Jahr seien noch 60 angestellt.

Resturlaub und Kurzarbeit reichen oft nicht, um Mitarbeiter zu halten

Bei der Zeitarbeitsfirma "Rolf Plümer" ist Niederlassungsleiter Stephan Sinz derweil froh, dass er einen hohen Anteil an Facharbeitern hat, die vor allem an handwerkliche Betriebe vermittelt werden. Weil da die Nachfrage nicht so stark gesunken ist, könne er mit Resturlaub und Kurzarbeit noch einen Großteil halten – und doch gab es Entlassungen. Wie viele, möchte Sinz nicht sagen. 1278 Mitarbeiter waren im vergangenen Juni noch bei den Zeitarbeitsfirmen gemeldet, aktuelle Zahlen gibt es noch nicht. Besonders die Firmen, die sich auf einzelne Branchen beschränkt haben, leiden unter den Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. "Wir sind der Krisenindikator, uns trifft es als Erstes", sagt Hintner. Damit andere kein Stammpersonal entlassen müssen, engagierten sie schließlich Zeitarbeiter.

16 Zeitarbeitsfirmen waren im Juni 2008 in Lörrach gemeldet. Manche haben international tätige Mutterfirmen oder haben ihr Tätigkeitsfeld ausgedehnt. Entlassungen im klassichen Zeitarbeitssektor gab es dennoch fast überall.

40 Prozent seiner Mitarbeiter musste Helmut Jakobi von der Gesellschaft für Personalplanung "PersonaPlan" entlassen. "Aber wir federn das ab", sagt er. Er bietet Computerkurse für Arbeitslose an und Verwaltungsdienste für Kliniken.

Stefanie Hudjetz, Niederlassungsleiterin der Lörracher Manpower-Zentrale, berät derzeit vor allem Firmen, wie sie Mitarbeiter halten können und sucht nach Übergangslösungen: "Irgendwann werden die Unternehmen ihr Personal ja wieder aufstocken", sagt sie.

Auch Jakobi ist zuversichtlich, dass seine Kunden wiederkommen, wenn er lange genug durchhält. Dass das alle schaffen, glaubt er aber nicht, eher an eine Art Marktbereinigung: "Am Ende des Jahres wird der Markt anders aussehen", sagt er.

Autor: Sarah Nagel