Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
21. November 2009
Spatenstich für die Solidarität
Die Auskiesung ist umstritten, Umweltministerin Gönner betont aber deren Dringlichkeit für den Hochwasserschutz großer Städte.
-
Zur Schaufel griffen beim Spatenstich für den ersten Abschnitt des Hochwasserrückhalteraums am Rhein bei Efringen-Kirchen (von links) Landtagsabgeordneter Stickelberger (SPD), Ulrich Springer vom Regierungspräsidium, Landrat Schneider, Umweltministerin Tanja Gönner, Landtagsabgeordneter Ulrich Lusche (CDU), Bürgermeister Fürstenberger, Weils OB Dietz, Heinz-Josef Joeris und Projektleiter Othmar Huppmann. Foto: Langelott
EFRINGEN-KIRCHEN. Viele Jahre lang wurde das Hochwasserschutzprojekt geplant und diskutiert, augenfälliger Beginn seiner Umsetzung waren in diesem Jahr die Abholzungen am Rhein. Gestern Morgen nun markierte der offizielle Spatenstich mit Umweltministerin Tanja Gönner den Beginn der Tieferlegung des Ufers im ersten Abschnitt des Rückhalteraums, der sich von Weil am Rhein bis Breisach erstreckt.
Die Umweltministerin versuchte sich dafür zuerst mit einem Bagger, dann mit traditioneller Schaufel. Für sie war das Projekt "ein Beleg für die Solidarität, die zwischen den Landesteilen geübt wird". Sie erinnerte an das letzte Hochwasser der jüngeren Geschichte im Jahr 1999. Im Moment möge der Rhein gemächlich fließen, bei Hochwasser könne er jedoch ungeheure Kräfte entfalten. Natürlich hoffe man, dass der Fall nicht eintritt, doch müsse man vorausschauend handeln und gerüstet sein, um die Menschen und Städte rheinabwärts wie Karlsruhe, Mannheim oder Worms schützen zu können. Mit dem Abtragen des Ufers an mehreren Stellen schaffe man Platz für Wasserfluten, um so Spitzen abfangen zu können und den Strom zu verlangsamen, wozu auch der Auenwald beitragen wird, der auf der Überflutungsfläche wachsen wird.Werbung
Tanja Gönner erinnerte auch an die Widerstände, die es gegen das Vorhaben gegeben hatte. Verschiedene Lösungen seien diskutiert, mit der nun realisierten Variante aber die beste gefunden worden, die naturnah und im Sinne der Nachhaltigkeit sei. Beeinträchtigungen für die Bürger ließen sich bei dem Bauprojekt aber nicht ganz vermeiden, meinte sie. Bürgermeister Fürstenberger warf nochmals einen Blick auf die umstrittene Vorgeschichte des Projekts, das nun nach "vielen Jahren der Planung und Unruhe in der Bevölkerung" umgesetzt wird.
Nächster Schritt wird nun der Bau des neuen Wegs für Fußgänger und Radfahrer entlang der Autobahn sein. Erst wenn diese Verbindung sicher gestellt sei, so Projektleiter Othmar Huppmann, werde im Februar das eigentliche Abtragen von Erdboden und darunterliegendem Kies erfolgen. Denn mit dem Ausbaggern wird die bestehende Verbindung über den Leinpfad – vorläufig – unterbrochen. Der Leinpfad wird mit tiefergelegt. Später wird er wieder benutzbar sein, sofern er nicht überflutet ist und der neue Weg an der Autobahn benutzt werden muss.
Später wird auf der tiefergelegten Fläche wieder Boden aufgebracht, der – wenn keine natürliche Pflanzenwachstum zu erwarten ist – bepflanzt werden soll. Eines Tages soll dort ein naturnaher Auenwald stehen. Bis dahin werden aber Jahre vergehen, was viele, vor allem ältere Mitbürger bewegt, wie Bürgermeister Fürstenberger wusste. Sie wüssten schon jetzt, dass sie einen Spaziergang in diesem Wald nicht mehr erleben werden.
Der Hochwasserraum Weil am Rhein – Breisach
Weil am Rhein – Breisach
- kostet 130 Millionen Euro, von denen das Land 76 Millionen, der Bund rund 54 bezahlt
- fasst 25 Millionen Kubikmeter Wasser, soviel wie der Titisee
- bietet im ersten, nun begonnenen Bauabschnitt zwischen Weil und Kleinkems drei Millionen Kubikmetern Wasser Platz in den Tieferlegungsflächen
- bewegt werden rund eine Million Tonnen Boden, ausgebaggert werden 5,1 Millionen Tonnen Kies, das Ufergelände wird um sechs Meter abgetragen
- das Projekt geht auf Vereinbarungen mit der Schweiz und Frankreich von 1971 und 1982 zurück
-bis zur Fertigstellung des ersten Abschnitts vergehen rund zehn Jahre, bis zur kompletten Fertigstellung 20 Jahre
Autor: vl
Autor: Victoria Langelott
