"Wir karikieren die Dinge gerne"

André Hönig

Von André Hönig

Di, 28. November 2017

Schopfheim

BZ-INTERVIEW mit Jeannot und Christian Weißenberger zum Knaschtbrüeder-Benefiz-Konzert am 3. Dezember und zur neuen CD.

SCHOPFHEIM. Sie leihen der BZ-Weihnachtsaktion "Hilfe zum Helfen" ihre Liedermacher-Stimme: Das Duo Jeannot und Christian Weißenberger gibt am Sonntag, 3. Dezember, ein Open-Air-Benefizkonzert und stellt dabei das brandneue Album "Alles in de Finke" vor. André Hönig sprach mit den beiden über ihr neues Album und über den Werdegang der Knaschtbrüeder, der musikalischen Stimme des Wiesentals.

BZ: Wortwitz steckt nicht nur in Euren Liedern, sondern auch in Eurem Bandnamen. Aber Hand aufs Herz: Hat der Name Euch auch schon Mal gestört?

Jeannot Weißenberger: Mich hat er von Anfang an gestört, ich weiß gar nicht, wer den erfunden hat.

Christian Weißenberger: Wir waren es nicht. Aber er hat sich irgendwie so eingebürgert.

BZ: Musik macht Ihr schon lange und unabhängig voneinander. Wann hattet ihr euch entschieden, als Duo aufzutreten?

Jeannot Weißenberger: Das lässt sich gar nicht so genau sagen. Bei mir war es so, dass ich mich nach meiner Tanzmusik- und Rockband-Zeit bei der Harlekin-Band nur noch mit meiner Klampfe ins Eck stellen wollte nach dem Motto: Wer mir zuhören will, darf das gerne und wer nicht, soll’s halt lassen. Wir hatten dann eines Tages die Idee, dass wir als Duo mit Auftritten ein wenig Taschengeld verdienen könnten und so sind wir bei kleineren Anlässen aufgetreten und haben einige Lieder gespielt – aber das waren nicht "unsere" Lieder im heutigen Sinne, sondern einfach Songs, die uns damals so über den Weg gelaufen sind.

Christian Weißenberger: Also 20 Jahre werden es jetzt schon sein. Bei mir ist das mit den Knaschtbrüedern auch ein Ausgleich zu dem, was wir bei "Six for U" spielen, also zu Party- und Tanzmusik.

BZ: Wenn die Rede davon ist, dass ein "Knastvogel singt" meint man ja damit, dass er die Wahrheit sagt. Wie viel Wahrheit steckt denn in Euren Liedern?

Jeannot Weißenberger: Eigentlich stecken in vielen unserer Lieder wahre Begebenheiten. Das Lied Böllen ist dafür ein Beispiel, wo der Vater wegfährt und die Kinder ihn fragen, wo es hingeht – er sagt dann Böllen. Die Kinder aber glauben das nicht, dass es so einen Ort gibt. Das hatte sich so bei uns zugetragen. Das ist also eine wahre Geschichte. Auch auf dem neuen Album gibt es wahre Geschichten wie das Lied "Sage oder Säge", wo es um den Sprachunterschied zwischen Wiesental und Wehratal geht.

Christian Weißenberger: Das Lied "Krieg gege d’Schwiz" ist ja auch so ein Beispiel für eine wahre Geschichte.

Jeannot Weißenberger: Ja, da wollten wir in den 50er-Jahren als Kinder gegen die Schweizer kämpfen – mein Onkel hat mich dann aber noch vor der Grenze zurückgepfiffen. Es ist ja auch so: Wenn eine echte Geschichte dahintersteckt, ist es auch einfacher, den Text zu verfassen.

BZ: Apropos: Wie entstehen Eure Lieder?

Jeannot Weißenberger: Da zitiere ich am besten Keith Richards, wonach Lieder in der Luft schweben – man muss sie nur fangen. Bei mir ist es jedenfalls so, dass es oft spontane Sache sind.

Christian Weißenberger: Jeannot ist er, der für das Komponieren zuständig ist. Ich geb’ zwar meinen Senf dazu – aber im Großen und Ganzen ist das seine Sache.

BZ: Habt Ihr musikalische Vorbilder, an denen Ihr euch orientiert?

Jeannot Weißenberger: Eines meiner Vorbilder ist Hannes Wader. Bei ihm ist – wie auch bei Bob Dylan – ja der Text die Hauptsache. Das Geklampfe ist wie bei uns eher ein Mittel, um den Text zu transportieren. Vorbild sind aber auch amerikanische Country- und Folksachen.

BZ: Hat sich Euer Stil gewandelt?

Jeannot Weißenberger: Musikalisch nicht. Textlich schon. Anfangs haben wir gar nicht auf Alemannisch gesungen, sondern auf Hochdeutsch und Englisch – auch Französisch haben wir probiert, sind damit aber grandios gescheitert. Das mit dem Alemannisch war so gar nicht geplant, das hat sich erst entwickelt. Es war nicht so, dass wir gesagt haben: Chumm, wir mache jetzt alemannische Lieder. Es begann damit, dass sich das Publikum anfing, sich Lieder zu wünschen, die eigentlich für die Fasnacht komponiert waren, wie das Hieber-Lieder. Spielt doch das mal, das ist so lustig, hieß es. So hat sich das herauskristallisiert.

BZ: Und jetzt ist es Euer Markenzeichen.

Christian Weißenberger: Es ist jedenfalls so, dass wir nur noch ganz wenig auf Hochdeutsch oder Englisch singen. Diese Sachen sind weitgehend weggefallen.

Jeannot Weißenberger: ... was eigentlich schade ist. Es gibt so viele tolle Lieder gerade aus dem Bereich Country und deutscher Schlager.

BZ: Euer erstes Album erschien im Jahr 2000. Das neue – "Alle in de Finke" – ist jetzt Euer viertes. Wie geht Ihr an ein Album ran. Gibt es da eine bestimmte Idee?

Jeannot Weißenberger: Also es ist wie bei den Vorgängern auch, wir machen da kein Konzeptalbum, sondern es sind einzelne Songs, die über Jahre hinweg entstanden sind. Es ist ist also wenn man so will wieder eine Sammlung typischer Knaschtbrüeder-Lieder.

BZ: Es sind also auch wieder sowohl lustige Lieder drauf als auch solche, die zum Nachdenken anregen?

Jeannot Weißenberger: Wir haben diese Mischung ja auch bei unseren Auftritten. Wenn wir merken, dass wir die Leute stimmungsmäßig hochlüpfen müssen, ist etwa das Lied "Alles in de Finke", der Titelsong des neuen Albums, ideal. Ein flottes Lied, ein Wortspiel, das gut ankommt und eine Wirtshaus-Rundreise, die hier in der Region spielt – ein Heimatlied, mit dem sich jeder identifizieren kann.

BZ: Inwiefern stecken in Euren Liedern auch kritische Botschaften?

Jeannot Weißenberger: Manches ist versteckt. Wenn wir von den Kühen singen, die noch auf der grünen Matte stehen, meinen wir eigentlich damit, dass wir fürchten, dass das Markgräflerland irgendwann komplett zugebaut ist. Wir machen aber nicht wie andere Liedermacher Texte mit erhobenem Zeigefinger. Wir karikieren die Dinge gerne und nehmen sie auf den Arm. Zwar bringen wir so durchaus auch Kritik an. Aber Weltverbesserer sind wir nicht.

BZ: Werdet Ihr alle Lieder der neuen CD beim Benefizkonzert spielen?

Jeannot Weißenberger: Das ist so geplant.

BZ: Was gab den Ausschlag, dass Ihr Euch bereiterklärt habt, für "Hilfe zum Helfen" zu spielen?

Christian Weißenberger: Ganz klar, der gute Zweck natürlich.

Jeannot Weißenberger: Es ist deshalb auch vorgesehen, dass wir den Erlös der ersten zehn CDs, die wir beim Konzert verkaufen, der Weihnachtsaktion spenden, um diese Sache zu unterstützen.