Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
07. Oktober 2009
Alle Preise gingen an Ruster Schüler
Siegerehrung im Wettbewerb "Jungi Mundart - Schlaui Köpf" / Appell zu mehr Mut zum alemannischen Dialekt.
OBERRIED. Der Wettbewerb "Jungi Mundart − Schlaui Köpf" hat seinen festen Platz im Programm der Alemannischen Woche in Oberried. Aufgerufen zur Teilnahme waren Kinder und Jugendliche von acht bis 18 Jahren. Wenn es auch hätten mehr sein können, so war die Begeisterung der Teilnehmer um so beeindruckender. Bürgermeister Franz-Josef Winterhalter überreichte in einer Feierstunde im Kloster die Preise.
Sie gingen alle an Schüler und Schülerinnen der Grund- und Hauptschule in Rust, die sich schon im vergangenen Jahr an diesem Mundartwettbewerb beteiligt hatte. Sie wurden von Schulleiter Karl-Heinz Debacher und Deutschlehrerin Renate Stephan begleitet, die sie auch für den Wettbewerb motivierten und aktiv unterstützten. 130 Schüler und Schülerinnen aus den Klassen 7, 8 und 9 hatten daran teilgenommen. Sieben von ihnen wurden als Preisträger ermittelt.Bürgermeister Franz-Josef Winterhalter und hier in Funktion als Präsi der Muettersproch-Gesellschaft begrüßte die Gäste und bezeichnete es als beeindruckendes Erlebnis dieser Alemannischen Woche, von einer Elsässerin zu hören, was Mundart bedeutet. Im Elsass scheine man sich noch mehr dieser kulturellen Aufgabe bewusst zu sein als in Baden, sagte Winterhalter, der nach der Preisverleihung die Preisträger beglückwünschte und sie mit kleinen Präsenten und einer Wegzehrung erfreute. Alle bekamen eine Urkunde.
Werbung
Stefan Pflaum, wie kaum ein anderer mit der alemannischen Mundart verbunden, hatte alle 130 Manuskripte gelesen und sie in Inhalt und Aussage bewertet. Eine schwierige Aufgabe, wie er sagte, denn es habe viele gute Ideen gegeben. Pflaum hatte auch mit der Ziehharmonika musikalisch in die Feier eingeführt.
Dann hatte jede Preisträgerin und jeder Preisträger Gelegenheit, ihre Gedichte vorzutragen. Das taten sie mit großer Textsicherheit und begleitet von zur Schrift passenden Gesten. Das Publikum spürte die Freude der jungen Leute und die Lehrer brauchten keine Bange zu haben, dass hier etwas schief gehen könnte.
Ein erster Preis ging jeweils an die Schüler Dennis Sieg, Klasse 7, für sein Gedicht "D’Schul" und Alexander Schmider, Klasse 9, für "Rueschd". Einen zweiten Preis bekamen die Schülerinnen Nadine Wieber für "Liebe" und Angela Schwörer für "Zuakunft", beide aus der Klasse 8. Dreimal wurde der dritte Preis vergeben. Er ging an Alina Oesterlin, Klasse 8, für "Min Teddybär", an Isabell Brosmer, Klasse 7, für "Winachtszit" und an Theresia Zitlau, Klasse 9, für "4 Jahreszite". Ein Preisgeld von 100 Euro ging an die Schule.
An die Preisverleihung folgte spontan eine interessante Diskussion. Schulleiter Debacher bezeichnete es als gut, wenn man sowohl Hochdeutsch als auch Dialekt sprechen könne. Vor allem sei es wichtig, junge Lehrer für die alemannische Sprache zu gewinnen. Das sei ein berechtigtes Anliegen an die Schule. Das Thema war aus dem Publikum angestoßen worden, wobei indirekt Kritik an der Schule geübt wurde, weil sie sich zu wenig um Mundart kümmere. Allerdings wurde auch gesagt, dass man nicht alle Versäumnisse der Schule und den Lehrern anlasten dürfe. Auch das Elternhaus habe hier eine besondere Aufgabe. Wenn man in der Familie keinen Dialekt spreche, er sogar verpönt werde, könne man es auch von den Kindern nicht erwarten.
Die Geschäftsführerin der Muettersproch-Gesellschaft, Friedel Scheer-Nahor, informierte, dass die Geschäftsstelle in Müllheim, Wilhelmstraße 14, immer für Beratung zur Verfügung stehe.
Autor: Wolfgang Grosholz
