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20. Januar 2009
"Sie ist die Ally McBeal der Platte"
BZ-INTERVIEW mit Comedy-Star Annette Frier über ihre Rolle als Anwältin der Schwachen in der SAT1-Serie "Danni Lowinski".
OFFENBURG. Im Fernsehen verkörpert sie perfekt den Typ der kumpelhaften, sympathisch handfesten und schlagfertigen Vorstadtschönheit. Jetzt hat SAT1 ihr eine Rolle auf den Leib schreiben lassen. In "Danni Lowinski" spielt Annette Frier eine Friseurin, die sich auf dem zweiten Bildungsweg zum Anwaltsberuf durchgeboxt hat, in einer Einkaufspassage praktiziert und zu Discountpreisen den Schwachen zu ihrem Recht verhilft. Ralf Burgmaier hat Annette Frier bei Burda in Offenburg getroffen und Fragen gestellt.
Annette Frier (vor Interview-Beginn augenzwinkernd): Fragen Sie mich jetzt etwa auch, wie ich Weihnachten verbracht habe?BZ: Nein, aber gestatten Sie dennoch eine indiskrete Frage zu Beginn?
Annette Frier: So?
BZ: Im April haben Sie Zwillinge zu Welt gebracht. Darf ich fragen, ob Sie die Babys gestillt haben?
Frier: Da könnten Sie mir ja gleich die Weihnachtsfrage stellen (lacht). Aber diese Frage können Ihnen nur Gott und ich beantworten, und einer von uns beiden wird es bestimmt nicht tun.
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BZ: Die Frage ist weniger frivol gemeint als sie klingt. Wenn Frauen stillen, haben viele Probleme mit dem Gedächtnis. Wenn man da eine neue Rolle lernen muss, kann das ziemlich hinderlich sein.
Frier: Keine Sorge, ich hatte abgestillt, als ich mein Gedächtnis wieder brauchte. Aber mein Gedächtnis für Namen oder Daten ist tatsächlich schlecht. Texte lerne ich dagegen gut.
BZ: In Ihrer neuen TV-Serie spielen Sie eine Friseurin . . .
Frier: Sie dürfen ruhig Friseuse sagen . . .
BZ: . . . , die auf dem zweiten Bildungsweg zur Anwältin aufsteigt. Haben Sie selbst irgendwelche Erfahrungen auf einem dieser Berufsfelder?
Frier: Gar nicht. Das heißt, ich habe einer Freundin mal den Pony geschnitten. Da musst ich hinterher um unsere Freundschaft bangen. Es ist auch sinnvoll, dass ich es gar nicht erst mit Jura versucht habe. Für den einen Beruf fehlt mir das Geschick, für den anderen die Geduld.
BZ: Ihre Heldin Danni kommt aus schwierigen, sogar leicht prekären Verhältnissen. Haben Sie hier eigene Erfahrungen oder sind Sie behütet aufgewachsen?
Frier: Mit meiner Familie habe ich viel Glück gehabt. Meine Mutter ist Lehrerin, mein Vater Rechtsanwalt. Das nennt man wohl bürgerliche Verhältnisse.
BZ: Dann haben Sie über Ihren Vater aber doch Einblick in die Juristerei?
Frier: Mein Vater war ein ganz konventioneller Anwalt. Je weniger ich von der Juristerei verstehe, umso besser spiele ich die Rolle. Danni macht ja eine Menge Anfängerfehler, weil sie es nicht besser weiß. Sie und ihre Mandanten sind alles Leute, die keine Glückskinder sind, die alles, was sie erreichen, echt hart erarbeiten müssen. Aber auf Dauer sind das die interessanteren Geschichten, viel interessanter als konfliktfreies Erzählen.
BZ: Danni entwickelt sich gleich in der ersten Folge zu einer Art weiblichem Robin Hood, die den Schwachen zu ihrem Recht verhilft.
Frier: Wir nennen sie gerne die Ally McBeal der Platte.
BZ: Sind die Zeiten danach, dass die Gesellschaft weniger durchlässig wird und das Thema Klassenkampf wieder eine stärkere Rolle spielt?
Frier: Dieses Thema ist heute sicher interessanter als zu den fetten Zeiten vor zehn Jahren. Es gibt doch viele, die ihre Bildung höchstens aus der Bild-Zeitung beziehen und nicht etwa aus Ihrer Zeitung und die somit einfach nicht über ihre Rechte informiert sind.
BZ: Die Rolle erlaubt Ihnen auch, Ihre erotische Ausstrahlung einzusetzen.
Frier: Ja und ich bin froh, dass Sie mir bei dieser Frage nicht tief in die Augen schauen (lacht).
BZ (lacht): Man darf aber Wetten abschließen, wann es zwischen Danni und dem smarten Anwalt Oliver Schmitt funkt?
Frier: Täuschen Sie sich nicht. Wir spielen zwar mit dieser erotischen Spannung. Aber es ist gar nicht so einfach, dass zwei Menschen aus grundverschiedenen Gesellschaftskreisen zusammenfinden.
Autor: bz
