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28. Januar 2009

Wenn das Robobaby nervt

An der Friedrichschule setzten sich 22 Jugendliche mit der Rolle junger Eltern auseinander.

  1. Ups, da ging was in die Hose. Kein Problem für den Robobaby-Sitter. Foto: Heidi Fössel

LAHR. Die Tatsache, dass allein im vergangenen Jahr 14 schwangere Mädchen unter 16 Jahren in die Schwangerschaftsberatung der Lahrer Caritas bei Marianne Lindenfelser gekommen waren, beweist den Handlungsbedarf in Sachen Aufklärung und Lebensplanung. In Kooperation mit der Friedrichschule in Lahr fand deshalb in den letzten beiden Wochen das Projekt Babybedenkzeit statt, bei dem 22 Jugendliche jeweils für ein Wochenende ein Roboterbaby betreuten.

Am Montagnachmittag war die Abschlussbesprechung mit allen beteiligen Schülern, den Lehrerinnen Ursula Windmüller und Cornelia Obergföll, Schwangerschaftsberaterin Lindenfelser und Studentin Nadine Lange, die das Projekt im Rahmen ihres Studiums an der evangelischen Fachhochschule Freiburg begleitet.

Auch zwei der Robobabys waren dabei, blieben aber die meiste Zeit abgeschaltet. Sie hätten sonst das Pressegespräch durchaus nachhaltig stören können, wie Babys das eben manchmal tun, wenn sie Hunger haben, oder die Windeln gewechselt werden müssen. Die Baby-Puppen sind kleine programmierbare Computer in einem lebensechten Puppenkörper. Sie können auf unterschiedliche Art weinen, und es wird registriert, ob sich die Betreuungsperson richtig um das Baby kümmert.

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Wie lang dauert es zum Beispiel, bis jemand kommt, oder auch ob das Weinen oder Wimmern richtig gedeutet wird. Auch wenn der Kopf des Babys beim Hochheben nicht gehalten wird, schlägt das später bei der Beurteilung negativ zu Buche. Doch es geht nicht darum, einen Baby-Pflegekurs zu ersetzen, sondern darum, realistische Erfahrungen zu machen – auch damit, wie man selbst reagiert, wenn einen das Baby in der Nacht zum x-ten Mal weckt.

"Ich habe mir schon gedacht, dass es nicht einfach wird"

Marianne Lindenfelser dankte den teilnehmenden Schülern und Schülerinnen, die alle die 9. Klasse mit dem Fächerschwerpunkt Hauswirtschaft belegen, dass sie den Mut hatten, sich an diesem Projekt zu beteiligen. Ehrlich und durchaus beeindruckt berichteten dann die zwischen 14 bis 16 Jahre alten Jugendlichen von ihren Erfahrungen. Deria ist sich sicher, dass sie so früh kein Kind möchte. Der 14-jährige Sahin hatte sich schon gedacht, dass es nicht so einfach wird, und ist sichtlich stolz darauf, dass die Jungs der Gruppe die besten Babysitter waren. Allerdings hatte er die Puppe auch als Puppe behandelt und – zum Beispiel beim Windelnwechseln – den Computer ein wenig beschummelt. Dennoch: "Alle haben sich gut um die Babys gekümmert, einige sogar sehr gut", lobten die Lehrerinnen.

Überraschend war für die Jugendlichen, wie echt es sich anfühlt, mit dieser Puppe umzugehen. Aber es waren auch Gefühle der Überforderung aufgekommen, die dann per Telefonat mit der Lehrerin abgeklärt werden mussten. In einigen Familien haben sogar die Eltern als Großeltern mitgespielt – doch einfach abgeben, das ging in diesem Fall nicht. Ein Erkennungschip sorgt dafür, dass das Baby Vater oder Mutter erkennt.

"Die Mädchen sind emotionaler rangegangen als die Jungs", erzählt Cornelia Obergföll, die "Jungs haben es lockerer genommen", aber mindestens genauso gut gemacht, ergänzt Ursula Windmüller. Dass die Themen Lebensplanung, Freundschaft, Umgang mit einem Kind, Verantwortung und Misshandlung nicht nur theoretisch, sondern praktisch erfahrbar geworden seien, werten beide Lehrerinnen als großen Vorteil des Projekts.

Autor: Juliana Eiland-Jung